Fukushima aktuell: Eiswallarbeiten wegen Ineffektivität genehmigt

Fukushima aktuell: Eiswallarbeiten wegen Ineffektivität genehmigt

Fehlende Effektivität räumt Sicherheitsbedenken vom Tisch

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Artikelbild - AKW Fukushima: Beaufsichtigung der Eiswall-Entwicklung (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Beaufsichtigung der Eiswall-Entwicklung im Juli 2016 (Foto: TEPCO)

Wenn im Zusammenhang mit dem Eiswall am AKW Fukushima heute von einer Genehmigung aufgrund von Ineffektivität zu hören ist, dürfte das so manchen überraschen.

Tatsächlich drehen sich gleich mehrere der aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News um ungewöhnliche Entscheidungen. Die Einzelheiten hierzu gibt es im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Dezember 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick;

  • NRA genehmigt Eiswallarbeiten wegen Ineffektivität
  • Erstmals Vertriebsverbot für Fukushima-Milch aufgehoben
  • Proteste gegen Taiwan-Import von japanischen Lebensmitteln
NRA genehmigt Eiswallarbeiten wegen Ineffektivität

Am gestrigen Montag kam die japanische Atomaufsichtsbehörde zu dem Schluss, dass der so genannte Eiswall zur Trennung von austretendem Reaktorwasser und sauberem Grundwasser nicht den gewünschten Effekt zeige.

Trotz der geringen Regenfälle der vergangenen Monate habe sich die Menge an Wasser, die aus Grundwasserbrunnen außerhalb der unterirdischen Eisbarriere heraufgepumpt wurde, immer noch nicht signifikant verändert.

Somit weise das Projekt, das die Regierung bereits 34,5 Milliarden Yen kostete, höchstens begrenzte, wenn überhaupt irgendeine Wirkung auf.  Die Behörde riet dem Kraftwerksbetreiber TEPCO, sich auf Pumparbeiten als Hauptmaßnahme zu konzentrieren.

Das Unternehmen ist dagegen von der Effektivität der Maßnahme überzeugt und erklärte, man sehe durchaus gewisse Resultate – ein Optimismus, der von der NRA nicht geteilt wird.

Dennoch kommt die Behörde dem Elektrizitätsunternehmen überraschenderweise entgegen – und zwar ausgerechnet aufgrund der mangelnden Effektivität der Maßnahme.

Die NRA zeigt sich nämlich nun gewillt, auch die Gefrierung des letzten Abschnitts zu genehmigen. Bislang war die Erlaubnis für Arbeiten auf der gebirgigen Seite durch Forderungen zum Nachweis der Effektivität und durch Sicherheitsbedenken behindert worden.

Man fürchtete, wenn der Zufluss von Grundwasser in die Reaktorgebäude auch auf der Landseite gänzlich geblockt werde, könnte dies zu einem Abfall des Wasserpegels führen, was den schwallartigen Austritt stark radioaktiver Abwässer zur Folge hätte.

Doch nachdem sich bereits der küstenseitige Abschnitt des Eiswalls als derart ineffektiv erwiesen hatte, sehe man auch keine besondere Gefahr durch Arbeiten an der gebirgigen Passage, so lange die Arbeiten mit der gebotenen Sorgfalt durchgeführt werden.

TEPCO nimmt die NRA beim Wort und will bereits im kommenden Jahr den Gefrierungsprozess an fünf Stellen einleiten. Das berichtete die Asahi Shimbun.

Erstmals Vertriebsverbot für Fukushima-Milch aufgehoben

Nach fünf Jahren und neun Monaten haben Behörden erstmals die Lieferbeschränkung für Rohmilch aus fünf Gemeinden der früheren Evakuierungszone aufgehoben.

Zu den fünf Standorten gehören neben Minamisoma und Tamura, auch Kawauchi, Katsurao und Naraha. Der Entscheidung waren langfristige Kontrollen durch die Gesundheitsbehörde der Präfektur Fukushima vorausgegangen.

So wurde seit Mai bis zum heutigen Tag allein in Naraha die Entnahme und Analyse von Produktproben an 31 Standorten durchgeführt, um die Sicherheit der Milch zu gewährleisten.

Alle Proben lagen nicht nur unter dem offiziellen Lebensmittelgrenzwert für Milch in Höhe von 50 Becquerel pro Kilogramm, sondern auch unter dem Nachweiswert. Aus diesem Grund genehmigte die Regierung die teilweise Aufhebung.

Die Milchbauern müssen ihre Erzeugnisse jedoch weiterhin testen lassen, so dass eine Qualitätskontrolle gewährleistet bleibt. Die Präfektur hofft auf positive Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Rückkehrbereitschaft von Einwohnern.

Der Vorsitzende des präfekturalen Dachverbands der Milchwirtschaftsbetriebe erklärte, die Möglichkeit, wieder einen Beruf aufnehmen zu können sei ein großer Schritt zum Wiederaufbau für die Milchbauern

Über die aktuelle Entscheidung berichteten Präfekturmedien.

Proteste gegen Taiwan-Import von japanischen Lebensmitteln

Am Sonntag protestierten nach Angaben der Organisatoren etwa 15.000 Menschen in Taipei gegen den Beschluss der taiwanesischen Regierung, Lebensmittel aus Nachbarpräfekturen von Fukushima wieder zu importieren.

Das Importverbot gegen fünf Präfekturen war von der Vorgängerregierung als Reaktion auf die Krise am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi verhängt und von der jetzigen Regierungspartei in vier Fällen gegen den Willen der Opposition aufgehoben worden.

Lediglich für Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima besteht weiterhin ein Einfuhrverbot

Eine für Sonntag geplante öffentliche Anhörung musste wegen aggressiver Teilnehmer, die sich Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten, praktisch aufgegeben werden, da keine sachliche Diskussion möglich war.

Die Opposition wirft der Regierung vor, Lebensmittel aus Chiba, Gunma, Ibaraki und Tochigi zu genehmigen, obwohl das taiwanesische Volk diese Nahrung nicht wolle. Über die Demonstration berichtete die Mainichi Shimbun.

Fukushima-Kalender 2017

Kurz vor Anbruch des neuen Jahres ist der „This is Fukushima“ Kalender 2017 fertig geworden. Das Projekt unter Leitung von Paul Sprigg will vermitteln, dass die Präfektur nicht auf den geisterhaften Ort einer Kraftwerkskatastrophe reduziert werden kann.

Spreadnews.de hat sich einige Exemplare sichern können und wir bieten sie wie im Jahr zuvor unseren Lesern kostenlos an. Eine E-Mail mit dem Betreff „Fukushima-Kalender 2017“ an jp@spreadnews.de und der Anschrift des Empfängers genügt.

Die Daten werden nur für den Versand benötigt, nicht an Dritte weitergegeben und nach Versand gelöscht. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahren, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Barauszahlung, oder Auslandsversand sind nicht möglich. Angebot nur so lange der Vorrat reicht.

1 KOMMENTAR

  1. Vielen Dank fuer die dauerhaft gute und objektive Berichterstattung ueber Fukushima Daiichi!

    Dies ist die beste Deutsche Quelle fuer aktuelle Informationen in diesen Format.

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