Start Aktuelles Fukushima aktuell: Erste ALPS-Einheit nach Komplettabschaltung neu gestartet

Fukushima aktuell: Erste ALPS-Einheit nach Komplettabschaltung neu gestartet

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Artikelbild - Bedienung des ALPS-Filtersystems am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Filtersysteme schaffen anfallende Abwässer nicht fristgerecht (Symbolfoto: TEPCO)

Während die Japaner sich ab dem 11. August 2016 mit dem „Yama no Hi“ (Tag des Berges) über einen neuen Feiertag freuen dürfen, meldet TEPCO vom AKW Fukushima heute ebenfalls Fortschritte und berichtet von Fortschritten bei der Inbetriebnahme eines Filtersystems. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Mai 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • ALPS-Einheit B neu gestartet
  • Ursache für Leck an Entsalzungsanlage ermittelt
  • Fehler bei Fukushima-Kühlung eingeräumt
  • Petition gegen Neustart von AKW Sendai eingereicht

ALPS-Einheit B neu gestartet: Am heutigen Freitag startete der Kraftwerksbetreiber TEPCO um 13:48 Uhr die Einheit B des Filtersystems. Damit ist die erste der drei Einheiten an der Multinuklid-Filteranlage wieder in Betrieb. Am 20. Mai 2014 war die zuletzt einzig aktive ALPS Einheit C abgeschaltet worden.

Die jetzt wieder in Betrieb genommene Einheit B, wurde bereits am 18. März wegen Filterungsproblemen abgeschaltet und nicht erneut gestartet.

Als Ursache für die Probleme wurde der Gehalt an radioaktivem Material im Wasser ausgemacht. Offenbar hatte die Strahlung die Filterung von Calcium beeinträchtigt.

Dem heutigen Start waren Reinigungsarbeiten, sowie der Austausch gegen verbesserte Filter für die so genannte  Cross-Flow-Filtration (CFF) vorausgegangen.

AKW Fukushima: Wasser aus ALPS-Einheit B am 23. März 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wasser aus ALPS-Einheit B am 23. März 2014 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO soll Einheit A bereits Anfang Juni und Einheit C im weiteren Verlauf des Monats neu gestartet werden.

Das Multinuklid-Filtersystem ALPS, das außer Tritium und vier ungenannten Substanzen, insgesamt 62 Radionuklide aus dem eingeleiteten Wasser filtern kann, gilt neben der Grundwasserbarriere durch Bodenfrostung und die am 21. Mai 2014  begonnene Verklappung von Grundwasser, als eine der wichtigsten Komponenten zur Bewältigung radioaktiver Abwässer.

Ursache für Leck an Entsalzungsanlage ermittelt: Am 15. Mai 2014 berichteten wir über den Wasseraustritt an einer Leitung der Entsalzungsanlage. Nun liefert TEPCO eine Erklärung für den Zwischenfall. Demnach hätten sich zunehmend Magnesium und Calcium aus dem Wasser dort angesammelt und den Weiterfluss am Kontrollventil behindert.

Aufgrund des steigenden Drucks kam es zu einer Beschädigung an der Leitung des Sicherheitsventils, was zum Wasseraustritt führte. Neben der Reinigung der jetzigen Leitung will TEPCO als Gegenmaßnahme dort separate Leitungen für den Transfer von Wasser mit hoher Konzentratium an Fremdstoffen nutzen.

Zudem soll bei den täglichen Kontrollen, sowohl der Druckstandsanzeiger, als auch der Abnutzungszustand der Acrylleitungen geprüft werden. Sobald Maßnahmen, wie die Anbringung der Druckanzeige abgeschlossen sind, soll die Entsalzungsanlage wieder in Betrieb genommen werden.

Fehler bei Fukushima-Kühlung eingeräumt: Masao Yoshida, Leiter des AKW Fukushima Daiichi bei Ausbruch der Krise, starb im im Juli 2013 an Speiseröhrenkrebs. Seine Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss, die mehr als 400 Seiten umfassen, erlauben jedoch einen Einblick in die Überlegungen und Maßnahmen, die Yoshida damals beschäftigten.

AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktor 1 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)

Unter anderem räumte der Mann, der vielfach als tragischer Held betrachtet wird, seine Fehler ein und äußerte tiefes Bedauern über sein persönliches Versagen.

So berichtete ihm ein Arbeiter am Abend des 1. März 2011 vom Ausfall der Funktion des Isolationskondensators. Dieser befindet sich über dem Reaktorbehälter und kühlt im Katastrophenfall aufsteigendem Dampf, indem er durch Rohre in einen mit Wasser gefüllten Behälter geleitet wird.

Durch die einsetzende Kondensation gelangt Wasser zurück in den Reaktor.

Da bei dem Vorgang auch das Wasser in dem Behälter zum Teil kondensiert, muss dieser erneut aufgefüllt werden. Doch Yoshida war dieser Umstand nicht bewusst, da der Isolationskondensator in den 20 Jahren des Kraftwerksbetriebs niemals genutzt worden war.

