Fukushima aktuell: EU will angeblich Strahlungskontrollen für Lebensmittel reduzieren

Fukushima aktuell: EU will angeblich Strahlungskontrollen für Lebensmittel reduzieren

1685
0
TEILEN
Artikelbild - Lebensmittel auf dem Ameyoko in tokyo (Foto: Coypright by KJ)
Expertenlob für Umgang mit Lebensmitteln aus Fukushima (Symbolfoto: Copyright by KJ)

Trotz der wiederholten Patzer bei Strahlungskontrollen von Lebensmitteln in der Präfektur selbst, könnte die EU möglicherweise schon bald die Bestimmungen für Produkte aus Fukushima teilweise aufheben.

Daneben gibt es aus Fukushima heute auch weitere interessante Meldungen, etwa zu umfangreichen Reaktorarbeiten und einem Robotereinsatz. Aber auch die Arbeitsumstände verschiedener Arbeiter sind Teil der Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. November 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Verzicht auf EU-Strahlungskontrollen einiger Fukushima-Lebensmittel erwartet
  • Entfernung des Obergeschosses von Reaktor 2 für kommenden Herbst geplant
  • Robotereinsatz in Reaktor 3 durchgeführt
  • Fukushima-Arbeiter mit Versorgung zufrieden
  • Unterbringung der Dekontaminationsarbeiter begonnen
  • Katastrophenübung für Kommunikationssysteme in Iwaki

Verzicht auf EU-Strahlungskontrollen einiger Fukushima-Lebensmittel erwartet: Die Europäische Union hat sich offenbar erstmals seit der Einführung der Kontrollen im Zuge der Fukushima-Krise dazu entschlossen, einige Lebensmittel aus der Präfektur von den vorgeschriebenen Strahlungskontrollen auszunehmen.

Tokyo: Ameyoko-Markt im Oktober 2013 (Foto: Copyright by KJ)
EU rückt von Ablehnung der Fukushima-Produkte ab (Symbolfoto: Copyright by KJ)

Für Produkte wie Gemüse, Obst (Ausnahme: Kaki) und Erzeugnisse der Rinderzucht aus der Präfektur Fukushima, sollen demnach keine Kontrollen mehr erforderlich werden.

Alle bislang von der Regel betroffenen Waren aus den Präfekturen Aomori und Saitama, sollen vollständig entbunden werden. Gleiches gilt für Reis und einige weitere Nahrungsmittel anderer Präfekturen. Dagegen sollen mehrere essbare Wildpflanzen der Kontrollliste hinzugefügt werden.

Anfang des Monats hatte Japans Außenminister Fumio Kishida seine EU-Kollegin Federica Mogherini um eine Aufhebung, oder zumindest Lockerung gebeten. Japan erhofft sich von der Entscheidung eine zunehmende Akzeptanz, dass keine wissenschaftliche Grundlage für die Notwendigkeit dieser Kontrollen mehr bestehe.

Die Europäische Kommission will die Aufhebung gegen Ende des Jahres verabschieden. Das berichtet die jiji unter Berufung auf informierte Quellen.

Entfernung des Obergeschosses von Reaktor 2 für kommenden Herbst geplant: Die Regierung und TEPCO planen die Entfernung der verbliebenen Brennelmente aus dem Gebäude von Reaktor 2 und rechnen damit, die Arbeiten frühstens im kommenden Sommer bzw. Herbst angehen zu können.

In dem Gebäude befinden sich noch 615 Brennelemente in einem Abklingbecken. Das Haupthindernis für die Arbeiten ist die hohe Radioaktivität am Gebäude. Messungen der Umgebungsradioaktivität im oberen Bereich wiesen bis zu 800 Millisievert pro Stunde nach.

TEPCO hatte ursprünglich erwogen, lediglich den obersten Teil des Gebäudes abzutragen, um nicht unnötig radioaktives Material freizusetzen. Doch schließlich habe man sich zur kompletten Entfernung des Obergeschosses entschlossen, um Trümmerräumung und Brennelementebergung zu erleichtern.

Anfang kommenden Fiskaljahrs soll das erforderliche schwere Gerät dort bereit sein. Um ein Aufwirbeln radioaktiv  belasteten Staubs zu verhindern, ist die Anbringung einer Abdeckung am Gebäude und das Versprühen eines Bindemittels auf Kunstharzbasis geplant.

Parallel zu diesen Arbeiten sind Vorbereitungen zur Bergung der Brennelemente geplant. Man hofft, den Abriss des oberen Gebäudeteils im Fiskaljahr 2018 erreichen zu können und die Bergung der Brennelemente ist für das Fiskaljahr 2020 angesetzt.

