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Fukushima aktuell: EU will Beschränkung für Lebensmittelimporte aus Japan lockern

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Artikelbild - Tokyo: Fisch auf dem Ameyoko-Markt (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Fisch auf dem Ameyoko-Markt (Foto: Copyright by KJ)

Die Woche beginnt nicht nur mit der Ankündigung der umstrittenen Aufhebung einer Evakuierungszone. Bereits am Wochenende waren einige Fukushima News, wie etwa Pläne für Krebskontrollen bei AKW-Arbeitern und Mängel bei der Handhabung von Ventilen bekannt geworden.

Weitere Meldungen rund um das AKW Fukushima heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Februar 2014.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • EU will Regelungen für Lebensmittelimporte aus Japan lockern
  • Japan will Arbeiter vom AKW Fukushima auf Schilddrüsenkrebsrisiko testen
  • Evakuierungszone in Präfektur Fukushima soll teilweise aufgelöst werden
  • Mängel beim Umgang mit Leitungsventilen
  • Mautgebührenbefreiung für Fukushima-Flüchtlinge soll verlängert werden
  • Untersuchungen der Verwerfungen am AKW Shika beendet

EU will Regelungen für Lebensmittelimporte aus Japan lockern: Auch wenn das Datum an einen Scherz denken lässt, so trifft die Europäische Union bereits Vorbereitungen für eine Lockerung der Importbeschränkungen zum 1. April 2014.

Nach Ausbruch der Krise am AKW Fukushima Daiichi hatte die EU japanischen Importen radiologisch begründete Einschränkungen auferlegt.

Nun soll die Bedingung von Strahlungskontrollen bei Lebensmitteln aus Tokyo und neun weiteren Präfekturen aufgehoben werden.

Tokyo: Ameyoko-Markt im Oktober 2013 (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Ameyoko-Markt im Oktober 2013 (Foto: Copyright by KJ)

Verantwortliche bei der Europäischen Kommission hatten am Freitag erklärt, sowohl für fertige Lebensmittelprodukte aus Tokyo und der Präfektur Kanagawa, als auch Gemüse und Vieh wären keine Inspektionen mehr notwendig.

Ausgenommen von all diesen Regelungen bleiben jedoch weiterhin die Produkte aus der Präfektur Fukushima. Neu hinzu kommen allerdings Strahlungskontrollen für Pilze und Bambussprossen aus den Präfekturen Akita und Yamagata.

Die neuen Bedingungen sollen zeitgleich mit der Lockerung der bisherigen Regelungen einhergehen. Das berichtete de NHK.

Japan will Arbeiter vom AKW Fukushima auf Schilddrüsenkrebsrisiko testen: Ein Forschungsteam des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) will ermitteln, ob für etwa 2.000 Kraftwerksarbeiter, die zu Beginn der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi eingesetzt wurden, ein besonderes Risiko für Schilddrüsenkrebs besteht.

Entsprechende Pläne waren am Sonntag auf einem internationalen Forschungstreffen zum Thema Radioaktivität und Schilddrüsenkrebs, das in Japans Haupstadt Tokyo abgehalten wurde, offiziell bekannt gegeben worden.

Schilddrüse mit Strahlungsbelastung (Symbolbild, pd)
AKW Fukushima: Schilddrüsenkontrollen für Arbeiter (Symbolbild, pd)

Der Gesundheitszustand der 1.972 Angestellten ist von besonderem Interesse, da sie aufgrund ihrer Arbeit im Kraftwerk Strahlungsbelastungen von über 100 Millisievert ausgesetzt waren, während die übrige Bevölkerung zum großen Teil aus dem näheren Umkreis des Kernkraftwerks evakuiert worden war.

Weitere 2.000 Kraftwerksarbeiter, die geringeren Strahlungswerten ausgesetzt waren, sollen als Vergleichsgruppe dienen, um die Ergebnisse zwischen Gruppen mit hohem Risiko und geringerem Gesundheitsrisiko vergleichen zu können.

Bislang waren vor allem die Schilddrüsenwerte von Kindern, die zum Zeitpunkt der Katastrophe unter 18 Jahre alt waren, untersucht worden. Deren Erfassung dauert weiter an. Bislang wurden 33 Fälle von Schilddrüsenkrebs in dieser Jugendgruppe bekannt. Doch auch auf dem Fachkongress kamen die Experten zu dem Schluss, ein Zusammenhang mit der Fukushima-Katastrophe sei unwahrscheinlich.

Die frühzeitigen Funde seien auf die konzentrierten Gesundheitsprüfungen und den Einsatz speziellen Geräts zurückzuführen. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 habe gezeigt, dass sich erst nach vier bis fünf Jahren eine tatsächliche Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern nachweisen lasse.

Über die geplante Untersuchung der Kraftwerksarbeiter berichtete de Kyodo.

Evakuierungszone in Präfektur Fukushima soll teilweise aufgelöst werden: Die japanische Regierung gab bekannt, zum 1. April für einen Teil von Miyakoji, einem Bezirk der Stadt Tamura, die Evakuierungsaufforderung aufzuheben.

Der Ortsteil befindet sich in der 20-Kilometer-Sperrzone um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Der Ostteil von Miyakoji, der 358 Personen in 117 Haushalten umfasste, war Teil der Sperrzone. Zwischen Juli 2012 und Juni 2013 wurden dort Dekontaminationsarbeiten durchgeführt.

