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Fukushima aktuell: Endlich Neustart der ALPS-Anlage geglückt

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Artikelbild - AKW Fukushima: Kontrolle des ALPS-Filtersystems (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontrolle des ALPS-Filtersystems (Foto: TEPCO)

Der Vollbetrieb aller drei Einheiten der ALPS-Filteranlage ist nach Monaten wiederhergestellt – doch die Freude wird nicht von langer Dauer sein. Dagegen waren in der Präfektur Fukushima vor allem die Auswirkungen der Dekontamination von Interesse. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Juni 2014.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Vollständiger Neustart der ALPS-Anlage geglückt
  • Regierung legt Schätzung zu Dekontaminations-Langzeiteffizienz vor
  • Bewohner führen Dekontaminationskontrollen durch
  • Politiker entschuldigt sich für Aussage zu Fukushima-Lagerplänen

Vollständiger Neustart der ALPS-Anlage geglückt: Kraftwerksbetreiber TEPCO meldete am Sonntag den erfolgreichen Neustart von ALPS-Einheit C.  Damit ist erstmals seit März 2014 das gesamte Multinuklid-Filtersystem wieder im Einsatz.

Der Starttermin war vom 19. Juni auf den 22. Juni verlegt worden, nachdem bei einem Filteraustausch eine Kontaktkorrosion entdeckt worden und die betroffenen Teile durch eine verbesserte Querstromfiltration ersetzt wurden.

Das Unternehmen hatte für die beiden anderen Einheiten des Multinuklid-Filtersystems als Sicherheitsmaßnahme ebenfalls den Austausch angeordnet. ALPS-Einheit A lief bereits seit dem 9. Juni wieder und Einheit B war nach dreitägiger Verspätung schon am 23. Mai wieder neu gestartet worden.

Der gestern durchgeführte Neustart um 9:00 Uhr, sei problemlos verlaufen und bis 9:25 Uhr habe man keine Auffälligkeiten festgestellt, meldete TEPCO. Nun laufen also alle drei Einheiten wieder – allerdings wird der Komplettbetrieb nicht von langer Dauer sein. Bereits im nächsten Monat sollen zwei Einheiten vorübergehend abgeschaltet werden, um an Verbindungsrohren entstandenen Korrosion zu entfernen.

AKW Fukushima: Besichtigung des ALPS durch den deutschen Botschafter am 2. Juni 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Besichtigung des ALPS durch den deutschen Botschafter am 2. Juni 2014 (Foto: TEPCO)

Das Filtersystem ist in der Lage 62 Nuklide, mit Ausnahme von Tritium, zu filtern und ist ein wichtiger Baustein im Plan zur Bewältigung der radioaktiven Abwässer.

Mit Stand vom vergangenen Mittwoch sind noch etwa 360.000 Tonnen an kontaminiertem Wasser eingelagert, die noch durch die ALPS-Anlage gefiltert werden müssen.

Doch seit der ersten Inbetriebnahme des ALPS, befindet sich das System seit Jahren offiziell noch in der Testphase. Wann diese aufgehoben wird, ist nach wie vor unklar.

Im Komplettbetrieb wird das Multinuklid-Filtersystem in der Lage sein, täglich 750 Tonnen radioaktiv belastetes Wasser zu filtern.

Geht es nach dem Willen von TEPCO, sollen bis März 2015 alle Abwässer an der Kraftwerksanlage erfolgreich gefiltert worden sein. Zu diesem Zweck plant das Unternehmen den Bau zwei weiterer ALPS-Anlagen. Eine der neuen Filteranlagen soll verbesserte Leistung bringen. Über den Neustart berichteten unter anderem Kyodo, Asahi Shimbun, die NHK und Präfekturmedien.

Regierung legt Schätzung zu Dekontaminations-Langzeiteffizienz vor: Offizielle Einschätzungen der Regierung zu den langfristigen Erfolgen der Dekontaminationsarbeiten klingen vergleichsweise positiv – auf derartige Angaben wollen sich die früheren Bewohner der Ortschaft Iitate jedoch nicht verlassen.

