Fukushima aktuell: Entsorgungskonzept für tritiumhaltige AKW-Abwässer gesucht

Fukushima aktuell: Entsorgungskonzept für tritiumhaltige AKW-Abwässer gesucht

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Artikelbild: Wassertropfen (Foto: denishelfer, cc-by)
Präfektur Fukushima: Pläne zur Dekontamination belasteter Wasserreservoirs (Symbolfoto: Denis.helfer, cc-by)

Während sich der Betreiber des AKW Fukushima heute mit der schwierigen Entsorgung besonderer Abwässer befasst, beziehen sich die übrigen Fukushima News auf die Zukunftsaussichten für AKW und Präfektur.

Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. März 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • TEPCO will Entsorgung radioaktiver Abwässer besprechen
  • Druckalarm an Trockenlager für Brennelemente
  • Interpretation von Kinderkrebsfällen entzweit Experten
  • Fukushima-Dekontamination dauert mindestens noch ein Jahr
  • Premier Abe verspricht Beseitigung von Dekontaminationsabfällen
  • Fischer kämpfen um Anerkennung der Lebensmittelsicherheit
  • Dammbau in Katastrophenregion verläuft langsam

TEPCO will Entsorgung radioaktiver Abwässer besprechen: Bei einem heutigen Gespräch mit Medienvertretern gab der TEPCO-Verantwortliche für die Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi aktuelle Pläne des Unternehmens bekannt.

Demnach wolle man im kommenden Monat mit den Gemeinden Gespräche über den Umgang mit den eingelagerten radioaktiven Abwässern auf dem Kraftwerksgelände führen und verschiedene Entsorgungsmöglichkeiten betreffen.

Dazu gehört auch die Verdünnung und anschließende Verklappung in das Meer, falls die radioaktiven Abwässer nicht ausreichend gefiltert werden können. Immer noch gibt es keine effektive Methode zur Filterung von Tritium aus dem Wasser.

Gegenwärtig befinden sich Lagertanks mit etwa 600.000 Tonnen Wasser mit Tritium auf dem Gelände der Kraftwerksanlage. Das berichtete die NHK.

Im Dezember 2015 hatte TEPCO bereits die Möglichkeit in Erwägung gezogen, tritiumhaltiges Wasser bei bis zu 1000 Grad zu verdampfen und aus 60 Meter hohen Schornsteinen entweichen zu lassen.Täglich könnten so 400 Kubikmeter Wasser verdampft werden.

Druckalarm an Trockenlager für Brennelemente: Am heutigen Montag löste eine Druckkontrolle am Trockenlager für Brennelemente gegen 5:14 Uhr einen Alarm aus, der auf Druckänderungen im Behälter hinwies.

Die Behälter verfügen über einen inneren und einen äußeren Deckel. Dazwische befindet sich Helium. Durch Druckmesser an beiden Deckeln lassen sich Abweichungen feststellen, die einen automatischen Alarm auslösen

In darauf folgenden Meldungen gab TEPCO bekannt, dass es offenbar keine Druckänderungen gegeben habe, sondern ein Gerätefehler vorlag. Der betroffene Druckverstärker werde ausgetauscht.

Interpretation von Kinderkrebsfällen entzweit Experten: Der Umstand, dass bis Ende 2015 insgesamt 166 Fälle von Kindern aus der Präfektur Fukushima gibt, bei denen Schilddrüsenkrebs entweder bestätigt, oder vermutet wird, beschäftigt Experten.

Schilddrüse mit Strahlungsbelastung (Symbolbild, pd)
Streit um Interpretation von Krebsfällen in Fukushima (Symbolbild, pd)

Sowohl ein Expertenteam der Präfektur unter der Leitung von Shoichiro Tsugane vom Krebsforschungszentrum, als auch  ein Team unter Leitung von Toshihide Tsuda von der Universität Okayama, kommen trotz unterschiedlicher Methoden zum gleichen Ergebnis.

Demnach liegt die Zahl von Erkrankungen und Verdachtsfällen das Dreißigfache über dem landesweiten statistischen Durchschnitt.

Doch die Experten führen unterschiedliche Erklärungen für diesen Umstand an und nehmen unterschiedliche Standpunkte ein.

Während das Team von Tsugane die verstärkte Früherkennung durch die Gesundheitskontrollen  für die hohen Zahlen verantwortlich macht, halten die Experten um Professor Tsuda die radioaktive Belastung als Ursache für plausibel.

Beide räumen ein, die jeweilige Konkurrenztheorie der Überdiagnose durch Früherkennung, als auch Strahlungsfolgen wären als Teilfaktoren denkbar, sehen jedoch jeweils Beweise für ihren Standpunkt.

Die Befürworter der Strahlungsfolgen-Theorie führen als Begründung an, dass die bestätigten Fälle im AKW-nahen Landkreis Futaba das 4,6 fache zu Ergebnissen weiter entfernter Gemeinden liegen und in 92 Prozent eine Streuung der Krebszellen vorliege.

Außerdem erklärten die angeblichen Überdiagnosen nicht, weshalb bei 51 Kindern, die beim ersten Durchgang keine Auffälligkeit aufwiesen, schließlich doch Krebs nachgewiesen wurden. Tsuda hält lediglich 8 Prozent der Fälle für statistische Überdiagnosen.

Professor Tomotaka Sobue von der Universität Osaka unterstützt zwar die offizielle Präfekturerklärung des Überdiagnosen, räumt jedoch ein, allein durch die verstärkte Früherkennung sei der statistische Anstieg derzeit nicht erklärbar.
Über den Expertenstreit berichtete die Mainichi Shimbun.

