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Fukushima aktuell: Erste Maßnahmen der riskanten Bodenfrostung begonnen

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Artikelbild - Testversuch einer Eiswand im November 2013 (Foto: TEPCO)
Testaufbau einer Eiswand im November 2013 (Foto: TEPCO)

Manche Entscheidungen gelten als unpopulär aber notwendig und bringen schließlich den gewünschten Erfolg. Ob dies auch für die Schaffung der Eisbarriere gilt, mit deren ersten Schritten am AKW Fukushima heute begonnen wurde, bleibt abzuwarten. Unterdessen befassen sich Behörden mit den Risiken anderer AKW und der Lagerung kontaminierter Abfälle.

Details zu diesen Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Januar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO beginnt mit Maßnahmen riskanter Bodenfrostung
  • Betonierung im Hafen führt zu Messpostenverlust
  • Volksbefragung zu Zwischenlagern in Naraha abgelehnt
  • Evakuierungsübung am AKW Onagawa

TEPCO beginnt mit Maßnahmen riskanter Bodenfrostung: Kraftwerksbetreiber TEPCO reagiert auf die Strahlungswerte, die in der Vergangenheit immer wieder neue Höhen erreicht hatten und langfristig eine starke radioaktive Kontamination des Pazifik nahe legten und begann am heutigen Mittwoch mit den Vorbereitungen zur Bodenfrostung.

Der auf Beratungen eines Ausschusses basierende Plan des Unternehmens besteht darin, die tiefen Erdschichten dauerhaft zu gefrieren und so zu verhindern, dass sich radioaktives Grundwasser weiter unter der Anlage ausbreitet.

Hierzu muss jedoch ein unterirdischer Kühlkreislauf erstellt werden, in dem ein Kühlmittel zirkuliert (Spreadnews berichtete im Mai 2013).

Zuletzt hatte der Elektrizitätsanbieter über Versuche der Eisbarriere in kleinerem Maßstab informiert (Spreadnews berichtete am 28. November 2013).

Schematische Darstellung der Kühlvorrichtung gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Schematische Darstellung der Gefrieranlage gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)

Bislang wurde der Boden auf dem Gelände nur chemisch ausgehärtet. Nun jedoch sollen die ersten Maßnahmen zur Bodenfrostung im Bereich der Reaktoren 2 und 3 beginnen.

Die Arbeit der Techniker besteht zunächst darin, vertikale Öffnungen zu graben, bis man auf die Tunnel trifft, durch die das stark radioaktive Wasser aus den Kellergeschossen der Turbinengebäude gelangt. Allerdings könnten Kabel oder andere Strukturen in den Tunnel bereits diese grundlegenden Arbeiten behindern.

Nach dem Schaffen der Öffnungen sollen dann vertikale Rohre herabgelassen werden, durch die später die Kühlflüssigkeit zirkulieren soll. Bei ihrer Arbeit sind die Techniker auf die Bilder von ferngesteuerten Kameras angewiesen, da das radioaktive Wasser in den Tunneln die Arbeiten dort unmöglich macht.

Zusätzlich wird das Unternehmen gezielt Kontrollposten graben um festzustellen, ob das Wasser direkt aus den Gebäuden dringt.

Geht alles nach Plan, so will TEPCO die Anbringung der Leitungen bis Ende März abgeschlossen haben. Nach erfolgreichem Einsetzen der Frostung, will man im Mai mit dem Abpumpen der 11.000 Tonnen an Wasser aus den Tunneln beginnen. Das berichtet die NHK.

Das Projekt, bei dem die unterirdischen Eiswände über eine Strecke von 500 Meter in nord-südlicher und 200 Meter in ost-westlicher Richtung um die Reaktoren herum verlaufen sollen, wird kritisiert, da das Konzept eines solchen Eiswalls bislang nur in sehr kleinem Maßstab zum Einsatz kam und ursprünglich nicht für langjährigen Betrieb ausgelegt ist.

Schäden durch Korrosion, Druck des Grundwassers, oder Erdbeben sind möglich. In jedem Fall wird das Abpumpen des Grundwassers dringend erforderlich.

Bei einer derartigen Stauung des Wassers ohne es abzupumpen, würde der Pegel des radioaktiven Grundwassers steigen und damit die Umgebungsradioaktivität erhöhen. In der Vergangenheit war bereits ein Messposten aufgegeben worden, nachdem das Strahlungsniveau dort zu hoch geworden war.

