Fukushima aktuell: Dreister Dekontaminationsbetrug aufgeflogen

Fukushima aktuell: Dreister Dekontaminationsbetrug aufgeflogen

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Artikelbild - Schubkarren (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Groß angelegter Betrug bei Dekontaminationsaufträgen (Symbolfoto: pd)

Während aus anderen Teilen der Präfektur keine Auffälligkeiten gemeldet werden, berichtet die Stadt Fukushima heute von einem besonders dreisten Fall von Betrug bei der Dekontamination radioaktiv belasteter Gebiete.

Die Details dieser Fukushima News, sowie weitere Meldungen, gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Mai 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Dreister Betrug bei Dekontaminationsarbeiten
  • Erste Schadensbilanz der Sperrgebiets-Waldbrände
  • Bergung von Kulturgütern aus Okuma
Dreister Betrug bei Dekontaminationsarbeiten

Die Stadtverwaltung Fukushima erwägt die Einreichung einer Klage wegen betrügerischer Machenschaften von Subunternehmen, die Dekontaminationsarbeiten im Bezirk Matsukawa offenbar lediglich vorgetäuscht hatten, um Gelder einstreichen zu können.

Demnach habe die mittlerweile aufgelöste Firma Zerutech Tohoku, das als Subunternehmen eines Joint-Ventures von drei Baufirmen tätig war, vorsätzlich Fotos gefälscht, um die Rodung von Bambuswäldern vorzutäuschen.

Im Normalfall werden für die Dekontamination von Wäldern lediglich etwa 500 Yen pro Quadratmeter gezahlt. Aufgrund der Schwierigkeiten durch das Fällen dicker Bambusrohre steigt die Vergütung jedoch auf etwa 5.100 Yen pro Quadratmeter

Aus diesem Grund habe das Unternehmen abgeschnittene Bambusstrünke im Boden platziert, um Rodungsmaßnahmen vorzutäuschen, die in Wirklichkeit niemals stattfanden – und dafür das zehnfache des üblichen Preises kassiert.

Ein weiterer Betrug bestand darin, einen Arbeiter mit einer Bambusstange aus verschiedenen Winkeln zu fotografieren, um in den Berichten den Eindruck zu erwecken, die Maßnahmen wären an verschiedenen Orten durchgeführt worden.

Der Betrug flog nach Hinweisen eines Whistleblowers im vergangenen November auf und seitdem führte die Verwaltung entsprechende Befragungen bei den auftraggebenden Bauunternehmen durch.

Das Joint-Venture war von September 2014 bis März 2016 bei der Dekontamination von 185.000 Quadratmetern tätig und erhielt für die Arbeiten 620 Millionen Yen von der Stadtverwaltung, die natürlich auch dem Subunternehmen zukamen.

Was diese nicht durchgeführten Arbeiten für das Sicherheitsgefühl der Bürger bedeutet, da die Arbeiten jene Gebiete betrafen, die 20 Meter um die Wohngebiete und landwirtschaftliche Nutzflächen liegen, muss sicher nicht gesondert erwähnt werden.

Über den groß angelegten Betrug berichtete die Mainichi Shimbun.

Erste Schadensbilanz der Sperrgebiets-Waldbrände

Die seit dem 29. April bestehenden Waldbrände im Sperrgebiet um die Ortschaft Namie wurde bereits offiziell für kontrolliert erklärt. Gestern wurde der Einsatz um 15:03 Uhr beendet und heute eine erste Zwischenbilanz vorgelegt.

Demnach wurde eine Gesamtfläche von 75 Hektar ein Raub der Flammen. Somit handelt es sich um den größten Brandschaden und den am längsten währenden Waldbrand seit der Einführung von Löschhubschraubern im Jahr 1998.

Anhand der Daten der Präfektur konnten auch Ereignisse vor der Einführung verglichen werden. Demnach dauerte der längste Brand seit Beginn der Aufzeichnung drei Tage (2016) und die größte Brandfläche lag bei 115 Hektar (1996).

Ursachen für lange Branddauer

Weshalb im aktuellen Fall die bislang längste Löschdauer benötigt wurde, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. So konnten keine Nachteinsätze geflogen werden und die körperliche Erschöpfung der Einsatzkräfte war stärker als sonst.

Sowohl die Lage der Brandherde an einem steilen Berghang mit schlechtem Gelände, als auch die zusätzliche Belastung durch das Tragen von Schutzanzügen gegen die radioaktive Kontamination der Wälder, hätten die Beschäftigten stark erschöpft.

Positive Bilanz

Es gab weder Verletzte, noch entstand Schaden an Privathaushalten. Entgegen im Internet kursierenden Gerüchten sei auch keine nennenswerte Veränderung des Strahlungsniveaus festgestellt worden, heißt es vom Notfalleinsatzzentrum.

Über diese erste Bilanz berichteten Präfekturmedien.

Bergung von Kulturgütern aus Okuma

In der Gemeinde Okuma wurden aus Gebieten mit geringer Rückkehraussicht aufgrund des Strahlungsniveaus, verschiedene Gegenstände aus Privathaushalten geborgen, um sie auch künftigen Generationen zu erhalten, anstatt sie dem Verfall preiszugeben.

Die Initiative geht auf Landwirte zurück, die befürchten, beim Abbau von alten Gebäuden könnten auch Objekte verloren gehen, die historischen Wert haben und die Geschichte des Ortes erzählen.

Gestern  wurden aus einem Lagerhaus aus der Zeit der Meiji-Restauration, als Japan zur modernen Gesellschaft wurde und einige Lokalfürsten sich widersetzten, neben historischen landwirtschaftlichen Geräten auch Kisten mit Munition geborgen.

Ähnliche Aktionen zur Bewahrung der Geschichte von Okuma sind in Zukunft geplant und werden unter anderem auch durch ein Schulprojekt gefördert. Das berichten Präfekturmedien.

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