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Fukushima aktuell: Erstes Jahr ohne Grenzwertüberschreitung bei Reis

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Artikelbild - Reispflanze (Foto: gengenHDR, cc-by)
Kontrollen von Fukushima-Reis: Suche nach mehr Kosteneffizienz durch neues Konzept (Symbolfoto: gengenHDR, cc-by)

Das neue Jahr bringt aus Fukushima heute nicht nur Meldungen über Standardmaßnahmen und Messwerte am AKW, sondern auch positive Fukushima News aus der Landwirtschaft. Doch die Vorstellung baldiger AKW-Neustarts steht ebenfalls weiter im Raum. Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. Januar 2015.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Erstmals alle Chargen von Fukushima-Reis als sicher eingestuft
  • Anstieg von Strahlungswert an Grundwassermessposten
  • Verklappung am AKW Fukushima durchgeführt
  • Atomaufsicht schwört Mitarbeiter auf Herausforderung durch Neustarts ein
  • Schneefälle belasten Bewohner von Übergangshäusern
  • Todesfälle durch Erstickung an Reiskuchen

Erstmals alle Chargen von Fukushima-Reis als sicher eingestuft: Unmittelbar nach der Fukushima-Katastrophe 2011, war die Kontrolle der Strahlungsbelastung von Lebensmitteln durchgeführt worden. In den folgenden Jahren wurden Anpassungen der Lebensmittelgrenzwerte durchgeführt.

Eine Reis-Rispe
Erfolgsjahr 2014: Erstmals keine Grenzwertüberschreitung bei Reis (Symbolfoto: pd)

Das Jahr 2014 stellt für die Reisbauern der Präfektur Fukushima einen besonderen Erfolg dar. Erstmal seit dem Kauf von 190 Testgeräten und dem Beginn großangelegter Kontrollen im Jahr 2012, wurde keine  Überschreitung des Lebensmittelgrenzwerts von 100 Becquerel pro Kilogramm festgestellt.

Bei keinem der getesteten 10,75 Milllionen Säcke lag die Strahlungsbelastung über dem Grenzwert. In den Jahren zuvor waren zwar noch Überschreitungen nachgewiesen worden, allerdings zeichnete sich bereits ein rückläufiger Trend ab.

Waren von den jährlich etwa 10 Millionen Säcken im Jahr 2012 noch 71 Fälle von Grenzwertüberschreitungen entdeckt wurden, sank die Zahl im Jahr 2013 auf 28. Die Präfektur Fukushima will die Strahlungskontrollen weiter fortführen.

In der Vergangenheit hatten die Reisbauern verschiedene Möglichkeiten zur Dekontamination ihrer landwirtschaftlichen Nutzflächen und der Verringerung der Reisbelastung genutzt und etwa durch die Nutzung anderer Düngemittel die Aufnahme von radioaktivem Cäsium verhindert. Das berichtete die Asahi Shimbun.

Anstieg von Strahlungswert an Grundwassermessposten: Am Samstag veröffentlichte der Kraftwerksbetreiber TEPCO Werte des Grundwasserpostens 2-7 und meldete eine Erhöhung im Vergleich zu den bisherigen dortigen Höchstwerten an.

Demnach wurde eine Konzentration von radioaktivem Cäsium-137 in Höhe von 12 Becquerel pro Liter nachgewiesen. Das stellt nicht nur eine Erhöhung im Vergleich zum Wert von 0,92 Becquerel dar, der Ende Dezember festgestellt wurde, sondern ist auch eine Steigerung gegenüber dem bisherigen Höchstwert von 9 Becquerel pro Liter (vom 23. Februar 2014).

Im Bezug auf die anderen Werte habe es keine nennenswerten Veränderungen gegeben, berichtete das Betreiberunternehmen am Samstag.

Verklappung am AKW Fukushima durchgeführt: Am ersten Montag des neuen Jahres wurde bereits eine weitere Verklappung von sauberem Grundwasser in den Pazifik durchgeführt. Das aus den Bergen stammende Wasser wurde ohne Zwischenfälle eingeleitet.

Artikelbild - AKW Fukushima: Verlauf des Grundwasserumleitungsprojekts am 21. Mai 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasserumleitungen laufen weiter (Foto: TEPCO)

Die Gesamtmenge beläuft sich auf 1.879 Tonnen. Die Wirksamkeit der Maßnahme ist immer noch zweifelhaft, doch nach ersten Meldungen, die Verklappung könnte gänzlich ineffizient sein, habe man schließlich doch einen positiven Effekt der Verklappungsarbeit entdeckt.

