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Fukushima aktuell: Evakuierungen nach Waldbränden in Nachbarpräfekturen

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Artikelbild - Feuerwache der Stadt Kurihara (Foto: ebiebi2 at Wikimedia Commons cc-by-sa)
Feuerwache der Stadt Kurihara (Foto: ebiebi2, Wikimedia Commons cc-by-sa)

Nachdem von den Waldbränden im Sperrgebiet des AKW Fukushima heute eine erste Entwarnung gemeldet werden kann, gibt es nun in den Nachbarpräfekturen Iwate und Miyagi ebenfalls Waldbrände, die Menschen dort zur Evakuierung zwingen.

Die Einschätzung von Lebensmitteln aus der Präfektur ist ein weiteres wichtiges Thema unserer Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. Mai 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Waldbrände in zwei Nachbarpräfekturen ausgebrochen
  • Waldbrände in Sperrgebiet offenbar unter Kontrolle
  • UN-Ernährungsorganisation hält Lebensmittel aus Fukushima für sicher
  • Abgeordnete in Tokyo genießen Reis aus Fukushima
Waldbrände in zwei Nachbarpräfekturen ausgebrochen

Nachdem die Waldbrand-Situation in Fukushima unter Kontrolle zu sein scheint, melden die benachbarten Präfekturen Iwate und Miyagi nun Waldbrände und damit verbundene Evakuierungen.

Wie die Feuerwehr der Stadt Kamaishi (Präf. Iwate) mitteilte, brach das Feuer dort heute aus und verbreitete sich aufgrund starker Winde schnell. Derzeit wurden 348 Personen zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert.

Auch in der Präfektur Miyagi gibt es Meldungen über Waldbrände. Dort brach das Feuer in einem Waldgebiet der Stadt Kurihara aus. Mehrere Häuser fielen den Flammen zum Opfer. 392 Personen mussten evakuieren. Starke Winde verhindern den Helikoptereinsatz.

Über die Situation in den Nachbarpräfekturen berichtete die NHK.

Waldbrände in Sperrgebiet offenbar unter Kontrolle

Die Einsätze gegen Waldbrände im Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi dauern zwar weiter an, jedoch scheint das Feuer mittlerweile unter Kontrolle zu sein. Bereits Ende vergangener Woche war eine Entspannung der Lage gemeldet worden.

Am Sonntag gab Tamotsu Baba,  Bürgermeister von Namie, um 18:10 Uhr in der örtlichen Einsatzstelle offiziell bekannt, es sei gelungen, die weitere Brandentwicklung zu unterdrücken. Dennoch werden die Löscharbeiten weiter fortgeführt.

Bei einem Helikopterflug am Samstagabend konnten trotz Einsatz einer Infrarotkamera, weder Flammen und Rauchentwicklung, noch Hitzequellen lokalisiert werden. Dies lasse auf eine erfolgreiche Löschung der Brandnester schließen.

Dass die Waldbrände auf dem Gebiet der Gemeinde Namie insgesamt acht Tage andauern, wird sowohl auf die starken Winde, als auch auf die dicke Laubschicht und den tiefen Schwelbrand im Boden zurückgeführt.

Während der jüngsten Einsätze wurde die Zahl der Bodenkräfte von Feuerwehr und Selbstverteidigungsstreitkräften (SDF) auf 590 erhöht und weitere Maßnahmen zur Brandbekämpfung durchgeführt.

Die Arbeiten waren durch die schwere Zugänglichkeit, das Problem der Löschwasserversorgung und durch die Radioaktivität vor Ort behindert worden, da die Feuerwehrleute zusätzliche Schutzanzüge tragen mussten.

Aktuellen Angaben zufolge sind etwa 50 Hektar Waldfläche abgebrannt. Berichte über Verletzte, oder einen Strahlungsanstieg in den angrenzenden Gebieten gab es keine. Das berichten Präfekturmedien.

UN-Ernährungsorganisation hält Lebensmittel aus Fukushima für sicher

Jose Graziano da Silva, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), sieht Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima als sichere Produkte an. Zur dauerhaften Gewährleistung bestehe jedoch die Notwendigkeit weiterer Kontrollen.

Man beobachte die Maßnahmen der japanischen Regierung und führe seit Beginn der Krise in Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) auch selbst Tests durch.

