Fukushima aktuell: Dosimeterwildschweine sollen Strahlungskarten verbessern

Fukushima aktuell: Dosimeterwildschweine sollen Strahlungskarten verbessern

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Artikelbild - Wildschweinspuren in Japan (Foto: pd)
Fukushima: Mit Wildschweinen auf der Suche nach Strahlungsdaten (Symbolfoto: pd)

Tierische Hilfe bei der Datenerfassung und Sauställe in Sperrgebieten sind zwei Themen der aktuellen Fukushima News. Weitere Meldungen, die in Fukushima heute von Interesse waren, finden sich nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. Februar 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Bessere Strahlungskarten durch Dosimeterwildschweine
  • Präfektur Fukushima drängt Hongkong zu Importen
  • TEPCO entschuldigt sich für Unterschätzung der Kernschmelze
  • Überblick zur Strahlungsbelastung bei Fukushima-Arbeitern

Bessere Strahlungskarten durch Dosimeterwildschweine: Am gestrigen Montag gab ein Team vom Umweltinstitut der Universität Fukushima in der gleichnamigen Stadt ihre aktuellen Maßnahmen und Ergebnisse bekannt.

Die Wissenschaftler um Professor Thomas G. Hinton statteten Wildschweine, die in Namie gefangen worden waren, mit einem Halsband aus, das ein Dosimeter, sowie einen GPS-Sender enthielt. Die halbstündig gesendeten Daten werden dann für eine Karte genutzt.

Eine vergleichbare Strategie war bereits bei Wölfen nach der Tschernobyl-Katastrophe eingesetzt worden, um die konventionell gewonnenen Informationen zu ergänzen. Diese werden beispielsweise durch Wasser- und Erdproben geliefert.

Durch die Wildschweine gelangt man auch an Strahlungsdaten von Orten, die für Menschen unzugänglich wären – sowohl aufgrund der Lage im Sperrgebiet, als auch aufgrund von Bewaldung und Unterholz.

Doch die Tiere bringen nicht nur positives. Die zurückgelassenen Häuser werden häufig von wildlebenden Tieren verwüstet und als bequeme Plätze zur Geburt und Aufzucht von Jungtieren genutzt. Dies bedeutet nicht nur bauliche Schäden, sondern auch ein Infektionsrisiko für Rückkehrer.

Über das Wildschweinprojekt berichteten Präfekturmedien.

Präfektur Fukushima drängt Hongkong zu Importen: Vertreter der Präfektur Fukushima fordern von der Verwaltung in Hongkong eine Aufhebung der Importverbote von Obst und Gemüse aus der Präfektur.

In einer gestrigen Kampagne informierten sie Verwaltung und Medien in Hongkong über die anhaltenden Maßnahmen zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit.

Dabei wurde auf die gesunkenen Strahlungswerte verwiesen, die vielfach nicht mehr höher seien, als in anderen Teilen der Welt und den Umstand, dass es 2015 keinerlei Grenzwertüberschreitungen bei Landwirtschaftsprodukten gab.

Die Vertreter der Präfektur Fukushima forderten mit dieser Argumentation eine Aufhebung des Importverbots, das nur aufgrund unzureichender Informationen und unbegründeten Ängsten aufrechterhalten werde.

Vor der Kraftwerkskatastrophe war Hongkong der größte Exportpartner und 80 Prozent der Produkte aus Landwirtschaft, Forstarbeiten und Fischerei gingen in die Sonderverwaltungszone.

Auch galten Fukushima-Lebensmittel dort als beliebt. Pfirsiche als regionale Spezialität der Präfektur fanden dort entsprechenden Absatz. Doch seit den Ereignissen vom März 2011 verweigert die Verwaltung den Import aus Fukushima und vier weiteren Präfekturen.

Über die Charmeoffensive in der chinesischen Metropole berichtete die NHK.

TEPCO entschuldigt sich für Unterschätzung der Kernschmelze: Vor dem Haushaltsausschuss des Oberhauses im Parlament entschuldige sich Naomi Hirose, Präsident des Kraftwerksbetreibers TEPCO offiziell für die falsche Beurteilung.

Die damaligen Ereignisse lediglich als „Schaden am Reaktorkern“ eingestuft zu haben, anstatt den eigenen Richtlinien entsprechend eine „Kernschmelze“ in den betroffenen Reaktoren zu vermuten, sei eine Unterschätzung gewesen.

Es entspreche der Wahrheit, dass das Handbuch mit den Notfallrichtlinien, dass auch eine Definition für den Zustand der Kernschmelze enthielt, nicht im Umlauf gewesen sei. Er bedauere dieses Versäumnis. Der Aufforderung, eine Untersuchung einzuleiten, sei er nachgekommen.

Über die Entschuldigung des Energieunternehmens berichteten Präfekturmedien.

Überblick zur Strahlungsbelastung bei Fukushima-Arbeitern: Ende vergangenen Monats veröffentlichte TEPCO wie übliche die monatlichen Zahlen zu Strahlungsbelastungen und Neueinstellungen am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

Ein Überblick zeigt jedoch einmal allgemein die betreffenden Umstände für die Arbeiter. Mit Stand vom Ende Januar waren 46.490 Arbeiter bislang radioaktiver Belastung ausgesetzt. Der Durchschnitt lag bei 12,7 Millisievert.

Insgesamt 32.760 Arbeitskräfte haben nun im Fall einer Leukämie den Anspruch auf Entschädigungszahlungen, da sie einer jährlichen Strahlungsbelastung von mehr als fünf Millisievert ausgesetzt waren.

Im Oktober 2015 wurde erstmals ein Fukushima-Arbeiter für seine Leukämie-Erkrankung entschädigt.

Während mit diesen Werten noch keine konkrete Gesundheitsgefährdung ist, wurde bei 174 Arbeitern eine Gesamtbelastung von mehr als 100 Millisievert festgestellt, was eine statistische Erhöhung des Sterberisikos durch Krebs um 0,5 Prozent erhöht.

Der Großteil dieser Risikogruppe war unmittelbar nach Beginn der Katastrophe am Kernkraftwerk beschäftigt. Der höchste nachgewiesene Wert eines Arbeiters betrug 678,8 Millisievert.

Weitere statistische Daten zeigen, dass sich das Verhältnis der Strahlungsbelastung bei TEPCO-Beschäftigten und Angestellten von Subunternehmen im Laufe der Jahre änderte. Seit 2012 sind mehr Strahlungsbelastungen bei Subunternehmen festgestellt worden.

Diese Zahlen stehen im Gegensatz zum landesweiten Trend, denn wie Daten der Atomaufsichtsbehörde NRA zeigen, sanken bei Arbeitern an 15 anderen AKW die Belastungen, was auch auf das Herunterfahren nach der Katastrophe zurückzuführen ist.  Über die Zahlen berichtete die jiji.

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