Ab April 2012 war es den Einwohnern gestattet, kurzzeitig zurückzukehren. Im August/Oktober 2013 gab es dann ein Langaufenthaltsprogramm, so dass etwa Reparaturarbeiten durchgeführt werden konnten.

Es ist das erste Mal, dass Einwohner nicht nur zeitweise, sondern dauerhaft in zuvor gesperrtes Gebiet zurückkehren und dort leben können.

Ursprünglich war dieser Schritt bereits nach Beendigung der Dekontaminationsarbeiten im November 2013 erwogen, jedoch aufgrund der Besorgnis über die stellenweise noch hohe Radioaktivität verschoben worden.

Die Bekanntgabe des Schrittes durch die Stadtverwaltung unter Anwesenheit von Kazuyoshi Akaba, stellvertretendem Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie bei einer Versammlung am Sonntag, löste bei den Anwesenden 100 Einwohner gemischte Reaktionen aus.

Tatsächlich sieht etwa die Asahi Shimbun diese Entscheidung ebenfalls kritisch. Da TEPCO nach der Aufhebung einer Sperrzone nur noch ein Jahr lang Entschädigungszahlen leisten muss, das marode Unternehmen diese Gelder jedoch vom Staat geliehen bekommt, ist eine schnelle Aufhebung von Evakuierungsafforderungen finanziell im Sinne der Regierung.

Insgesamt ist für zehn weitere Gemeinden eine zeitnahe Aufhebung der Evakuierungsregelung geplant.

Über die Entscheidung zur teilweisen Bewohnbarkeit des Sperrgebiets berichteten alle großen Medien, darunter auch Kyodo und  NHK.

Mängel beim Umgang mit Leitungsventilen: Donnerstagnacht wurde der bislang schwerste Wasseraustritt seit dem Großleck vom August 2013 entdeckt. Aufgrund falscher Handhabung von Ventilen war irrtümlich radioaktives Wasser in einen Tank des Bereichs H6 geleitet worden und hatte zum Überlaufen von 100 Tonnen Wasser geführt (Spreadnews berichtete).

AKW Fukushima: Ventil V346 im Lagertankbereich H6 am 20. Februar 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ventil V346 im Lagertankbereich H6 am 20. Februar 2014 (Foto: TEPCO)

Nachdem der Kraftwerksbetreiber TEPCO aufgrund von Fotografien zu dem Schluss kam, dass der Zwischenfall nicht auf technische Mängel zurückzuführen ist, geht das Unternehmen von menschlichem Versagen aus – und bereits die ersten Untersuchungen decken Mängel auf.

So ist etwa auf den Fotos zu sehen, dass ein Handhebel, der zur Bedienung der Ventile benötigt wird, am Ventil selbst zurückgelassen wurde. Dieses nachlässige Vorgehen erhöht das Risiko von Missgeschicken durch die Arbeiter. Tatsächlich stellen bereits die  großen Mengen an radioaktivem Wasser ein kontinuierliches Risiko dar.

Mit Stand vom 18. Februar gibt der Betreiber die Gesamtmenge des radioaktiven Wassers in den etwa 1.000 Tanks mit 520.000 Tonnen an. Davon gelten 340.000 Tonnen als stark radioaktiv.

Am heutigen Montag forderte Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga die Betreiberfirma TEPCO zur Überarbeitung der Schutzmaßnahmen und der Entfernung der Wasserlachen und kontaminierter Erdflächen auf. Der Elektrizitätskonzern meldete noch am selben Tag, mit dem Aufsaugen des Wassers begonnen zu haben. Insgesamt waren vier große Lachen entdeckt worden.

Über die aktuellen Hintergründe berichteten Kyodo, Asahi Shimbun und NHK.

Mautgebührenbefreiung für Fukushima-Flüchtlinge soll verlängert werden: Die Regierung will die Freistellung von den Mautgebühren, wie sie Flüchtlingen aus der Präfektur Fukushima gewährt wird, um ein weiteres Jahr verlängern. Dies teilte Verkehrsminister Akihiro Ota vom Mininisterium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus (MLIT) am Samstag mit.

Andernfalls wäre die Freistellung am 31. März ausgelaufen. Die Maßnahmen zur Verlängerung der Frist laufen bereits. Das berichtete die Kyodo.

Untersuchungen der Verwerfungen am AKW Shika beendet: Am gestrigen Sonntag beendete ein fünfköpfiges Team der Atomaufsichtsbehörde NRA eine zweitägige geologische Untersuchung des Geländes am AKW Shika (Präf. Ishikawa). Bei den Untersuchungen ging es vor allem um die tektonische Aktivität der Verwerfung S-1.

Diese Verwerfung verläuft unter dem Gebäude von Reaktor 1 der Anlage. Sollte sich die geologische Struktur als aktiv erweisen, so wäre der Betreiber der Anlage, der Elektrizitätsanbieter Hokuruku Electric, zur Stilllegung der Anlage verpflichtet. Ein erstes Treffen zur Beurteilung soll frühestens nächsten Monat stattfinden.

Über die Untersuchungen an der Anlage berichteten auch jiji und NHK.

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