Fukushima aktuell: Erstmals radioaktiv vorbelastetes Grundwasser verklappt

Fukushima aktuell: Erstmals radioaktiv vorbelastetes Grundwasser verklappt

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Artikelbild - AKW Fukushima: Erste Verklappung von radioaktiv vorbelastetem Grundwasser am 14. September 2015 (Foto: TEPCO)
Erste Verklappung von radioaktiv vorbelastetem Grundwasser am 14. September 2015 (Video: TEPCO)

Während am AKW Fukushima aktuell erstmals kontaminiertes Grundwasser in das offene Meer geleitet wird, ist die Zahl der fortgespülten Plastiksäcke mit radioaktiv kontaminiertem Abfall nicht nur gestiegen – nun liegen Fukushima News vor, denen zufolge bereits Schäden an den Behältnissen auftraten.

Mehr zu dem, was in Japan aktuell geschieht, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. September 2015.

Unsere Themen zum Wochenbeginn im Überblick:

  • Erste Verklappung von kontaminiertem Grundwasser durchgeführt
  • Probleme mit fortgespülten Dekontaminationsabfällen weiten sich aus
  • Senioren-Evakuierung gefährlicher als radioaktive Belastung

Erste Verklappung von kontaminiertem Grundwasser durchgeführt: Am heutigen Montag wurde erstmals Grundwasser vom Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi kontrolliert in den Pazifischen Ozean eingeleitet.

Die Arbeiten begannen um 10:00 Uhr und verliefen nach Angaben des Kraftwerksbetreibers störungsfrei.

AKW Fukushima: TEPCO-Aufsicht der Erstverklappung vorbelasteten Grundwassers am 14. September 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: TEPCO-Aufsicht der Erstverklappung vorbelasteten Grundwassers am 14. September 2015 (Foto: TEPCO)

Bei den 4.000 Tonnen Wasser handelt es sich um Grundwasser, das seit August vergangenen Jahres probeweise entnommen und bereits gefiltert worden war.

Die durch Dritte überwachte Analyse ergab, das auch bei Tritium, für das noch keine effektive Filtermethode vorliegt, mit Werten zwischen 330 und 600 Becquerel pro Liter der Verklappungsgrenzwert von 1.500 Becquerel pro Liter eingehalten wird.

Bis zum Abend sollen zunächst etwa 850 Tonnen in den Pazifik eingeleitet werden und bereits am Nachmittag waren 838 hiervon verklappt. Die Entsorgung der vorläufigen Gesamtmenge von 4.000 Tonnen soll am Freitag abgeschlossen werden.

Nach dem problemlosen Verlauf ist theoretisch die Verklappung weiterer radioaktiver Grundwassermengen möglich, sofern die Konzentration von radioaktivem Material ausreichend gesenkt wird.

Das Grundwasser wird bereits heraufgepumpt und soll in den kommenden Tagen dann ebenfalls verklappt werden.

AKW Fukushima: Angestellte bei der Grundwasserverklappung vom 14. September 2015 (Video: TEPCO)
AKW Fukushima: Angestellte bei der Grundwasserverklappung vom 14. September 2015 (Video: TEPCO)

Für das Pumpen werden so genannte „subdrains“ genutzt, bei denen es sich letztlich um Grundwasserbrunnen in Reaktornähe handelt.

Einmal herausgepumpt, wird das Wasser in einer gesonderten Anlage dekontaminiert und die Konzentration an radioaktivem Material analysiert, bevor eine Verklappung erfolgt.

Das Unternehmen hofft, die täglich neu anfallende Menge radioaktiver Abwässer durch die Maßnahme langfristig halbieren zu können.

Es ist allerdings noch unklar, wie viele Monate vergehen müssen, bevor man die tatsächliche Effektivität realistisch einschätzen kann. Eine Ankündigung der Erstverklappung war der heutigen Maßnahme vorausgegangen.

Bis zur Einverständniserklärung der Fischereiverbände, war dem japanischen Unternehmen ausschließlich die Verklappung von sauberem Grundwasser aus den Bergen gestattet, das umgeleitet wurde, bevor es das Kraftwerksgelände erreichte.

Über die Durchführung berichteten neben dem Kraftwerksbetreiber TEPCO praktisch alle großen japanischen Medien, darunter die Kyodo, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und NHK, sowie Präfekturmedien.

Probleme mit fortgespülten Dekontaminationsabfällen weiten sich aus: Die Schwierigkeiten um die fortgespülten Säcke mit radioaktiv kontaminiertem Material, die durch schwere Regenfälle in Flüsse der Präfektur Fukushima geschwemmt worden waren, weiten sich aus.

Zahlen vom Samstag zufolge wurden mindestens 240 Abfallsäcke in den aufgewühlten Flüssen mitgerissen.  Nach Angaben des Umweltministeriums wurden bislang nur 113 Säcke geborgen.

Schwarze Säcke mit radioaktiv kontaminiertem Material (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Mehr kontaminierte Abfälle fortgespült als zunächst angenommen (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Die Situation wird dadurch kompliziert, das an zwei Exemplaren, die bei Minamisoma geborgen wurden, bereits Schäden festgestellt wurden. Der Grad radioaktiver Belastung sei jedoch vergleichsweise gering, eine Gefahr für die Umwelt bestehe nicht.

Die bislang geborgenen Säcke enthalten Gras, das als Reaktion auf den radioaktiven Fallout gemäht worden war, und wiegen 200 bis 300 Kilogramm.

Allerdings können nicht alle Behältnisse zeitnah geborgen werden, da der Zugang zu einigen Gebieten durch Straßensperrungen wegen der Regenfälle derzeit nicht möglich ist.

Es muss also damit gerechnet werden, das sowohl die Zahl der weggespülten Abfallsäcke, als auch der beschädigten Exemplare weiter steigen wird.

Über die aktuellen Entwicklungen berichteten Präfekturmedien.

Senioren-Evakuierung gefährlicher als radioaktive Belastung: Einer am Freitag im Fachmagazin PLOS One veröffentlichten Studie zufolge, war die Evakuierung der Altenheime möglicherweise gefährlicher für die Gesundheit der Bewohner, als dies die Strahlung gewesen wäre.

In dem Artikel mit dem Titel „Was the Risk from Nursing-Home Evacuation after the Fukushima Accident Higher than the Radiation Risk?“ kommen die Experten unter der Leitung von Michio Murakami von der Universität Tokyo zu diesem überraschenden Schluss.

Die hastige Evakuierung, der Wechsel des Betreuungspersonals und der Mangel an Medikamenten in den Aufnahmeeinrichtungen habe zu einer hohen Sterblichkeit der Evakuierten geführt.

Im Rahmen der Studie wurden 191 Evakuierte und 184 Beschäftigte  untersucht und drei mögliche Risikoszenarien analysiert – die durchgeführte Evakuierung innerhalb eines Monats, die Evakuierung nach drei Monaten und der langfristigen Aufenthalt unter Berücksichtigung verschiedener Strahlungsbelastungen.

Das Ergebnis zeigt, dass die Lebenserwartung bei der erfolgten Evakuierung deutlich schlechter war, als bei einer verzögerten Evakuierung, oder dem Aufenthalt statt der Evakuierung.

Die Japan Times spricht von einem 400-fach höheren Gesundheitsrisiko durch die bisherige schnelle Evakuierungspraxis.

Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass es nicht darum gehe, die Evakuierungsentscheidung in Frage zu stellen, sondern in Evakuierungsplänen die verschiedenen Möglichkeiten besser zu berücksichtigen.

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