Betonierung im Hafen führt zu Messpostenverlust: Während die Vereisung um die Reaktorgebäude die Ausbreitung von radioaktivem Grundwasser innerhalb der Anlage eindämmen will, arbeitet TEPCO auch an der Sicherungen der Küstenseite. Dort war in der Vergangenheit der Boden lediglich durch Einsatz von Chemikalien ausgehärtet worden.

Zusätzlich hatte man den Hafenbereich mit Stahlkonstrukturen und Schlickzäunen abgesichert, um eine unkontrollierte Verbreitung von Abwasser aus dem Hafenbereich zu verhindern. Nun soll ein Teil der Hafenanlage durch die unterirdische Ausbringung von Beton und und die Aufschüttung von Füllmaterial aus Bruchsteinen aufgefüllt werden.

Mit ihr wird die Seeseite der Reaktoren 1 bis 4 und der Außenbereich des Hafens gesichert.

Die Betonierung unter Wasser soll 3.300 Kubikmeter erreichen, für das Füllmaterial wird eine benötigte Gesamtmenge von etwa 41.000 Kubikmeter geschätzt. Mit Stand vom Montag sind hiervon bereits 900 Kubikmeter Beton und 2500 Kubikmeter Gestein eingesetzt worden.

Mit der verstärkten Sicherung ist jedoch die Aufgabe von etwa einem Dutzend Grundwassermessposten verbunden, so dass aus diesen Bereichen keine Daten über die Strahlungsbelastung des Grundwassers mehr verfügbar sein werden. Als Ausgleich ist offenbar lediglich die Schaffung zwei neuer Messposten vorgesehen.

Das geht aus einem TEPCO-Bericht über die Fortschritte beim Bau der Betonbarrieren im Hafenbereich vom Beginn der Woche hervor.

Volksbefragung zu Zwischenlagern in Naraha abgelehnt: Der Gesetzesentwurf über die Durchführung einer Abstimmung der Einwohner über die Schaffung eines Zwischenlagers, wurde mit vier positiven und sechs Gegenstimmen  mehrheitlich abgelehnt. Bürgermeister Yukiei Matsumoto hatte den Vorschlag auf drängen einiger Bürger eingereicht.

Die Ablehnung wurde mit dem Umstand begründet, dass derart weitreichende Entscheidungen wie die Lagerung von radioaktiv kontaminiertem Erdreich und anderen Abfällen eine Angelegenheit der gesamten Präfektur seien und nicht durch Alleingänge entschieden werden sollten.

Abstimmungen lediglich in einzelnen Orten abzuhalten, auch wenn sie die potentiellen Standorte sind, sei gegenüber den angrenzenden Gemeinden unangemessen, berichtet die jiji.

Evakuierungsübung am AKW Onagawa: In einer gemeinsamen Übung beteiligten sich etwa 800 Mitglieder der Präfekturverwaltung Miyagi, der sieben Gemeinden um das AKW Onagawa, sowie Krankenhäuser und Kräfte von Polizei und Feuerwehr an einer gemeinsamen Katastrophenübung.

Japanischer Krankenwagen (Symbolbild: pd)
Umfassende Katastrophenübung am AKW Onagawa (Foto: symbolisch pd)

Das Ziel der Übung, deren Szenario die Freisetzung von radioaktivem Material nach einem Stromausfall aufgrund eines Erdbebens war, bestand in der Ermittlung von notwendigen Maßnahmen im Fall eines schweren Kraftwerkszwischenfalls. Es handelte sich um die erste Übung dieser Art an der Anlage seit der Fukushima-Katastrophe.

Von besonderer Bedeutung war dabei die Ausweitung der Sonderzone um Kernkraftwerke von zehn auf 30 Kilometer. In diesem Umkreis müssen Einwohner entweder umgehend evakuiert werden, oder in ihren Häusern Zuflucht suchen. Die hierfür notwendigen Schritte wurden in die Übung einbezogen.

So gehörte eine Videokonferenz zwischen den drei Instanzen – Gemeinden, Präfektur und Atomaufsicht – ebenso dazu, wie die Aufforderung an Einwohner innerhalb der 30-Kilometer-Zone die Häuser nicht zu verlassen. Auch dichteten einige Teilnehmer die Fenster und Türen mit Klebeband ab, um das Eindringen von radioaktivem  Material einzudämmen.

Die Ausweitung der Sperrzone bedeutet für die Gemeinden um die Anlage in Onagawa, das künftig 210.000 Personen evakuiert werden müssen. Zuvor waren es lediglich 18.000 Einwohner gewesen. Dennoch verfügen wichtige Gemeinden nach wie vor nicht über entsprechende Evakuierungspläne, berichtet die NHK.

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