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Fukushima aktuell: Erstmals Sicherheitsprüfung aller japanischen Atomanlagen

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Artikelbild - IAEA-Hauptsitz in Wien (Foto: pd)
IAEA legt Abschlussbericht zur Fukushima-Katastrophe vor (Foto: pd)

Die Genehmigung der neuen Zukunftspläne von TEPCO sorgt für entsprechendes Interesse, nicht nur innerhalb Japans. Allerdings hat der Betreiber des AKW Fukushima heute nicht alleine alle Hände voll zu tun, sollen doch erstmals die Sicherheitsmaßnahmen aller Nuklearanlagen kontrolliert werden.

Daher neben den Fukushima News auch weitere interessante Themen im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Januar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Erstmals IAEA-Prüfung von Japans AKW zugelassen
  • Kritik an TEPCO-Neustartplänen
  • Künftige Wasserpolitik von TEPCO unter Beobachtung
  • Kontrollen für Neustarts an mehreren AKW

Erstmals IAEA-Prüfung von Japans Nuklearanlagen zugelassen: Bei einem gestrigen Treffen von Vertretern der japanischen Atomaufsichtsbehörde NRA, wurde eine ungewöhnliche Entscheidung gefällt. Erstmals will die NRA der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA eine Beurteilung aller Nuklearanlagen Japans ermöglichen.

Dabei geht es jedoch nicht allein um technologische Aspekte – die Schwachstelle Mensch wird ebenfalls ein Thema sein.

Das Expertenteam soll voraussichtlich Ende diesen Jahres, oder Anfang des kommenden Jahres seine Mission in Japan beginnen. Bereits jetzt teilte Kenzo Oshima von der NRA mit, man werde die Einschätzung der ausländischen Experten zur Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen nutzen.

Nach Einschätzung der NHK ist dieser Schritt eine Reaktion auf die steigende weltweite Besorgnis über die Sicherheit von Nuklearanlagen. Nicht zuletzt die Anschläge vom 11. September 2001 und die Fukushima-Katastrophe hatten Fragen nach der Terrorismusabwehr und allgemeinen Sicherheit aufgeworfen.

Tatsächlich sind im Bezug auf japanische Anlagen nicht unbegründet, hatte es doch auch am AKW Fukushima Daiichi Sicherheitsmängel gegeben.

So hinterließ beispielsweise ein Arbeiter während einer Pause seine Ausrüstung, inklusive der ID-Karte, unbeaufsichtigt zurück (Spreadnews berichtete am 17. August 2012).

Schon zuvor waren Journalisten mit versteckter Kamera illegal auf das Gelände gelangt, um die Arbeitsbedingungen zu dokumentieren. Hierzu scannten Journalisten einige echte ID-Karten von Mitarbeitern ein, um diese fälschen zu können (Spreadnews berichtete am 27. Januar 2012).

Bereits drei Monate nach Beginn der AKW-Krise waren Kraftwerksarbeiter verschwunden, in einem weiteren Fall unerlaubt ein Minderjähriger beschäftigt worden, (Spreadnews berichtete am 22. Juni 2011 und dem 9. Mai 2012). Auch in diesen Fällen versagten somit die Personalkontrollen.

Kritik an TEPCO-Neustartplänen: Der neue Jahresplan des Kraftwerksbetreibers TEPCO stieß bereits vor seiner Genehmigung durch die Regierung in Tokyo auf Kritik. Das Unternehmen plant als Teil seiner Sanierungspolitik auch Kernkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, die in folge der Fukushima-Katastrophe heruntergefahren worden waren.

Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)

Insbesondere Hirohiko Izumida, Gouverneur der Präfektur Niigata, fand klare Worte und sprach von „Luftschlössern“, die das Unternehmen baue. In der Präfektur befindet sich das AKW Kashiwazaki-Kariwa, in dem nach Willen von TEPCO bereits im Juli oder August die Reaktoren 6 und 7wieder in Betrieb gehen soll.

