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Fukushima aktuell: Entnahme von Brennelemente-Proben aus Reaktor geplant

Geplante Entnahme von Corium-Proben soll künftige Brennelemente-Bergung erleichtern

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 2: Kamera-Aufnahmen vom 19. Januar 2018 (Foto: Copyright by IRID/TEPCO
Fukushima-Reaktor 2: Kamera-Aufnahmen vom 19. Januar 2018 (Foto: Copyright by IRID/TEPCO

Gleich in mehrfacher Hinsicht sorgt das AKW Fukushima heute für Schlagzeilen, denn in den aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News geht es sowohl um künftige Schritte, als auch neue Erkenntnisse.

Mehr Detailinformationen zu geplanten Reaktormissionen, dem gestrigen Wasserleck, sowie weitere Meldungen gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. März 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Entnahme von Brennelemente-Proben aus Fukushima-Reaktor geplant
  • Neue Erkenntnisse nach Regenwasserleck im Lagertankbereich G3
  • Vollständiges Verbot ausländischer Auszubildender bei Dekontamination
  • Erneutes Urteil gegen TEPCO und Regierung
Entnahme von Brennelemente-Proben aus Fukushima-Reaktor geplant

Nachdem im Januar diesen Jahres eine Kameramission in Reaktor 2 des AKW Fukushima klumpenartiges Material fand, bei dem es sich um geschmolzene Brennelemente (Corium) handeln soll, planen Regierung und TEPCO nun den nächsten Schritt.

Für das Fiskaljahr 2019 ist am AKW Fukushima Daiichi erstmals die Entnahme einer Probe vom Boden eines Sicherheitsbehälters geplant. Es wird sich damit um den ersten Versuch handeln, direkte Materialproben zu erhalten.

Zuvor waren lediglich Schwebestoffe aus Wasser und Anhaftungen bei Roboter-Einsätzen im Inneren der Reaktorgebäude gewonnen und analysiert worden.

Nachdem die Strahlungsmessungen der Januarmission eine hohe Radioaktivität in Höhe von acht Sievert pro Stunde ergeben hatten, scheint es möglich, dass es sich bei dem gesichteten Material tatsächlich um Corium handelt.

Unter Berufung auf interne Quellen wird gemeldet, dass auf dem gleichen Weg ein Roboterarm eingeführt werden soll, der dann die Entnahme ermöglicht.

Aufgrund der hohen Strahlung ist die Extrahierung des Materials aus dem Reaktor in einem besonders gesicherten Behälter vorgesehen, der dann zur Analyse an ein Forschungszentrum der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA in die Präfektur Ibaraki geschickt wird.

Diese Entnahme eines kleinen Corium-Stücks sollte nicht mit der vollständigen Bergung der geschmolzenen Brennelemente verwechselt werden. Allerdings erhofft man sich Informationen über Eigenschaften, wie Konsistenz und Gewicht des Materials.

Diese neuen Informationen können dann zur Entwicklung weiterer neuartiger Bergungstechnologie und von Lagerbehältern für stark radioaktives Material dienen. Über diese Pläne berichteten Mainichi Shimbun und Präfekturmedien.

Neue Erkenntnisse nach Regenwasserleck im Lagertankbereich G3

Gestern berichteten wir an dieser Stelle über den Austritt von radioaktiv belastetem Regenwasser im Lagertankbereich G3 am AKW Fukushima Daiichi. Dabei waren etwa 6,5 Kubikmeter an Wasser ausgetreten. Heute machte TEPCO weitere Angaben.

Demnach konnten zwischen dem gestrigen Nachmittag und heute Morgen etwa 6,2 Kubikmeter mit einem Spezialfahrzeug wieder gesichert werden. Daher gehe man davon aus, dass durch die Öffnung maximal 300 Liter hinaus gelangten.

Eine Untersuchung der Bodenöffnung hätte gezeigt, dass dort Leitungen verlaufen. Man habe dort eine Stahlplatte entfernt, so dass eine  ersten Prüfung möglich war. Diese zeigte, dass die Ummantelung der Leitung trocken ist.

Die fragliche Stelle wurde zunächst wieder abgedeckt und nachbehandelt, um ein Auslaufen weiteren Wassers zu verhindern. Nun sollen nacheinander auch die anderen Metallplatten entfernt werden, um die Situation genauer untersuchen zu können.

Eine Tritium-Analyse habe unterdessen gezeigt, dass die Konzentration von radioaktivem Tritium in den Wasserproben unter dem Nachweiswert liegt. Das berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO

Vollständiges Verbot ausländischer Auszubildender bei Dekontamination

Am heutigen Freitag gab Justizministerin Yoko Kamikawa bekannt, dass die Regierung ein Verbot der Beschäftigung ausländischer Praktikanten und Auszubildender bei den Dekontaminationsmaßnahmen erlassen habe.

Die Entscheidung ist eine Reaktion auf den Fall eines Vietnamesen, der unter dubiosen Umständen zu dieser Arbeit angewiesen worden war, obwohl es sich um eine fachfremde Tätigkeit handelte und er keinerlei Sicherheitsbelehrung über Radioaktivität erhielt.

Ministerin Kamikawa erklärte auf einer Pressekonferenz, ein solches Beschäftigungsverhältnis widerspreche dem Sinn des Programms, dessen Zweck darin bestehe, den ausländischen Kräften den Erwerb neue Fähigkeiten zu ermöglichen.

Unternehmen und Organisationen die auch in Zukunft ausländische Praktikanten und Auszubildende aufnehmen und eine Anerkennung ihrer Lehrpläne durch die Regierung wollen, müssen sich nun schriftlich zum Verzicht auf Dekontaminationsarbeiten verpflichten.

Über diese aktuelle Entscheidung berichtete die jiji.

Erneutes Urteil gegen TEPCO und Regierung

Am heutigen Freitag verurteilte ein Gericht in Tokyo den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi und die japanische Regierung zu einer Gesamtzahlung von 59 Millionen Yen an 42 der insgesamt 47 Kläger. Diese hatten etwa 630 Millionen Yen gefordert.

Bereits gestern war das Urteil eines Gerichts in Kyoto zu Ungunsten der beiden Beklagten ausgefallen und eine Zahlung von 110 Millionen Yen verhängt worden.

Auch im aktuellen Fall handelt es sich mehrheitlich um so genannte „freiwillig Evakuierte“, die vor der Bekanntgabe einer offiziellen Evakuierungsanordnung geflohen waren.

Es ist das nunmehr sechste Urteil gegen den Staat und TEPCO und mittlerweile die vierte Gerichtsentscheidung, in der beide Institutionen schuldig gesprochen wurden. Über das heutige Urteil berichteten Kyodo und NHK.