Fukushima aktuell: Explosionsgefahr bei ungeeigneten Kunststofftanks

Fukushima aktuell: Explosionsgefahr bei ungeeigneten Kunststofftanks

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Artikelbild - Explosionsgefahr (Grafik: pd)
AKW Fukushima: Potentielle Explosionsgefahr durch Nutzung falscher Behälter (Symbolgrafik: pd)

Nachdem ein Erdbeben der Magnitude 5,5 heute den Großraum Tokyo erschütterte, wird es in den folgenden Wochen weitere Nachbeben geben. Große Erschütterung wünscht man sich am AKW Fukushima heute sicher nicht, wurde doch ein neues Sicherheitsrisiko bekannt. Die aktuellen Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Mai 2015.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Flüssigkeitsbehälter ohne Entlüftungsventile bergen Explosionsrisiko
  • Hohe Werte an Grundwasserposten leicht gesunken
  • Verband der Fukushima-Opfer gegründet
  • Überregionale Pflanzung von Reis aus Tohoku

Flüssigkeitsbehälter ohne Entlüftungsventile bergen Explosionsrisiko: Am Freitag meldete TEPCO, man habe Wasserstoff als Ursache für Lecks an den Deckeln von Behältern identifiziert. Das Wasser war durch Entlüftungsöffnungen ausgetreten.

Mit Stand vom vergangenen Mittwoch wurden bei der Kontrolle von 278 Kunststoffbehälter 28 entdeckt, bei denen es zu kleineren Wasseraustritten, oder oder Austritten im Deckelbereich gekommen war.

In keinem Fall gelangte das Wasser über die Betonbarrieren der Lagertanks hinaus.

Nun wurde bekannt, dass mindestens ein Behälter ungeeignet für die Einlagerung von Flüssigabfällen war, da der Deckel nicht über die notwendigen Druckausgleichsventile zur Entlüftung von angesammelten Gasen verfügte.

Ein NRA-Verantwortlicher bezeichnete die Stauung von Wasserstoff in den Behältern als potentielle Gefahr und stufte sie als Sicherheitsrisiko ein. Bei einer hohen Konzentration genüge bereits ein Funke durch statische Elektrizität, um eine Explosion hervorzurufen.

Die genutzten Kunststoffbehälter bestehen aus Polyethylen, sind 1,8 Meter hoch und weisen einen Durchmesser von 1,5 Metern auf.

Bislang ist bei 305 Behältern noch unklar, ob sie über die erforderlichen Ausgleichsventile verfügt. Der Kraftwerksbetreiber versicherte, nun schnell alle Behälter nachträglich kontrollieren zu wollen.

Anfang April waren Wasserlecks an den Behältern aufgetreten. In ihnen werden flüssige Abfälle eingelagert, die beim Einsatz des Filtersystems ALPS anfallen.

Da es zur Entwicklung von Wasserstoff kommen kann, ordnete die Atomaufsichtsbehörde NRA die Notwendigkeit der Entlüftungsvorrichtungen an. Ohne sie könne sich zunehmender Druck aufbauen, der auch das Wasser nach oben verdränge.

Gegen Ende April hatte ein Partnerunternehmen von TEPCO den unzureichenden Behälter bei Inspektionen auf dem Gelände gefunden.

Von der Gesamtzahl von 1.400 Behältern sind 334 Exemplare bislang nicht auf das Vorhandensein der Öffnungen geprüft und könnten daher mangelhaft sein  – darunter allerdings auch ungenutzte.

Nach Ansicht des Kraftwerksbetreibers TEPCO wird vermutet, dass die Entlüftungsvorrichtungen bei der Fertigung in den USA ausgelassen wurden. Das berichteten Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun.

Hohe Werte an Grundwasserposten leicht gesunken: Nachdem am letzten Donnerstag ein massiver Anstieg des Betastrahlungswerts an Messposten E-9 von 1.200 auf 20.000 Becquerel erfolgt war, ist der Wert nun etwas gesunken.

In einer Wasserprobe vom Freitag, wurde eine Konzentration von 13.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen. Bei den übrigen Grundwasserkontrollen an den anderen Messposten wurden keine Auffälligkeiten beobachtet.

Verband der Fukushima-Opfer gegründet: Um Aktivitäten besser koordinieren zu können, und ihrem Anliegen mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, schlossen sich mehr als 20.000 Betroffene der Fukushima-Katastrophe zu einer landesweiten Vereinigung zusammen.

Neben den Mitgliedern von 12 Aktivistengruppen gehören auch Bürger, die bislang nur aus Eigeninitiative handelten, zum neuen Bündnis. Am Sonntag trafen sich etwa 300 Mitglieder bei einer Veranstaltung in Nihonmatsu (Präf. Fukushima).

Sie kritisieren den neuen Plan zur pauschalen Aufhebung der Evakuierungsaufforderung anhand eines Zeitrahmens und die damit verbindene Kürzung von Hilfsgeldern, da die Betroffenen immer noch Schwierigkeiten überwinden müssten.

In einer gemeinsamen Erklärung gab das Bündnis bekannt, man verlange von der Regierung und TEPCO die Anerkennung der Schuld, eine förmliche Entschuldigung und umfassende Entschädigungen. Der Verband wird durch Frau Ruiko Muto vertreten.Über die neue Organisation berichtete die NHK.

Überregionale Pflanzung von Reis aus Tohoku: Am Sonntag fand in der Ortschaft Kawamata (Ortsteil Yamakiya), die Pflanzung von Reis, der für den späteren Verkauf vorgesehen ist. An den Arbeiten nahmen sowohl der Bürgermeister, als auch Umweltminister Furukawa teil.

Eine Reis-Rispe
Pflanzung von Fukushima-Reis auch in Tokyo (Symbolfoto: pd)

Für Oktober rechnet man mit einer Ernte von drei Tonnen, die nach Strahlungskontrollen für den Handel freigegeben würde. Kawamata liegt im Rahmen des Drei-Zonen-Modells in einem Gebiet, für das eine baldige Aufhebung der Evakuierungsanordnung möglich ist.

In Minamisoma (Bezirk Haramachi) wurde ebenfalls Reis angebaut. Die Ernte der Sorte „Tokkon“ (Kampfgeist) soll im September bei etwa 1.500 Tonnen liegen.

Bereits am Samstag fand auf einem Dachgarten des Großkomplexes „Roppongi Hills“ im Tokyoter Bezirk Minato ebenfalls eine Reispflanzung statt, an der sich 130 Personen beteiligten.

Bei der jährlichen Veranstaltung zur Weitergabe traditioneller Kultur, wurde eine Reissorte aus der Präfektur Fukushima angebaut.

Doch auch andere Präfekturen, die von den Tohoku-Katastrophen getroffen wurden, bieten Besonderheiten. So wurde am Wochenende in Rikuzentakata (Präf. Iwate) ebenfalls Reis angepflanzt.

Die dort genutzte Reissorte „Takata no Yume“ war unter dem Namen „Iwata Nr. 13“ von Japan Tobacco, speziell für das Klima der Tohoku-Region entwickelt und schließlich nach dem Maskottchen der Präfektur benannt worden. Über die Pflanzungen berichteten die Kyodo, sowie Lokalzeitungen.

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