Izumida erklärte, vom Standpunkt der Sicherheit handele es sich um einen irrwitzigen Plan. Nachdem die Leitung des Unternehmens die Neustartpläne als einstweilige Lösung bezeichneten, deren Termin sich zudem in der Schwebe befinde, kritisierte der Gouverneur, dass deshalb im Fall einer Katastrophe niemand Verantwortung übernehmen müsse.

Bereits in der Vergangenheit hatte Izumida sein Misstrauen zum Ausdruck gebracht. Allein der Umstand, dass TEPCO die Fukushima-Kernschmelzen erst nach zwei Monaten einräumte und dies immer noch nicht hinreichend begründete, lasse an der Vertrauenswürdigkeit zweifeln.

Dass der Elektrizitätsanbieter einen Antrag auf Sicherheitsprüfung von Kashiwazaki-Kariwa durch die NRA, ohne Kenntnis der Präfekturverwaltung Niigata stellte, dürfte den Gouverneur zudem persönlich grämen. Unbeeindruckt von derlei Bedenken erhofft sich das Unternehmen für den Februar 2015 auch Neustarterlaubnisse für die Reaktoren 1 und 5 der Anlage.

Auch die Bürgermeister der Gemeinden Kashiwazaki und Kariwa, auf deren Gebiet das Kernkraftwerk steht, erklärten allerdings, auch von ihrer Seite mache man eine Erlaubnis von umfassenderen Informationen abhängig, als jene, die TEPCO bislang darbot. Hierüber berichteten jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Künftige Wasserpolitik von TEPCO unter Beobachtung: Der Zeitplan des Unternehmens sieht eine Dekontamination des angesammelten kontaminierten Wassers auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi bis Ende des Fiskaljahres 2014 vor. Ausgenommen hiervon ist lediglich Tritium, dessen Filterung aufwändiger ist.

AKW Fukushima: Leck am Ablassventil von Wasserbehälter im Bereich H4 am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Lagertank: Leck an Ablassventil der Betonbarriere im Bereich H4 am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)

Insbesondere die Fischereikooperativen haben ein Interesse an den Maßnahmen, nachdem im August 2013 der Austritt von 300 Tonnen radioaktivem Wasser zur Verschiebung des probeweisen Fischfangs geführt hatte. Nach Aussage des Dachverbandsleiters der Präfektur begrüße man jede Maßnahme, die zur Stabilisierung der AKW-Anlage beitrage.

Sollte eine Kontrolle tatsächlich möglich sein und effektive Maßnahmen gegen die Kontamination des Meeres getroffen werden, so hoffe man, dass dies zu einer Wiederaufnahme des Fischfangs der Region führen werde. Dies berichtete die Asahi Shimbun.

Kontrollen für Neustarts an mehreren AKW: Am heutigen Donnerstag begann die Atomaufsicht NRA die Sicherheitskontrollen an zwei Kernkraftwerken. Das Bestehen dieser Tests ist Voraussetzung für eine künftige Genehmigung zum Neustart.

Tohoku Electric hatte die Prüfung von Reaktor 2 am AKW Onagawa und Chugoku Electric die Prüfung von Reaktor 2 am AKW Shimane beantragt. An anderer Stelle laufen die Kontrollen bereits.

Am AKW Kashiwazaki-Kariwa, das von TEPCO betrieben wird, werden derzeit die Reaktoren 6 und 7 auf die Einhaltung der verschärften Sicherheitsbestimmungen geprüft.

Allen vier Reaktoren ist gemein, dass es sich um Siedewasserreaktoren handelt und deren Entlüftungssysteme daher mit Filtern ausgestattet sein müssen, um im Fall einer Notentlüftung bei einem Problem im Reaktor möglichst wenig radioaktives Material freizusetzen.

Über den Beginn der neuen Kontrollen bericteten jiji und NHK.

1 KOMMENTAR

  1. verschärfte Sicherheitsbestimmungen? ach wie lustig! da die Welt bisher nur belogen wurde, kann es damit auch nicht weit her sein, wo doch jede menge brennstäbe munter vor sich hinschmelzen sollen, gell?

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