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Fukushima aktuell: Endlager-PR nach Manipulationen abgesagt

Gekaufte Teilnehmer und Lobbyisten führen zu Vertrauensproblemen

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Artikelbild - Atommüllfässer (Foto: Iwan Gabovitch, pd)
Japans Atomaufsicht: Atommüll-Endlagerung soll unterirdisch erfolgen (Symbolfoto: Iwan Gabovitch, pd)

Manipulationen und Vertuschungen bestimmen jene Meldungen, die im Bezug auf die Folgen der Krise am AKW Fukushima heute gemeldet werden.

Tatsächlich werfen die Fukushima News wieder einmal ein bedenkliches Licht auf die Vertrauenswürdigkeit von Organisationen mit Bezug zur Atomindustrie. Die Details gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Dezember 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Nach Manipulation nun Veranstaltungen zur Atommülllagerung abgesagt
  • Neuer Bericht zur Zensur des Begriffs der Kernschmelze
  • Baum der Hoffnung in Minamisoma gefällt
Nach Manipulation nun Veranstaltungen zur Atommülllagerung abgesagt

Nachdem gestern ein Untersuchungsbericht von Experten den Verdacht einer gezielten Manipulationen bei Gesprächen über Atommüll-Endlager in 79 Fällen bestätigt hatte, kündigten die Verantwortlichen an, die landesweiten Veranstaltungen abzusagen.

Die NUMO, eine japanische Organisation, die sich mit Fragen der Atommülls befasst, entschied sich zu diesem Schritt, nachdem in zwei Fällen die Bezahlung von Studenten für die Teilnahme bestätigt wurde. Sie erhielten jeweils 5.000 Yen.

Außerdem wurde festgestellt, dass unter den vermeintlichen Bürgern auch 67 Vertreter von Energieunternehmen im Publikum der Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden anwesend waren.

Der Präsident der NUMO, Shunsuke Kondo, entschuldigte sich und bedauerte, dass auf diese Weise das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Kernkraft Schaden genommen habe.

Als disziplinarische Maßnahme werden dem Präsidenten und Vize-Präsidenten für zwei Monate zehn Prozent der Bezüge gestrichen. Das berichtete die jiji.

Hintergründe

Die NUMO hatte die Verantwortung bislang einem beauftragten Marketing-Unternehmen zugeschoben. Dass die Organisation nun zu Schritten in den eigenen Reihen greift, stützt die Aussagen der Expertenkomission.

Der Untersuchungsausschuss war zu dem Schluss gelangt, dass die finanziellen Anreize für die Teilnahme an den Veranstaltungen der NUMO mit hoher Wahrscheinlichkeit bekannt gewesen sein müssen.

Neuer Bericht zur Zensur des Begriffs der Kernschmelze

Bereits im Jahr 2016 war ein unabhängiger Untersuchungsausschuss zu dem Schluss gelangt, die damalige Führung des AKW-Betreibers TEPCO habe während der Akutphase der Fukushima-Krise die Verwendung des Begriffs „Kernschmelze“ untersagt.

Jetzt machte ein weiterer Untersuchungsausschuss den TEPCO-Präsidenten Masataka Shimizu als Verantwortlichen für die interne Zensur aus. Er habe veranlasst, dass der Begriff nicht in den öffentlichen Erklärungen des Unternehmens auftauche.

Es habe diesbezüglich keine politische Anordnung der damaligen Regierung unter Führung des Premierministers Naoto Kan gegeben, so die aktuellen Ergebnisse, die am Dienstag veröffentlicht wurden.

TEPCO hatte erst im Mai 2011 und damit zwei Monate nach der Katastrophe erstmals die Kernschmelze am AKW Fukushima Daiichi eingeräumt. Als Begründung hierfür wird nun vom Ausschuss erklärt, es habe von der Regierung keine Anordnung zur Bekanntgabe  gegeben.