Da Silva zeigte sich zufrieden mit den Kontrollmaßnahmen der japanischen Behörden und erklärte, bei dem derzeitigen Stand sei davon auszugehen, dass der Konsum der lokal hergestellten Produkte nicht gesundheitsgefährdend ist.

Morgen beginnt der Japanbesuch des Generaldirektors der FAO. Anlässlich seiner Reise will er sich auch über die japanische Ernährung informieren, die als Vorbild zur Bekämpfung des weltweit zunehmenden Übergewichts dienen könnte.

Über die Äußerungen und Pläne des UN-Verantwortlichen berichtete die Asahi Shimbun.

Abgeordnete in Tokyo genießen Reis aus Fukushima

Traditionelle gefüllte Reisbälle (onigiri), die mit Reis aus der Präfektur Fukushima hergestellt wurden, erfreuen sich bei Politikern und Angestellten des japanischen Parlaments in Tokyo großer Beliebtheit.

Das Restaurant dort bereitet den populären Snack mit Reis der besten Sorte „Koshihikari“ aus der Stadt Iwaki zu. Die Gründerin des Unternehmens, Junko Tanaka, freut sich über die Begeisterung für das regionale Produkt.

Insgesamt 20 verschiedene Füllungen sind im Angebot. Für die Besitzerin ist es zudem ein wahrer Glücksgriff. Sie habe sich bei der Ausschreibung beworben, weil die negativen Gerüchte den regulären Verkauf von Produkten aus der Präfektur behindern.

Frau Tanaka würde ihre Aktivitäten gerne ausweiten und hofft, dass mehr Menschen auch Produkten der Präfektur Fukushima vertrauen. Das berichten Präfekturmedien.

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Her Proll, ich verfolge Ihre spreadnews .de seit Jahren und bin immer wieder beindruckt von Ihrer Berichterstattung! Ich lebe seit 33 Jahren in Iwaki und erlebe „das alles“ aus erster Hand, auch die Braende jetzt. Dazu eine Frage: hatten Sie nicht auch den Eindruck dass die auf NHK etc. sehr „unterberichtet“ waren…? Ich fand das frappierend. Und zu den Partikeln jetzt: das sind doch wohl die bekannten Teilchen vom Idagawa aus Naraha mit extremst hoher Strahlungsintensitaet? Plutonium dabei? Bitte bleiben Sie doch unbedingt am Ball was die Dinger angeht. Meinen Sie nicht auch dass da noch viel viel mehr von denen ( ungefunden ) rumliegen muessen?

    • Hallo Herr Oberbäumer,

      zunächst einmal vielen Dank für das Lob an der redaktionellen Arbeit.

      Im Bezug auf die Berichterstattung der NHK gebe ich Ihnen Recht – die Brände fanden dort auch meiner Ansicht nach viel zu wenig Beachtung, was natürlich die Verbreitung unseriöser Gerüchte begünstigt.

      Was die Art des radioaktiv kontaminierten Materials angeht, gab es keine genaueren Meldungen der Lokalpresse. Vermutlich bezieht man sich dabei grundsätzlich auf die Spuren des radioaktiven Fallouts vom März 2011, verbunden mit der Befürchtung der Bevölkerung, diese könnten wieder aufgewirbelt werden. Über die genaue Zusammensetzung habe ich keine Informationen vorliegen.

      Wenn sie sich aber stattdessen auf unseren Folgeartikel vom 9. Mai beziehen, so ist auch in diesem Fall durch den Kraftwerksbetreiber TEPCO nicht mehr bekannt, als dass es sich in diesem Fall bei dem dortigen Material um Kunststoff handelt.

      Was das Vorhandensein von radioaktiven Sedimenten an Flüssen, oder in Wäldern angeht, hängt das natürlich von verschiedenen Faktoren wie der Flussśtrömung, der Halbwertszeit des Materials usw. ab.

      Ohne diesbezüglich besondere Spekulationen anzustellen, halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass zumindest in den nicht dekontaminierten Waldgebieten weitere Hot Spots aufgrund radioaktiven Materials zu finden sein werden.

      Natürlich wird Spreadnews berichten, sobald uns offizielle Angaben vorliegen.

      Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort gedient zu haben. Schöne Grüße nach Iwaki.

      Jens Proll

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