Der Arbeitsschritt wird regelmäßig durchgeführt und soll dabei helfen, den Grundwasserpegel unter dem Kraftwerksgelände zu kontrollieren, das Anfallen von weiterem radioaktivem Wasser einzudämmen und eine unkontrollierte Freisetzung in den Pazifik zu verringern.

Atomaufsicht schwört Mitarbeiter auf Herausforderung durch Neustarts ein: Während in Otsuchi (Präf. Iwate) der erste Arbeitstag mit einer Zeremonie im Übergangsgebäude des Rathauses und dem Versprechen eines weiteren Wiederaufbau begann, wurden die Mitarbeiter der Atomaufsichtsbehörde NRA zu größerem Verantwortungsgefühl aufgerufen.

In Otsuchi gilt die Aufmerksamkeit dem geplanten Bau von Übergangshäusern für 250 Haushalte in den kommenden Jahren. Dagegen erklärte der NRA-Vorsitzende Shunnichi Tanaka in seiner Neujahrsrede vor 460 Angestellten, die Verantwortung werde mit künftigen Reaktorneustarts steigen.

Neustarts wären mit neuen Aufgaben, wie etwa der Inspektion der Anlagen verbunden, zudem müssten die Einschätzungen auch der Öffentlichkeit angemessen bekannt gegeben werden.

Derzeit prüft die Aufsichtsbehörde die Anträge auf Sicherheitsprüfungen für 21 Reaktoren an  14 Kernkraftwerken des Landes. Ein bestehen der Prüfung ist Voraussetzung für eine Neustartgenehmigung.

Bislang sind lediglich Reaktoren am AKW Sendai (Präf. Kagoshima) erfolgreich geprüft worden, doch noch vor Ende des Monats soll die Prüfung des AKW Takahama (Präf. Fukui) ebenfalls abgeschlossen sein.

Derzeit sind alle Reaktoren des Landes heruntergefahren, doch sowohl in der Regierung, als auch in einigen Ortsverwaltungen werden Neustarts als notwendig erachtet. Wie die NHK berichtet, gehören zu den Kandidaten auch Druckwasserreaktoren, wie sie am AKW Fukushima Daiichi eingesetzt wurden.

Schneefälle belasten Bewohner von Übergangshäusern: Die winterlichen Schneefälle machen auch den Einwohnern der Übergangshäusern in Aizu, einer Region der Präfektur Fukushima zu schaffen.

Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Insbesondere die Verteilung früherer Einwohner auf verschiedene Übergangssiedlungen und das hohe Alter vieler Evakuierter erschweren die Räumarbeiten, da es an ausreichender Arbeitskraft fehlt

Auch wenn eigentlich die Gemeinden für die Räumung verantwortlich sind, führen enge Passagen und die Zugangsbereiche an den Übergangshäusern dazu, dass statt des Schneepflugs dort Handarbeit erforderlich ist.

Obwohl sich die Bewohner untereinander helfen und Mitglieder aus den Gemeinden Hilfestellung leisten, bleiben die Schneemassen eine potentielle Gefahr für die Gebäude.

Nach den Schneefällen droht durch das erwartete Tauwetter der Anstieg von Flüssen und somit das Risiko von Überschwemmungen in der Präfektur. Das berichteten Präfekturmedien.

Todesfälle durch Erstickung an Reiskuchen: Von den Fällen, bei denen alljährlich Menschen aufgrund der klebrigen Neujahrs-Reiskuchen „Mochi“ Erstickungen erleiden, blieb auch die Präfektur Fukushima nicht verschont.

Ein Zwischenfall in Koriyama am Samstag verlief glimpflich und in Yugawa entging am Sonntag eine 77 Jahre alte Frau der Einlieferung in eine Klinik, da durch Schläge auf den Rücken das fünf Zentimeter große Stück aus dem Rachen entfernt werden konnte.

Ein 78 Jahre alter Mann aus Nihonmatsu hatte gleich mehrere Schutzengel. Auch er verschluckte sich an einem Mochi und erlitt einen Herzstillstand, erlangte in der Klinik jedoch wieder das Bewusstsein.

Landesweit starben bislang neun Personen an der zähen Neujahrsspezialität, weitere sind noch in ernstem Zustand.

Neujahrsgebete in Fukushima Der erste Schreinbesuch des neuen Jahres (Hatsumode), wird für viele Menschen in der Region Tohoku eine Gelegenheit gewesen sein, für den raschen Wiederaufbau und die Überwindung von Hindernissen zu beten.

Auch an der Replik der einsamen Wunderkiefer in Rikuzentakata, die als einzige eines ganzen Kiefernbestandes die Tsunami-Fluten überstand und später konserviert wurde, als das Salzwasser den Baum angriff, versammelte man sich zum ersten Sonnenaufgang des Jahres. Hierüber berichteten Präfekturmedien.

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