Fukushima aktuell: Entsorgung kontaminierter Abfälle von Schulhöfen angelaufen

Fukushima aktuell: Entsorgung kontaminierter Abfälle von Schulhöfen angelaufen

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Gemeinde Tanakura meldet Beginn der Schulhofräumung (Symbolfoto: pd)

Mit dem Abtransport radioaktiver Abfälle von einem Schulhof und der ausstehenden Beseitigung kontaminierter Abwässer, sind die langfristigen Folgen der Katastrophe von Fukushima heute erneut Thema. Weitere Fukushima News, etwa zu neuen Entschädigungsforderungen, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Juli 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Abtransport der Dekontaminationsabfälle von Schulhof begonnen
  • 7.000 Tonnen kontaminiertes Wasser bleiben zu entsorgen
  • Ausbringung von Bindemittel an Reaktor 1 abgeschlossen
  • Über 3.000 Entschädigungsforderungen gegen TEPCO

Abtransport der Dekontaminationsabfälle von Schulhof begonnen: Am Samstag begann das Umweltministerium mit dem Transfer radioaktiv belasteter Abfälle von einem Schulgrundstück.

Auf dem Schulhof der Yashirogawa-Grundschule in Tanagura (Präf. Fukushima) wurden bislang etwa 1.500 Kubikmeter an kontaminiertem Erdreich und weiterer Dekontaminationsabfälle gelagert.

Der Abtransport in das 150 Kilometer entfernte Zwischenlager auf dem Gelände der Gemeinden Okuma und Futaba soll noch innerhalb der Schulferien, also vor Ende kommenden Monats abgeschlossen sein.

An vier weiteren Grundschulen, die sich in der Stadt Koriyama und der Ortschaft Asakawa befinden, sollen die Arbeiten in Kürze beginnen.

Mit Stand vom März diesen Jahres werden an 1.173 Standorten der Präfektur insgesamt 316.500 Kubikmeter kontaminiertes Erdreich provisorisch gelagert.

Neben öffentlichen Parks und Parkplätzen gehören auch Schulhöfe und die Spielplätze von Kindergärten zu den temporären Standorten.

Innerhalb des Fiskaljahrs 2015 sollen etwa 43.000 Kubikmeter Material aus 43 Ortschaften in das Zwischenlager abtransportiert werden. In sechs Gemeinden, darunter den beiden Zwischenlagerstandorten, wurden die Arbeiten bereits abgeschlossen.

Über die Fortschritte berichtete die jiji, sowie Präfekturmedien.

7.000 Tonnen kontaminiertes Wasser bleiben zu entsorgen: Auf dem Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi befinden sich schätzungsweise noch etwa 7.000 Tonnen an radioaktiv belastetem Abwasser, das ein Risiko für die Anlage darstellt.

Mit Stand vom gestrigen Montag bestehen noch an mindestens 16 Stellen, vor allem in den Kabelschächten, Ansammlungen von stark radioaktiven Abwässern.

Deren Belastung liegt nach Angaben von TEPCO zum Teil über den Werten bereits in Lagertanks abgepumpten Wassers.

So liegt der höchste Wert von Cäsium-134 an den Fundstellen bei 990 Becquerel pro Liter. Bei Cäsium-137 beträgt die höchste noch nachgewiesene Konzentration 3.200 Becquerel pro Liter

Dies ist mehr als das Sechzigfache der zulässigen Grenzwerte für Verklappungen in das Meer.

TEPCO nimmt sich des Sicherheitsrisikos an und will bis Ende des Monats zumindest den Großteil der verbliebenen Abwässer aus den Schächten an den Reaktoren 2 und 3 abgepumpt haben.

Über diese aktuellen Zahlen zu den verbliebenen Abwässern berichtete die jiji.

Anfang Juli hatte das Unternehmen die Pumparbeiten an den Kabeltunneln von Reaktor 2 für abgeschlossen erklärt.

Ausbringung von Bindemittel an Reaktor 1 abgeschlossen: Das Versprühen von chemischem Bindemittel unter die Dachpaneele des Schutzmantels von Reaktor 1, konnte heute erfolgreich abgeschlossen werden.

Nach Angaben von TEPCO habe keiner der Messposten eine erhöhte radioaktive Belastung der Umgebungsluft nachgewiesen. Das berichtete der Kraftwerksbetreiber.

Die Maßnahme ist eine Vorbereitung auf die Entfernung des Schutzmantels um das Gebäude. Die Demontage soll die Räumung von Trümmern aus dem Obergeschoss ermöglichen.

Die Trümmerentfernung ist eine Voraussetzung für die künftige Bergung geschmolzener Brennelemente aus dem Reaktor. Eine versuchsweise Entfernung der Dachteile im vergangenen Jahr war bereits erfolgreich verlaufen.

Über 3.000 Entschädigungsforderungen gegen TEPCO: Am heutigen Dienstag reichten 3.107 Personen eine gemeinsame Schadensersatzforderung gegen den Kraftwerksbetreiber TEPCO ein.

Es handelt es sich um die Bewohner des Bezirks Watari in der Stadt Fukushima. Somit gehören etwa 20 Prozent der Bezirksbewohner zu den Klägern.

Über das Zentrum zur außergerichtlichen Einigung von Klagen bei Atomunfällen wird gefordert, für den Zeitraum seit Ausbruch der Katastrophe monatlich 100.000 Yen pro Person zu zahlen.

Eine zusätzliche Zahlung von 200.000 Yen pro Person für das erste Halbjahr nach Beginn der Krise, als die Strahlungswerte noch deutlich höher waren, ist ebenfalls in der Forderung enthalten.

Als Begründung führen die Kläger starke Ängste und seelische Belastungen, insbesondere wegen der Gesundheit an.

Der Bezirk Watari liegt 60 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt und wies in den ersten sechs Monaten eine Strahlungsbelastung von mehr als 2 Mikrosievert pro Stunde auf.

Damit gehört Watari zu den stärker betroffenen Teilen der Präfekturhauptstadt.

Nach Angaben der Kläger existieren dort auch mehr als vier Jahre nach der Katastrophe zahlreiche Hot Spots – Bereiche erhöhter Radioaktivität – deren Strahlung das Doppelte des Dekontaminationswerts von 0,23 Mikrosievert beträgt.

Ab dieser Belastung ist eine Dekontamination der betroffenen Bereiche vorgeschrieben.

Die finanziellen Forderungen der Bürger von Watari werden verständlicher, wenn man das bisherige Vorgehen bei der Entschädigung dort beleuchtet.

Obwohl die Regierungsrichtlinien für evakuierungspflichtige Gebiete und solche mit einer Evakuierungsempfehlung eine monatliche Zahlung von 100.000 Yen pro Person vorsieht, erhielten die Bürger der Stadt Fukushima nur einmalig 120.000 Yen pro Erwachsener.

Grund hierfür ist, dass für den Bezirk Watari weder eine Evakuierungsaufforderung, noch eine Evakuierungsempfehlung ausgesprochen worden war.

Einige Bürger sind der Ansicht, diese Entscheidung sei getroffen worden, da man unbedingt eine Evakuierung aus dem Stadtzentrum verhindern wollte.

Eine ähnliche Klage war im November 2014 von 1.000 Einwohnern des Stadtbezirks Onami eingereicht worden. Dies entspricht 90 Prozent der Bezirksbevölkerung. Auch dort waren höhere Strahlungswerte als in der übrigen Stadt nachgewiesen worden.

Über die aktuellen Forderungen berichtete die Mainichi Shimbun.

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