Fukushima aktuell: Einwohner misstrauen Dekontaminationsarbeitern

Fukushima aktuell: Einwohner misstrauen Dekontaminationsarbeitern

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Artikelbild - Dekontaminationsarbeiten (Foto: TEPCO, veröff. Juni 2012)
Präfektur Fukushima: Durchführung von Dekontaminationsarbeiten (Foto: TEPCO, Juni 2012)

Das Ansehen der Dekontaminationsarbeiter und die finanzielle Entschädigung für die Katastrophenfolgen sind für die Präfektur Fukushima heute zwei wichtige Themen. AKW-Betreiber TEPCO musste sich dagegen erneut mit einem Alarm auf der Kraftwerksanlage befassen.

Welche Auswirkungen die aus Japan aktuell gemeldeten Entscheidungen und Ereignisse haben, berichten wir als Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Januar 2016.

Unsere heutigem Themen im Überblick:

  • Vertrauensbildende Maßnahmen für Dekontaminationsarbeiter
  • AKW meldet zweiten Staubalarm seit Jahresbeginn
  • Präfektur will Vermittler in TEPCO-Entschädigungsstreit

Vertrauensbildende Maßnahmen für Dekontaminationsarbeiter: Sakurai Katsunohe, Bürgermeister von Soma, beklagte die sozialen Herausforderungen für die Verantwortlichen, die sich mit zahlreichen Ängsten der Bürger konfrontiert sehen.

Straftaten durch Dekontaminationsarbeiter im Dezember vergangenen Jahres gehören ebenso dazu, wie die gestiegene Zahl an Verkehrsunfällen aufgrund schlechter Verkehrsregelung.

Insbesondere die Straftaten im Zuge der Dekontaminationsarbeiten führten zu Vertrauensproblemen, da  Arbeitskräfte sowohl in Wohnheimen, als auch in privat betriebenen Unterkünften, wie etwa kleinen Hotels untergebracht sind.

Die Kontakte zwischen den Bürgern, und jenen Männern, die aufgrund ihrer Armbinde als Dekontaminationskräfte zu erkennen sind, seien gering und die Ängste um die Sicherheit führten zu einer sozialen Mauer zwischen beiden Gruppen.

Die Verwaltung und die Polizei von Minamisoma wollen sowohl den Ängste im Bezug auf die Arbeiter, als auch die Sorge um die Verkehrssicherheit aktiv entgegentreten. So wären Gerüchte über gestiegene Straftaten im Umlauf, obwohl landesweit der Trend sinke.

Durch gemeinsame Aktivitäten von Bürgern und Arbeitern sollen die Kontakte verbessert und das Vertrauen gestärkt werden. So gibt es bereits gemeinsame Kontrollgänge durch Nachtpatrouillen, um Einbruchdiebstähle zu verhindern.

Auch bei der Verkehrssicherheit wollen die Gemeinden und die Unternehmen enger zusammenarbeiten, denn die Tatsache gestiegener Verkehrsunfälle (2014 waren es 1,800 im Jahr 2015 bereits 2056) ist nicht zu leugnen. In etwa 20 Prozent der Fälle sind Fahrzeuge von Dekontaminationsunternehmen in die Unfälle verwickelt.

Auch Verschönerungsmaßnahmen der Gemeinde sollen in Zusammenarbeit erfolgen, damit die Angst vor dem „Unbekannten“ effektiv bekämpft und durch freundliche Beziehungen ersetzt werden kann. Dazu bedarf es aber auch gegenseitigen Verständnisses.

Dekontaminationsarbeiter berichten zum Teil davon, ihre Aufgabe enthusiastisch begonnen zu haben, mit dem Ideal, zum Wiederaufbau beizutragen. Die ausschließlich gewinnorientierte und zuweilen skrupellose Vorgehensweise der Arbeitgeber habe jedoch ernüchternd gewirkt.

Das Misstrauen der Bürger nach den Berichten über Straftaten ist dann auch einer der Faktoren für die schlechte Motivation der Dekontaminationsarbeiter, was in schlampigen Arbeiten und Betrugsversuchen münde.

Durch die Vertrauensbildenden Maßnahmen hofft man, dass die Arbeitskräfte, die häufig nicht aus der Präfektur stammen, sich wieder willkommener fühlen und die emotionalen Distanzen abgebaut werden können. Das berichteten Präfekturmedien.

AKW meldet zweiten Staubalarm seit Jahresbeginn: Am gestrigen Mittwoch kam es gegen 12:39 Uhr zum Alarm eines der Staubdetektoren, mit denen die Belastung der Umgebungsluft durch radioaktives Material überwacht wird.

Es ist bereits der zweite Staubalarm am AKW Fukushima seit Jahresbeginn.

Beim aktuellen Zwischenfall handelte sich um einen schweren Alarm, der bei hohen Grenzwertüberschreitungen automatisch ausgelöst wird. TEPCO untersuchte die Umstände des Ereignisses  umgehend.

Eine erste Analyse des Filterpapiers aus dem Messposten ergab lediglich erhöhte Werte für Cäsium-134 und Cäsium-137. Alle anderen Substanzen lagen unter dem Nachweiswert.

Nach einer Untersuchung der Umstände vor Ort, gab der Kraftwerksbetreiber eine erste Einschätzung der Vorgänge, die zum Alarm führten ab. Demnach waren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Arbeiten auf dem Gelände für den Alarm verantwortlich.

Weder bei den Demontage-Arbeiten an Reaktor 1, noch bei der Trümmerräumung von Reaktor 3 oder dem Auseinandernehmen von Tanks an Reaktor 3 wurden gestiegene Werte festgestellt. Auch sonst schlug keiner der Messposten Alarm.

Man geht davon aus, dass der Alarm wahrscheinlich durch aufgewirbelten Straßenstaub ausgelöst wurde. Die Winde bliesen zum Zeitpunkt der Ereignisse vom Gebiet außerhalb der Kraftwerksanlage. Diese Einschätzung wurde später von TEPCO in einer Folgemeldung untermauert.

Möglicherweise trug abgeladener Abfall zum aufgewirbelten Staub bei, was den Anstieg der Werte an ausschließlich diesem Messposten erklären würde, da weder davor noch danach Auffälligkeiten festgestellt werden konnten. Hierüber berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Präfektur will Vermittler in TEPCO-Entschädigungsstreit: Nachdem sich die Präfekturverwaltung Fukushima und der Kraftwerksbetreiber TEPCO in wesentlichen Punkten nicht einigen konnten, soll nun eine Mediation helfen.

Die Präfektur fordert von TEPCO etwa eine Milliarde Yen als Ausgleich für die Kosten durch die Kraftwerkskatastrophe 2011, sowie die Übernahme der Kosten für eine PR-Kampagne die Touristen zurück in die Präfektur bringen soll.

Nun soll das, von der Regierung eingesetzte, Schlichtungszentrum für Entschädigung bei Kraftwerksunfällen vermitteln. Der Antrag auf Vermittlung zwischen beiden Parteien kann im April eingereicht werden, sobald die Präfekturversammlung zustimmt.

Seit Juli 2012 hat die Präfektur in drei Entschädigungsaufforderungen eine Gesamtmenge von 11,01 Milliarden Yen von TEPCO gefordert. Bislang zahlte TEPCO lediglich 3,92 Milliarden, etwa für die Wiederbelebung lokaler Betriebe. Hierüber berichtete die Asahi Shimbun.

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