Fukushima-Dekontamination dauert mindestens noch ein Jahr: Aufgrund von Verzögerungen wird eine Beseitigung des kontaminierten Materials in der Präfektur noch mindestens ein Jahr lang andauern.

Ursache für die Verzögerung sei die Schwierigkeit  der Beschaffung von Standorten für die zeitweise Einlagerung und dauerhafte Zwischenlager gewesen, erklärte das Umweltministerium. Nun wolle man die Arbeiten durch die Einstellung weiterer Arbeiter beschleunigen.

In der Präfektur Fukushima ist die Dekontamination bislang lediglich in 14 der insgesamt 43 Gemeinden erfolgreich abgeschlossen. Damit liegt man weit hinter sieben anderen Präfekturen zurück, in denen ebenfalls derartige Arbeiten durchgeführt werden.

Dort sind die Arbeiten in 50 der 58 Gemeinden entweder gänzlich, oder annähernd abgeschlossen. Das berichtet die NHK.

Premier Abe verspricht Beseitigung von Dekontaminationsabfällen: Japans Premierminister Shinzo Abe erklärte heute in einer Sitzung, die Entfernung von radioaktiv belasteten Abfällen auf öffentlichen Plätzen und Privatgrundstücken vorantreiben zu wollen.

Japans Premierminister Shinzo Abe im J -Village am 29. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Japans Premierminister Shinzo Abe im J -Village am 29. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Der Wiederaufbau der Region soll beschleunigt werden, um den Menschen dort wieder ein friedliches Leben zu ermöglichen. Auch die Ausarbeitung von Plänen zur Bekämpfug von Shwierigkeiten der Joban-Zuglinie durch die Präfektur habe er bereits veranlasst.

Auch Umweltministerin Mamayo Marukawa versprach eine zügige Beseitigung der kontaminierten Abfälle Über die Aussagen der Politiker berichteten jiji und NHK.

Bilder von schwarzen Kunststoffsäcken, in denen sich zumeist abgetragenes Erdreich befindet und sich auf Sportanlage, Schulhöfen und Privatgrundstücken türmen, sind international zum Zeichen einer unbewältigten Krise geworden.

Der Umstand, dass die Dekontaminationsarbeiten in der Präfektur noch nicht abgeschlossen sind, wird zu weiteren Abfällen führen, die aufgrund ihres Kontaminationsgrads eingelagert werden müssen.

Der Bau von sicheren Zwischenlagern ist eine Voraussetzung für die Erfüllung des Versprechens. Bislang ist jedoch die Anlage in Okuma keineswegs fertiggestellt.

Fischer kämpfen um Anerkennung der Lebensmittelsicherheit: Seit fünf Jahren befinden sich die Fischer der Präfektur Fukushima in einem Kampf um die Sicherheit ihres Fischfangs und das Vertrauen der Verbraucher.

Im März 2011 wurde der gesamte Fischfang der Präfektur freiwillig eingestellt und Überschreitungen des Strahlungsgrenzwerts für Lebensmittel festgestellt.

Im Juni 2012 lief der Testfang in Fukushima wieder an. Es ging vor allem darum, dass Vertrauen der Verbraucher in offiziell als sicher klassifizierten Fisch zu prüfen.

Im März 2014 gaben die Fischereiverbände ihre Erlaubnis für die Verklappung von Grundwasser aus den Bergen. Die Verklappung begann im Mai 2014.

Im Februar 2015 geriet die schlechte Informationspolitik von TEPCO in die Kritik. Das Unternehmen hatte eine lang bekannte Meereskontamination verheimlicht.

Im August 2015 gelangte radioaktives Wasser nach Regenfällen unkontrolliert ins Meer. Das Misstrauen gegenüber dem Unternehmen schlug sich auch bei den Verbrauchern nieder.

Obwohl bei einer Lebensmittelkontrolle von 8.500 Fischereiproben nur vier den nationalen Durchschnitt überschritten, drücken Verbraucherängste weiter aufs Geschäft.

Im September 2015 wurde die erste Verklappung von Grundwasser des AKW-Geländes durchgeführt und für 2017 ist die Verklappung von radioaktiv belastetem Wasser gebilligt.

Auch diese Maßnahmen stärken nicht unbedingt das Vertrauen der Verbraucher in Fischereiprodukte aus der Präfektur.

Obwohl die EU die Lebensmittelsicherheit von Fukushima-Produkten befürwortet, bleiben die Entschädigungszahlungen von TEPCO für den Verdienstausfall nach wie vor die Lebensgrundlage für die Fischer der Präfektur. Ein Fazit des bisherigen Trends meldete die Asahi Shimbun.

Dammbau in Katastrophenregion verläuft langsam: Projekte zum Bau von Dämmen und Deichen in den Präfektion Fukushima, Iwate und Miyagi haben auch fünf Jahre nach der Katastrophe nur wenig Fortschritte gemacht.

Bis Ende des Fiskaljahrs 2015, das in diesem Monat endet, sollten die Dämme an 568 Standorten abgeschlossen sein. Jedoch wird dies nur an 73 Orten der Fall sein.

Während an 338 Baustellen die Arbeiten zumindest laufen (59,5 Prozent) ist an immerhin 157 Standorten noch nicht einmal mit den Arbeiten begonnen worden. Insgesamt wurden nur 12,9 Prozent der 400 Kilometer umfassenden Dammstrecken bislang fertiggestellt.

Als Grund werden sowohl der Mangel an Personal und Arbeitsmaterial, als auch Diskussionen mit den Anwohnern, etwa über die Höhe der Schutzanlagen, angeführt. Das berichtete die jiji.

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