Diese aktuellen Ergebnisse des Ausschusses, der gemeinsam von der Präfekturverwaltung Niigata und TEPCO zusammengestellt worden war, steht daher in deutlichem Widerspruch zu den Einschätzungen der unabhängigen Komission vom Juni 2016.

Damals war man zu dem Schluss gelangt, dass Präsident Shimizu die Anordnung an seinen damaligen Vize Sakae Muto übermitteln lies und sich dabei auf eine Anweisung aus dem Büro des Premierministers berufen hatte.

Aufgrund unzureichender Erinnerungen bei der Befragung Shimizus bleibt der genaue Wortlaut im Dunkeln. Damals war man jedoch der Ansicht, es habe sich um eine direkte Order zur Vermeidung des kritischen Begriffs genannt.

Der aktuelle TEPCO/Niigata-Bericht zeichnet somit ein anderes Bild.

Dass eine solch eine alte Geschichte neu aufgekocht wird, hat wirtschaftliche Gründe: TEPCO will einen Neustart des AKW Kashiwazaki Kariwa in der Präfektur Niigata erreichen. Eine Vorbedingung war jedoch die Durchführung der Untersuchung.

Somit hat man neuen einen Schuldigen, die damalige Regierung gilt als schuldlos an der Verschleierung und der Weg ist frei für eine Entscheidungsfindung der Präfektur über den möglichen Neustart. Über die neuen Ergebnisse berichtete die Asahi Shimbun.

Hintergrund

Nach der Veröffentlichung des unabhängigen Berichts im Juni 2016 war die angebliche Zensurforderung von der Regierung bestritten worden. Eine solche Anordnung an das Unternehmen habe es nicht gegeben. Auch TEPCO leugnete die Schweigeorder.

Die Bevölkerung reagierte schockiert auf die damaligen Enthüllungen und schließlich räumte TEPCO die  Vertuschung einer internen Schweigeanordnung ein. Bereits im September 2016 hatte man eine unangenehme Tatsache bekanntgeben müssen.

Der AKW-Betreiber hatte sich stets darauf berufen, der Begriff „Kernschmelze“ sei zu ungenau und könnte bei der Bevölkerung zu Panik führen. Dann gab TEPCO jedoch die Existenz von Notfallrichtlinien zu, die den Begriff und seine Verwendung definieren.

Ein Vertreter der amerikanischen „Nuclear Regulatory Commission“ (NRC) hatte den Nichtgebrauch des Begriffs relativiert und somit indirekt auch die Verschleierung als unbedeutend dargestellt.

Eine mögliche Regierungsanordnung zum Verschweigen des Begriffs kann bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Baum der Hoffnung in Minamisoma gefällt

Nach der Ankündigung der Baumfällung in Minamisoma, die zu Beginn der Woche veröffentlicht wurde, konnten die Arbeiten gestern erfolgreich durchgeführt werden. Der symbolträchtige Baum wurde mit einer Zeremonie verabschiedet.

Es handelte sich um das einzige Exemplar mehrerer zehntausend Bäume, die an der Küstenseite über eine Strecke von drei Kilometern als Windbrecher gepflanzt worden waren und durch den Tsunami 2011 fortgespült wurden.

Lediglich die einsame Kiefer von Kashima, wie sie aufgrund ihres Standorts in einem Gebiet der Stadt Minamisoma genannt wurde, überlebte die Überflutung zunächst. Doch die Schäden durch das Salzwasser machten ein dauerhaftes Überleben unmöglich.

Doch das einstige Hoffnungssymbol von 25 Metern Höhe ist nicht gänzlich verloren. In einem Teil des neu zu pflanzenden Waldes, der kommende Generationen schützen soll, werden auch Ableger dieses Baums sprießen.

Das Holz des etwa 200 Jahre alten Baums wird vor allem für Namensschilder an den Häusern der Einwohner genutzt werden. Über das Fällen des Baums berichteten mehrere japanische Medien, darunter die Asahi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.