Über die Pläne berichteten neben der Asahi Shimbun auch Präfekturmedien und nannten dabei unterschiedliche Zeiträume von Sommer bzw. Herbst.

Robotereinsatz in Reaktor 3 durchgeführt: Kraftwerksbetreiber TEPCO setzte an Reaktor 3 einen kleinen Roboter ein, um den Zustand einer Versorgungsklappe am Sicherheitsbehälter zu untersuchen.

Der Einsatz des, mit einem Smartphone versehenen Geräts, erbrachte Aufnahmen von herabtropfendem Wasser, bei dem es sich vermutlich um Regenwasser handelt. Außer Verschmutzungen und Rostspuren wurden keine besonderen Abnutzungserscheinungen festgestellt.

Die Dosimeteruntersuchung ergab einen Höchstwert von 1.220 Millisievert pro Stunde. TEPCO erklärte, die neuen Erkenntnisse in künftige Pläne zur Reparatur der Sicherheitsbehälters einzubeziehen.

Fukushima-Arbeiter mit Versorgung zufrieden: Am gestrigen Donnerstag gab TEPCO die Ergebnisse einer Befragung von Kraftwerksarbeitern zu der Betreuung durch das Unternehmen bekannt. Dabei wurden ausschließlich externe Beschäftigte von Partnerunternehmen befragt.

AKW Fukushima: Essen im neuen Kantinengebäude am 1. Juni 2015 (Video: TEPCO)
AKW Fukushima: Essen im Kantinengebäude am 1. Juni 2015 (Video: TEPCO)

Die Arbeitsumgebung bezeichneten 74 Prozent der Befragten als „gut“, oder „ausreichend“ und Gesundheitsmaßnahmen wurden 85,2 Prozent als positiv bewertet. Das sind Verbesserung zum Vorjahr von 9,3 bzw. 11,3 Prozentpunkten.

Die erfolgreiche Senkung der Umgebungsradioaktivität durch Dekontaminationsmaßnahmen und der Verzicht auf Vollgesichts-Atemschutzmasken, dürften nach Ansicht des Kraftwerksbetreibers zur verbesserten Beurteilung geführt haben.

Auch die Beurteilung von Verpflegung wurde mit 71,1 Prozent und die Möglichkeit von Ruhepausen mit 71,4 positiver bewertet als zuvor (Plus von 19,4 bzw. 6,5 Punkten). Hier dürften das neue Versorgungszentrum für AKW-Arbeiter eine Rolle spielen.

Einen Rückgang der Zufriedenheit gab es allerdings bei den Umständen des Transports, hier sank der Wert um 7 Punkte auf 62,9 Prozent. Ursächlich ist der Parkplatzmangel an der Kraftwerksanlage.

Bei der, zwischen dem 27. August und 7. Oktober durchgeführten Umfrage, handelt es sich um die bislang sechste dieser Art. Die anonymen Fragebögen wurden an 7.558 Personen geschickt, es gab 6.5227 Rückantworten (eine Antwortquote von 86,4 Prozent). Hierüber berichteten Präfekturmedien.

Unterbringung der Dekontaminationsarbeiter begonnen: Wie zuvor angekündigt begann die Unterbringung von Dekontaminationsarbeitern in Tomioka. Die ersten Arbeiter werden in einem Gasthaus einquartiert. Die Einrichtung kann 42 Personen beherbergen und verfügt über 20 Zimmer.

Insgesamt sollen dort zunächst 24 Arbeiter unterkommen. Durch die Unterbringung in Wohnheimen und Gasthöfen in der Nähe ihrer Einsatzorte soll den Arbeitskräften das Pendeln erspart und die Effizienz der Arbeiten erhöht werden.

Für diese Einrichtungen besteht eine Ausnahmegenehmigung für Übernachtungen. Über den arbeitsbedingten Umzug der Angestellten berichteten Präfekturmedien.

Katastrophenübung für Kommunikationssysteme in Iwaki: Die Stadt Iwaki begann gestern Katastrophenübungen mit dem Szenario eines Reaktorunfalls an Reaktor 4 des AKW Fukushima Daini aufgrund eines Erdbebens.

In dem Notfallzentrum der Stadt Iwaki, das in einem solchen Fall die Evakuierung der Einwohner koordinieren müsste, wurden die verschiedenen Kommunikationsweise wie Faxdienste und Videokonferenzen auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft.

Für morgen sind weitere Übungen und insbesondere auch Schulungen zur Sicherstellung des Informationsflusses und der Organisation von Flüchtlingsströmen geplant. Über die Maßnahme, an der sich auch die Präfektur beteiligt, berichteten lokale Medien.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT