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Fukushima aktuell: Erster Reisexport seit AKW-Katastrophe

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Artikelbild - Reisfelder in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Internationale Experten bestätigen Kontamination durch AKW (Symbolfoto: pd)

Während die Präfektur Fukushima heute den ersten Export von Reis melden kann, sorgt die Aussicht auf eine teilweise Aufhebung des Sperrgebiets für Diskussionen. Zu den Fukushima News zählt aber auch der Widerstand gegen Endlagerstätten. Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. August 2014.
Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Export von Fukushima-Reis wieder aufgenommen
  • Entscheidung zum Evakuierungsstatus für zweite Sperrzonen-Gemeinde
  • Gemeinde lehnt Endlagerstätte ab

Export von Fukushima-Reis wieder aufgenommen: Erstmals seit Beginn der Fukushima-Katastrophe 2011, hat Japan den Export von Reis aus der Präfektur wieder aufgenommen. Während der Akutphase der Krise waren Lebensmittelbestimmungen verschärft und Ausfuhrverbote verhängt worden, Nachbarländer hatten den Import japanischer Waren eingeschränkt.

Eine Reis-Rispe
Erster Export von Fukushima-Reis seit AKW-Katastrophe (Symbolfoto: pd)

Nun wurden 300 Kilogramm der beliebten Reissorte Koshihikari aus der Stadt Sukagawa (Präf. Fukushima) nach Singapur verschifft, und nach Abwicklung der Zollbestimmungen dort ab Freitag in einem Supermarkt öffentlich verkauft werden. Sowohl in Japan, als auch in Singapur sollen zuvor sorgfältige Strahlungskontrollen erfolgen.

Dem Verkauf nach Singapur waren Verhandlung mit Japans Vereinigung der Landwirtschafstkooperativen (JA Zen-Noh) vorausgegangen. Der Verband hatte im Ausland für die Akzeptanz von Reis aus der Präfektur beworben und hofft nun, auch weitere Nachbarstaaten überzeugen zu können. Andere landwirtschaftliche Produkte wie Äpfel und Pfirsiche werden bereits wieder exportiert.

Vor dem Tohoku-Erdbeben und seinen Folgen war die Präfektur Fukushima ein wichtiger Reislieferant, der jährlich mehrer als hundert Tonnen Reis ins Ausland, etwa nach Taiwan und Hongkong lieferte. Über die Wiederaufnahme des Exports berichteten Kyodo und NHK.

Entscheidung zum Evakuierungsstatus für zweite Sperrzonen-Gemeinde:  Am 1. Oktober wird der Evakuierungsstatus der Gemeinde Kawauchi, die im 20-Kilometer Umkreis vom Kernkraftwerk Fukushima Daiichi entfernt liegt, aufgehoben. Am Sonntag akzeptierte die Stadtverwaltung den Plan der Regierung in Tokyo.

Damit wird Kawauchi die zweite Gemeinde im Sperrgebiet, für die keine Evakuierungsanordnung mehr besteht. So können ab 1. Oktober insgesamt 275  frühere Einwohner aus 139 Haushalten unbeschränkt in die Ortschaft zurückkehren und dort dauerhaft leben.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Sperrung von Kawauchi soll am 1. Oktober fallen (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Zuvor war im April der Evakuierungsstatus in der Stadt Tamura teilweise aufgehoben worden. Dort ist der Bezirk Miyakoji offiziell wieder bewohnbar.  Der gänzliche Wegfall der Evakuierungsanordnung für Kawauchi hatte ursprünglich am 26. Juli erfolgen sollen, die Entscheidung zur Freigabe war aufgrund von Protesten verschoben worden.

Nachdem die Regierung versichert hatte, im September sowohl die Reparatur von Hauptstraßen abzuschließen, als auch die geforderte zusätzliche Dekontamination von Gebieten mit anhaltend hoher Strahlungsbelastung durchzuführen, ist es nun zum Einverständnis gekommen. Die offizielle Formulierung soll Ende dieses Monats fertig sein.

Trotz des Widerstands einiger Bewohner akzeptierte Bürgermeister Yuko Endo den Antrag von Minister Kazuyoshi Akaba, der als Leiter der Fukushima-Taskforce für die Regierung tätig ist. Er rechtfertigte die Entscheidung mit dem Umstand, sobald der Aufenthalt in Gebiete nicht mehr lebensbedrohlich ist, sei die Aufhebung der Beschränkungen zu erwägen.

Die besorgten Bürger kritisieren die gefallene Entscheidung dennoch als zu früh. Sie nennen Sicherheitsbedenken und werfen der Regierung vor, lediglich Kosten sparen zu wollen, da Evakuierte zwar eine monatliche Entschädigung für die emotionale Belastung in Höhe von 100.000 Yen erhalten, diese Zahlungen jedoch ein Jahr nach dem Wegfall der Evakuierungsanordnung eingestellt werden.

Dieser Eindruck könnte durch den Umstand verstärkt werden, das erstmals seit der Einführung des Drei-Zonen-Modells, das die unterschiedliche Belastung und Rückkehrmöglichkeiten regelt, sogar ein Gebiet heraufgestuft werden wird. Ein Bereich, in dem höhere Werte als in der übrigen Ortschaft bestehen, soll zur „Zone mit baldiger Rückkehrmöglichkeit“ heraufgestuft werden.

In diesem Gebiet würden 54 Personen in 18 Haushalten leben. Über die Entscheidung berichteten praktisch alle Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun, jiji und NHK.

Gemeinde lehnt Endlagerstätte ab: Das Umweltministerium, dass in fünf Präfekturen des Großraums Tokyo und Nordjapans nach Standorten für Atommüllendlager sucht, hat vom Bürgermeistert des Orts Shioya (Präf. Tochigi) eine Absage erhalten.

Im vergangenen Monat hatte das Ministerium beschlossen, staatliche Grundstücke in Shioya zum Bau zu nutzen und hatte die Gemeinde um Kooperation bei Geländeuntersuchungen gebeten. Die Verwaltung der Ortschaft lehnt die Pläne jedoch ab. Daher legte Bürgermeister Kazuhisa Mikata und Vertreter der Gemeindeversammlung bei einem Besuch des Ministeriums am heutigen Montag ein entsprechendes Schreiben vor.

Higashikyo-Wasserreservoir in Shioya, Präf. Tochigi (Foto: pd)
Higashikyo-Wasserreservoir in Shioya, Präf. Tochigi (Foto: pd)

Die Gemeine fordert, die Entscheidung zum Endlagerbau rückgängig zu machen und nennt die Gefährdung der natürlichen Wasserressourcen und Schäden für den Ruf der landwirtschaftlichen Produkte aufgrund von Verbraucherängsten als Gründe.

Während Vize-Umweltminister Shinji Inoue erklärte, Zwischenlagerstandorte würden verzweifelt gesucht und das Ministerium sei bereit, die Pläne genau zu erklären, forderte Bürgermeister Mikata im Anschluss vor Medienvertretern, zunächst müsse erklärt werden, wie Shioya ohne vorausgehende sorgfältige Untersuchungen zum potentiellen Lagerstandort erklärt werden konnte.

Am Mittwoch will sich ein Expertenausschuss der Präfektur mit den Auswahlkriterien des Ministeriums befassen.

Die von der Regierung geplanten Lagerstätten sollen radioaktiv kontaminiertes Material Klärschlamm, Asche aus der Verbrennung von kontaminierten Trümmern und anderes Material aufnehmen, dessen Belastung über 8.000 Becquerel pro Kilogramm liegt. Das berichtete die NHK.

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