Fukushima aktuell: Drohungen und Kindermörder-Vorwurf gegen Jugendprojekt

Fukushima aktuell: Drohungen und Kindermörder-Vorwurf gegen Jugendprojekt

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Artikelbild - Kinder in Katastrophenpräfekturen benötigen Traumahilfe (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Präfektur Fukushima: Drohungen gegen Jugendprojekt für Wiederaufbau (Symbolfoto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Die aus der Präfektur Fukushima heute gemeldeten Drohungen gegen ein soziales Projekt dürften manchen Leser schockieren. Auch in weiteren Fukushima News geht es um Rufmord, sowie Hintergründe zum morgigen Robotereinsatz.

Weitere Details gibt es wie üblich bei uns im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. März 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Freiwilligenprojekt erhält Drohungen als „Kindermörder“
  • Ursache für Kameradefekt vor Robotermission ermittelt
  • Zeitung entschuldigt sich für Fukushima Fake News
  • Fischer aus Fukushima hoffen auf neue Märkte
Freiwilligenprojekt erhält Drohungen als „Kindermörder“

Die Organisatoren der Nichtregierungsorganisation „Happy Road Net„, die sich für eine Wiederbelebung der Region durch Gemeinschaftsprojekte  einsetzt, werden wegen ihres Engagements mit Drohanrufen, E-Mails und Faxen von Personen außerhalb der Präfektur Fukushima belästigt.

Grund hierfür sind unter anderem die freiwilligen Müllsammelaktionen entlang der Nationalstraße 6, die mit Schülern in fünf Gemeinden (Hirono, Iwaki, Minamisoma, Shinchi und Soma) in Fukushima durchgeführt werden.

Die Schüler reinigen dabei lediglich entlang der Straße in ihren Wohngebieten und werden nicht zu einem überregionalen Arbeitseinsatz beordert. Dennoch sind die Reaktionen heftig.

In den Drohungen, die teilweise sogar aus dem Ausland erfolgen, wird behauptet, die Kinder würden vorsätzlich umgebracht, da man sie Radioaktivität aussetze. Auch die Verwendung des Begriffs „Happy“ (fröhlich) wird auf drastische Weise kritisiert.

Zwar nimmt die Zahl der Drohungen ab – waren es bei der Sammelaktion im Herbst 2015 noch über 1.000 telefonische, oder schriftliche Drohungen, sank die Zahl im Oktober vergangenen Jahres auf 80 Fälle – dennoch sind die Vorwürfe verletzend für die Organisatoren,

Als Ursache für die verleumderischen Behauptungen nennt die Vorsitzende von Happy Road Net das mangelnde Verständnis von Radioaktivität. Dies schüre Angst, fördere Vorurteile und Diskriminierung, so dass eine bessere Aufklärung erforderlich sei.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl werde den Kindern in Weißrussland derartiges Wissen bereits in den Schulen vermittelt. Im Vergleich dazu sei die schulische Aufklärung in Japan mit wenigen Stunden pro Jahr unzureichend.

So hätten zwei Schulen die Einladung zur Teilnahme an einem Organisationskomitee für ein internationales Schülertreffen in Iwaki unter Bezug auf die Strahlungsängste abgelehnt. Über Drohungen und mangelnde Kenntnisse berichteten Präfekturmedien.

Ursache für Kameradefekt vor Robotermission ermittelt

Die gestrige Verschiebung eines Robotereinsatzes in Reaktor 1 war mit dem Ausfall einer Kamera bei Vorbereitungsarbeiten begründet worden. Die Kamera hätte den eigentlichen Einsatz beobachten sollen, dies wurde jedoch durch einen Bildausfall verhindert.

Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi heute mitteilte, ist die Ursache für den plötzlichen Ausfall nun ermittelt worden.

Demnach war das Verbindungskabel der Kamera abgetrennt worden, weil die Kabeltrommel des Geräts mit überflüssig montierten Teilen in Kontakt geriet. Nach einer Entfernung der Teile und einem Austausch des Kabels ist für morgen ein neuer Versuch geplant.

Über die Ursache berichteten Präfekturmedien.

Zeitung entschuldigt sich für Fukushima Fake News

Die japanische Tageszeitung Yomiuri Shimbun veröffentlichte in ihrer heutigen Ausgabe eine Entschuldigung, nachdem ein Artikel auf Basis ungeprüfter Aussagen veröffentlicht worden war, die sich als falsch herausstellten.

Der Mitarbeiter hatte berichtet, der Bürgermeister von Naraha lehne es ab, Mitarbeiter seiner Behörden zu befördern, oder Gehaltserhöhungen zu gewähren, wenn diese nicht nach Naraha zurückkehren würden.

Dabei berief sich der Reporter nicht nur ungeprüft auf die Meldungen andere Zeitungen, sondern er erfand die obige Aussage schlichtweg und behauptete, der Bürgermeister habe so die Vorbildfunktion seiner Angestellten zur Rückkehrbereitschaft betonen wollen.

Die Yomiuri Shimbun entschuldigte sich für das Vorgehen des Mitarbeiters und teilte mit, man werde Disziplinarmaßnahmen ergreifen. Der Reporter sagte, er habe unter Zeitdruck gestanden und den Artikel leichtfertig geschrieben, ohne ein Interview zu führen.

Über den Zwischenfall berichtete neben der Yomiuri Shimbun auch die Mainichi Shimbun.

Fischer aus Fukushima hoffen auf neue Märkte

Obwohl sechs Jahre seit der AKW-Katastrophe viele Verkaufsverbote für Lebensmittel aus Fukushima innerhalb Japans bereits aufgehoben wurden, blockieren derzeit immer noch 33 Staaten, darunter Südkorea und Taiwan, den Import von Lebensmitteln aus Teilen Japans.

Die wirtschaftlichen Folgen sind bedeutend für die Region Tohoku. Das zeigt sich daran, dass die Präfektur Miyagi aufgrund des seit 2013 geltenden südkoreanischen Boykotts allein im vergangenen Jahr fast 7.600 Tonnen Fisch aus Zuchtbetrieben entsorgen musste.

Auch die Lockerung der Importverbote in die EU, die im vergangenen Jahr beschlossen wurde, gleicht die Verluste nicht aus. Doch nun könnten Länder Südostasiens einen neuen Abseitsmarkt für die japanischen Produkte bieten, da dort die Hürden niedriger sind.

So wurde Thailand zu einem Abnehmer für die berühmten Pfirsiche aus Fukushima und auch wenn das japanische Obst in Thailand nur für Wohlhabende erschwinglich ist, erfreut es sich bereits Beliebtheit als Mitbringsel.

So stieg der Export nach Thailand im Jahr 2016 auf 20 Tonnen und damit um das 15-fache des Vorjahreswerts. Die Präfektur hofft nun, durch weitere Märkte in Südostasien die bisherigen Verluste ausgleichen zu können. Das berichtete die jiji.

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