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Fukushima aktuell: Eiswall als Grundwasserbarriere problematischer als gedacht

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Artikelbild - Testversuch einer Eiswand im November 2013 (Foto: TEPCO)
Testaufbau einer Eiswand im November 2013 (Foto: TEPCO)

Das Projekt, eine Grundwasserbarriere durch den Einsatz von Bodenfrostung und dem Resultat einer unterirdischen Eiswand zu schaffen, hat nicht nur Kritiker, sondern könnte sogar ineffektiver sein, als gedacht. Auch die Grundwasserumleitung und Verklappung weist noch nicht die gewünschte Effizienz auf. Mehr zu dem, was am AKW Fukushima heute geschah, nun im Rahmen der Fukushima News des Spreadnews Japan-Tickers vom 3. Juni 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Weitere Bedenken zur Grundwasserbarriere durch Eiswall-Projekt
  • Grundwasserumleitung weniger effektiv
  • Informationen zum Leck an einem Lagertank
  • Verbesserungen in der Präfektur Fukushima
  • Großteil japanischer Grundschulen erdbebensicher
  • Zwei Präfekturen legen Todesopferschätzungen für Nankai-Großbeben vor

Weitere Bedenken zur Grundwasserbarriere durch Eiswall-Projekt: Neben der Befürchtung, durch drastische Änderungen, könnte der Pegel von radioaktiv kontaminiertem Wasser in den Kellergeschossen ansteigen und an die Oberfläche gelangen, gibt es weitere Hürden für die vollständige Durchführung der Grundwasserbarriere.

AKW Fukushima: Bohrung für die Grundwasserbarriere (Eiswall) am 2. Juni 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Bohrung für die Grundwasserbarriere am 2. Juni 2014 (Foto: TEPCO)

So ist beispielsweise der Energiebedarf für die Pumpen des Kühlmittels in den Leitungen sehr hoch und müsste möglicherweise durch zusätzliche Maßnahmen, wie etwa Strompreiserhöhungen oder Regierungsmittel, gedeckt werden.

Aufgrund des Umfangs des Eiswallprojekts ist unklar, ob die Maßnahme überhaupt den erwünschten Effekt haben und die Menge an kontaminiertem Wasser tatsächlich reduzieren wird.

Sowohl Regenschauer, die im Erdboden kontaminiert würden, als auch Grundwasserfluss, der seinen Weg unterhalb der 30 Meter tiefen Barriere findet, können die Effektivität verringern.

Selbst bei problemlosem Betrieb müsste das Unternehmen immer noch 480.000 Tonnen kontaminiertes Wasser bewältigen. 360.000 Tonnen hiervon weisen hohe Strahlungswerte auf, berichtet die Asahi Shimbun.

Auch, dass die Atomaufsicht NRA nur eine Teilgenehmigung erlassen hat, ist auf Schwierigkeiten zurückzuführen, mit denen sich TEPCO und die Regierung früher oder später konfrontiert sehen werden.

Denn die Genehmigung zur unterirdischen Einbringung von Kühlleitungen gilt nur für Bereiche, in denen sich keine unterirdischen Strukturen befinden. Da jedoch im Küstenbereich unterirdische Tunnel existieren, die im Laufe der Krise mit stark radioaktivem Wasser volliefen, ist für diese Strecke die Rohrverlegung zunächst untersagt.

Nur wenn die Betreiber glaubhaft versichern können, dass die Rohrarbeiten am Eiswall kein Risiko darstellt, ist mit einer erweiterten Genehmigung durch die Atomaufsicht zu rechnen. Welche Folgen der Austritt der Kühlflüssigkeit bei beschädigten Rohren, etwa durch Erdbeben haben könnten, wurde bislang nicht offiziell diskutiert.

Grundwasserumleitung weniger effektiv: Nicht allein, dass die jetzt begonnenen Arbeiten an der Grundwasserbarriere den Kraftwerksbetreiber TEPCO vor neue Herausforderungen stellt – bereits die Grundwasserumleitung, die zur Verklappung von Grundwasser in den Pazifik führt, erweist sich als weniger effektiv, als erhofft.

Statt den Einfluss von Grundwasser in die Reaktorgebäude um 100 Tonnen senken zu können, musste die Schätzung auf 20 bis 100 Tonnen korrigiert werden. Ursache hierfür ist der Umstand, dass die volle Effektivität erst im Verlauf einiger Monate eintreten wird. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Informationen zum Bolzenleck an Lagertank: Am gestrigen Tag wurden ein kleines Leck an den Bolzen eines Lagertanks  entdeckt. Der betroffene Behälter hat ein Fassungsvermögen von 4.000 Tonnen und das Wasser trat mit der Geschwindigkeit von einem Tropfen pro Sekunde aus  dem Tank (Spreadnews berichtete am gestrigen Montag).