Aus diesem Grund verstand er die Information des Arbeiters falsch und wies daher die Angestellten nur an, Wasser in den Reaktorbehälter zu pumpen. Dies hätte jedoch lediglich bei einem funktionierenden Kühlsystem den gewünschten Effekt gehabt.

Wäre Yoshida die Funktionsweise bekannt gewesen, hätte er den Ausfall verstanden und wäre in der Lage gewesen, durch gezielte Entlüftung den steigenden Druck auszugleichen und den Isolationskondensator wieder funktionsfähig zu machen. Auf diese Weise hätte eine schnelle Kernschmelze an Reaktor 1 verhindert werden können.

Allerdings trifft den Kraftwerksleiter nicht die alleinige Schuld.Wie der Bericht der Untersuchungskommission ergab, war zum Zeitpunkt der Katastrophe kein einziger Mitarbeiter vor Ort, der Erfahrung mit dem Kondensator hatte, oder wenigstens entsprechend ausgebildet worden war. Auch die Unternehmenszentrale in Tokyo gab es keine Hinweise zur Handhabung der Vorrichtung.

Über den Inhalt des Berichts der Yoshida-Aussagen berichtete die Asahi Shimbun.

Petition gegen Neustart von AKW Sendai eingereicht: Nachdem ein Gerichtsurteil den Neustart von zwei Reaktoren am AKW Oi untersagte, haben nun mehrere Bürgerrechtsgruppen der Verwaltung der Präfektur Kagoshima eine Petition mit 3.000 Unterschriften vorgelegt. Diese richten sich gegen den Neustart des AKW Sendai, das von Kyushu Electric betrieben wird.

Die Vertreter von insgesamt sieben Gruppen begründen die Ablehnung von Neustarts an der Anlage mit der vulkanischen Aktivität. Der Betreiber habe das Risiko von Aschewolken und Felsen nicht berücksichtigt, die beim Ausbruch der derzeit inaktiven Aira-Caldera ausgestoßen würden.

Es gebe hinweise, dass der heutige Kraftwerksbereich vor 30.000 Jahren von einem so genannten pyroklastischen Strom betroffen war, bei dem vulkanische Asche in großer Menge über das Areal gelangt sein soll. Der Betreiber besteht auf der Sicherheit der Anlage. Es ist jedoch zu erwarten, dass das aktuelle Gerichtsurteil Anlass für weitere Bürgerbegehren und Klagen sein wird, berichtet die NHK.

1 KOMMENTAR

  1. …dieser Umstand war ihm nicht bekannt… er verstand die Funktionsweise nicht… weil der NOTFALLSKondensator in 20 Jahren nicht ein einziges eingesetzt wurde… er verstand die Meldung des einfachen MITARBEITERS falsch… gab dadurch unzureichende Befehle…

    Offensichtlich gab es keine Instanz die den Leiter beaufsichtigte und kontrollierte. Ganz schlecht. Niemand der 700 anderen Mitarbeiter kannte sich mit dem System, wohlgemerkt ein Notfallsystem!, aus. TepcoZentrale offenbar auch nicht. Ganz ganz schlecht.

    Atomkraft erscheint sicher.
    Geführt allerdings von Wahnsinnigen, welche Berichte von Mitarbeitern in denen es um Notfalleinrichtungen geht falsch verstehen weil sie die Einrichtung per se nicht verstehen, sind Betriebe dieser Art als nicht sicher und somit als nicht tragbar einzustufen.
    Schließlich geht es um den Lebensraum von hunderttausenden Menschen welcher auf einen Schlag für immer unbewohnbar und unnutzbar werden kann.

    Hinzu kommen die Endlagerprobleme und nicht kalkulierbare Umweltkatastrophen. Wirtschaftlichkeit? Auch Fehlanzeige.

    Im Vergleich: auch große Verkehrsflugzeuge gelten als sicher.
    WEIL ua wichtige Steuergeräte und Leitungen redundant vorhanden sind und WEIL die Piloten, die sich im Cockpit immer gegenseitig ihre Arbeitsschritte checken, jährlich Gesundheitschecks und Simulatorübungen machen MÜSSEN.

    Auch Flugzeuge können große Schäden auf allen Ebenen anrichten. Jedoch nie in einem solchen Ausmaß wie AKW es tun können.

    Dennoch leistet man sich im AKW ein derart schleissiges Personal. Dennoch sind wichtige Systeme im AKW oft nur einfach vorhanden und oder veraltet bzw kaputt. Und wenn dann echt ein GAU eintritt funktioniert so gut wie nichts mehr am Gelände. Weil nämlich auch davon in Wahrheit keiner der Verantwortlichen eine Ahnung hat.
    … wie spreadnews mehrfach wöchentlich beweist

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