Das Kabinettsbüro  veröffentlichte seine erste Einschätzung, wie hoch die Effizienzenz künftiger Dekontaminationsarbeiten in Sperrzonen und Evakuierungsgebieten in der Nähe zum Kernkraftwerk ausfallen könnte.

Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

In diesen Gebieten liegen die Strahlungswerte über 50 Millisievert pro Jahr und dort wurden bislang noch keine vollumfängliche Dekontamination durchgeführt.

Grundlage der Beurteilung ist das Szenario einer Person, die in einem Holzhaus lebt und sich täglich acht Stunden im Freien aufhält.

Demnach könnte im Jahr 2021 theoretisch auch in stark belasteten Bereichen, eine Senkung unter den Evakuierungswert von 20  Millisievert pro Jahr erfolgen, wenn Dekontaminationsarbeiten durchgeführt werden.

In Bereichen, die zuvor eine Jahresbelastung von 100 Millisievert aufgewiesen hatten, sollte nach Regierungseinschätzungen eine Senkung auf neun bis 20 Millisievert möglich sein. In Gebieten mit einer Jahresbelastung von 50 Millisievert würden sogar noch niedrige Werte von sechs bis elf Millisievert erreicht.

Abschließend kommt die Regierung zu dem Schluss, unter Einbeziehung von Faktoren, die den aktuellen Zustand noch realistischer wiedergeben, könnte die jährliche Belastung eines männlichen Erwachsenen im Jahr 2021 zwischen einem und 12 Millisievert liegen, berichtet die NHK.

Bewohner führen Dekontaminationskontrollen durch: Einwohner der Ortschaft Iitate, die sich in unmittelbarer Nähe zum Kernkraftwerk Fukushima Daiichi befindet, haben ihrerseits mit der Prüfung der möglichen Effekte durch die Dekontaminationsarbeiten, die von  freiwilligen Helfern aus dem Ortsteil Hiso erfolgten, begonnen.

Dosimeter in Iitate am 12. Juli 2012 (Originalfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Messposten in Iitate am 12. Juli 2012 (Originalfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Nach der Katastrophe war der Bereich zunächst gesperrt worden, mittlerweile darf dieses Gebiet zumindest tagsüber betreten werden. Diese Möglichkeit nutzen nun freiwillige Strahlungsmessgruppen.

Einige Helfer erklären sich auch bereit, Teile ihrer einstigen landwirtschaftlichen Nutzflächen als Lagerplatz für kontaminiertes Erdreich, das bei der Dekontamination anfällt, zur Verfügung zu stellen, obwohl sie fürchten müssen, dass diese für künftige Bearbeitung unbrauchbar werden.

Über die Arbeiten der freiwilligen Helfer in der Präfektur Fukushima, berichtete die Mainichi Shimbun.

Politiker entschuldigt sich für Aussage zu Fukushima-Lagerplänen: Nachdem Japans Umweltminister Nobuteru Ishihara mit seiner Äußerung, der Standort der Zwischenlager für radioaktive Kontaminationsabfälle werde durch Geld entschieden, für Empörung sorgte, hatte dieser seine Aussage zurückgezogen.

Da sogar die politische Opposition weitere Konsequenzen gefordert hatte, reiste Ishihara am heutigen Montag in die Präfektur Fukushima, um sich dort persönlich beim Gouverneur der Präfektur, sowie den Bürgermeistern der Orte Futaba und Okuma zu entschuldigen.

Er bedauere seine Aussagen und bitte um Entschuldigung. Seine Äußerungen habe ihnen viel Probleme bereitet und die Menschen der Präfektur verägert.

Toshitsuna Watanabe, Bürgermeister von Okuma, das als einer der potentiellen Standorte gilt, akzeptierte die Entschuldigung formell, da sie persönlich erfolgte und er somit die Verantwortung übernommen habe. Über die öffentliche Entschuldigung berichteten praktisch alle japanischen Medien.

 

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