Mittlerweile wurde Wasser in eine andere Lagertankgruppe geleitet und der Wasseraustritt gestoppt. Eine Analyse des Wassers aus dem Lagertank ergab eine Konzentration von Cäsium-134 und Cäsium-137 unterhalb des Nachweiswerts. Die Gesamtbelastung an Betastrahlern lag bei 72.000 Becquerel pro Liter.

Die Werte innerhalb der Tankbarriere wiesen eine Gesamtbelastung von Betastrahlern in Höhe von 9.800 Becquerel pro Liter auf. Cäsium lag auch in diesem Fall unter dem Nachweiswert. Das berichtet der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Verbesserungen in der Präfektur Fukushima: Die Präfektur Fukushima präsentiert mehrere Fortschritte in der Infrastruktur. So wurde am Sonntag erstmals seit Ausbruch der Fukushima-Krise die Zugstrecke der JR Joban, zwischen den Bahnhöfen Hirono und Tatsuta in der Ortschaft Naraha, wieder in Betrieb genommen. Dennoch ist ein Großeil des Gebiets entlang der Strecke noch Sperrgebiet.

Berg Higashiazuma, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Berg Higashiazuma, Präfektur Fukushima (Foto: pd)

Rückkehr zur Normalität symbolisiert auch die Rückkehr der Verwaltung in Naraha an den alten Verwaltungssitz. Die Ortschaft war nach den Ereignissen vom 11. März 2011 evakuiert und die Leitung nach Iwaki verlegt worden.

Bürgermeister Yukiei Matsumoto erklärte, dies sei ein erster Schritt, um die Region wieder für Bürger nutzbar zu machen.

Die Aufhebung des Importverbots für Lebensmittel aus Fukushima, die am Samstag von Lee Hsien Loong, Premierminister von Singapur bekannt gegeben wurde, könnte künftige Exporte der Präfektur verbessern.

Ein Projekt, das neben Minamisoma (Präf. Fukushima) als auch in Otsuchi (Präf. Iwate) und Iwanuma (Präf. Miyagi) läuft, ist die Pflanzung von Setzlingen in den einstigen Katastrophenregionen.

Diese sind sowohl ein Symbol für den Wiederaufbau, als auch ein natürlicher Schutz vor der Wucht künftiger Tsunami. Allein in Iwanuma wurden am Samstag 70.000 Setzlinge gepflanzt.

Über die Erfolge berichteten neben Kyodo, Asahi Shimbun und NHK auch Präfekturmedien.

Großteil japanischer Grundschulen erdbebensicher: Mit 92,5 Prozent entsprechen der Großteil der japanischen Grund- und Mittelschulen den nationalen Standards zum Erdbebenschutz. Die am gestrigen Montag durch das Bildungsministerium veröffentlichten Zahl entsprechen dem Stand vom 1. April 2014.

Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)
Ugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)

Doch auch wenn das Ziel, bis Ende des Fiskaljahrs 2015, alle Schulen ausreichend gesichert zu haben, bedeuten diese Zahlen jedoch auch, dass immer noch 10.560 Schulen nicht die vorgeschriebenen Bedingungen entsprechen.

Bei Kindergärten (84 Prozent) und Oberschulen (90 Prozent), liegt die Erdbebensicherheit ebenfalls noch unter den Vorgaben.

Über den verbesserten Erdbebenschutz an Schulen berichteten Kyodo, jiji und NHK.

Zwei Präfekturen legen Todesopferschätzungen für Nankai-Großbeben vor: Am heutigen Dienstag veröffentlichte die Präfekturverwaltung Hygo eine aktuelle Einschätzungen von Todesopfern durch das erwartete Nankai-Großbeben.

War die Regierung im Jahr 2012 noch der Ansicht, das Beben würde dort 5.800 Todesopfer fordern, spricht die Präfektur Hyogo nun von bis zu 29.100 möglichen Todesopfer, sollte das neu errechnete Szenario eintreten.

Die Einschätzung beruht auf der Annahme eines Tsunami mit der 3,2-fachen Größe, der von der Regierung erwarteten Flutwelle. Grund für die hypothetische Hochrechnung, ist das Absacken von Deichen durch Erdrutsche. Sowohl Todeszahlen als auch die Kosten der Schäden wurden anhand verschiedener Faktoren – Jahreszeit, Uhrzeit, Aufenthaltsort – berechnet.

Bereits am Wochenende hatte die Präfekturverwaltung von Aichi ihr Worst-Case-Szenario vorgelegt und erweitert darin die Angaben einer Regierungseinschätzung aus dem Jahr 2012. Demnach könnten dort bis zu 29.000 Menschen in Folge des Großbebens in der Nankai-Verwerfung sterben. Die Regierung war von 23.000 Todesopfern ausgegangen. Über die Schätzungen berichteten Kyodo und jiji.

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