Fukushima aktuell: Erster AKW-Arbeiter mit Schilddrüsenkrebs anerkannt

Fukushima aktuell: Erster AKW-Arbeiter mit Schilddrüsenkrebs anerkannt

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Artikelbild - Fukushima-Arbeiter am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erstmals Anerkennung von Schilddrüsenkrebs (Symbolfoto: TEPCO)

Gesundheitliche Folgen bei AKW-Arbeitern und Beschäftigten bei der Dekontamination sorgen in Fukushima heute für Schlagzeilen. Doch auch das Mobbing von Evakuierten bleibt ein Thema in den Fukushima News.

Die Details zu den Meldungen gibt es aus nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Dezember 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Erstmals Schilddrüsenkrebs bei AKW-Arbeiter als Folgeschaden anerkannt
  • Dekontaminationsarbeiter von Zivilisationskrankheiten betroffen
  • Acht Familien berichten von Mobbing aufgrund der Herkunft
Erstmals Schilddrüsenkrebs bei AKW-Arbeiter als Folgeschaden anerkannt

Wie das Arbeitsministerium am heutigen Freitag mitteilte, ist der Schilddrüsenkrebs eines TEPCO-Angestellten, als Folge seiner Tätigkeit am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi anerkannt worden, so dass er nun Anspruch auf Entschädigung hat.

Der Mann Mitte 40 war während der Akutphase der Krise im März 2011 an den Reaktoren 3 und 4 tätig, erlebte aber auch die Wasserstoffexplosionen an den Reaktoren 1 und 3 mit.

Der Fall ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum Einen ist es erst der dritte Fall, in dem ein kausaler Zusammenhang zwischen der Beschäftigung an diesem AKW und einer Krebserkrankung offiziell anerkannt wurde.

Zum Anderen ist es das erste Mal überhaupt, dass ein Angestellter aufgrund von Schilddrüsenkrebs eine solche Einstufung erhält. In den beiden anderen Fällen war Leukämie als Folge der AKW-Tätigkeit attestiert worden.

Über die Anerkennung der Erkrankung berichtete die Kyodo, sowie Präfekturmedien.

Dekontaminationsarbeiter von Zivilisationskrankheiten betroffen

Der Ruf von Dekontaminationsarbeitern ist aufgrund von Einbruchsdiebstählen und schlampiger Arbeit alles andere als positiv – das zeigte auch unsere Befragung im Rahmen der Aktion „Stimmen aus Fukushima„.

Doch insbesondere die Arbeitskräfte, die nicht aus der Präfektur stammen, sondern angeworben wurden, haben auch ihre eigenen Probleme. Dazu gehört eine Häufung von Zivilisationskrankheiten, die zudem oft unbehandelt blieben.

Das zeigt eine Untersuchung von 113 Patienten aus einem Krankenhaus in Minamisoma, die von Juni bis August 2012 durchgeführt wurde. Demnach wurde bei 72 Patienten (63,7 Prozent) chronischer Bluthochdruck festgestellt, der in 57 Fällen unbehandelt geblieben war.

Bei 27 Dekontaminationsarbeitern (23,8 Prozent) wurde Diabetes diagnostiziert. Hier fand in 18 Fällen keine Therapie der Erkrankung statt. Elf Personen waren zudem nicht krankenversichert.

Die Untersuchung fand vom Juni bis August 2012 statt und ergab bei 72 Patienten Fälle von Bluthochdruck. Das Forscherteam kommt zu dem Schluss, dass der geringe Status externer Arbeiter im Bezug auf Einkommen und Bildung die medizinische Versorgung erschwere.

Dies bedeutet, dass die Sterblichkeitsrate bei Dekontaminationsarbeitern aus anderen Landesteilen aufgrund dieser lebensstilbedingten Erkrankungen höher liegen wird, als bei der übrigen Bevölkerung.

Auch wenn man nur eine begrenzte Zahl der Beschäftigten untersucht habe, so sei davon auszugehen, dass alle extern beschäftigten Arbeiter ähnlichen Gefährdungen ihrer Gesundheit ausgesetzt sind.

Künftige Untersuchungen müssten daher sowohl Dekontaminationsarbeiter, als auch Beschäftigte beim Wiederaufbau der Präfektur erfassen, um eine umfassende Einschätzung des Gesundheitszustands dieser Personengruppen zu ermöglichen.

Über die medizinische Untersuchung berichteten Präfekturmedien.

Acht Familien berichten von Mobbing aufgrund der Herkunft

Eine Befragung von 61 Haushalten im Großraum Yokohama durch Rechtsanwälte ergab, das von den 30 Haushalten in denen Schulkinder leben, in insgesamt acht Fällen entweder verbale, oder sogar körperliche Gewalt gegen die Schüler angewandt wurde.

Nach Einschätzung namentlich ungenannter Quellen dürfte die Dunkelziffer jedoch deutlich höher liegen, da sich längst nicht jedes Opfer von Mobbing in der Schule einer anderen Person anvertraut und etwa soziale Isolation nicht als Mobbing gewertet wird.

Aufforderung sich „fern zu halten“ und damit Bezug auf die Radioaktivität, oder auch pauschalierende Aussagen, Einwohner der Präfektur seien Idioten, gehören offenbar zum Alltag von Kindern, deren Eltern von dort evakuierten.

Den Stein hatte im November die Geschichte eines Schülers ins Rollen gebracht. der  von Demütigungen als „Bazille“ und  Erpressungen von Geld berichtet hatte – mit der Rechtfertigung, die Familie beziehe ja finanzielle Unterstützung.

Nach der Veröffentlichung eines seiner Schreiben mit Suizid-Gedanken und seinem Aufruf, sich nicht das Leben zu nehmen, sondern sich Hilfe zu holen, hatte der Junge auch andere Opfer ermutigt, sich nicht ihrem Schicksal zu ergeben.

In mindestens einem Fall beteiligte sich auch ein Mitglied des Lehrkörpers an den herabwürdigenden Bezeichnungen. Die Schulbehörde untersucht den Vorfall.

Die Befragung war Teil einer Aktion von 174 Klägern aus 61 Haushalten, die gegen Regierung und Kraftwerksbetreiber TEPCO eine Forderung von 4.7 Milliarden Yen stellten. Das berichtete die Kyodo.

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