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Fukushima aktuell: Fast alle Strahlungsmessposten sollen verschwinden

Bürger in Fukushima kritisieren Pläne zur Abschaffung "überflüssiger" Messposten.

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Artikelbild - Messposten (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Strahlungsmessposten sollen abgeschafft werden (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Die aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News sorgen insbesondere in den Gemeinden der Präfektur Fukushima heute für Aufruhr, könnten sich Bürger doch in ihrem subjektiven Sicherheitsempfinden verletzt fühlen.

Die genauen Umstände gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. März 2018.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Mehrzahl der Strahlungsmessposten soll aus Fukushima verschwinden
  • Gemischte Reaktionen auf Pläne zur Reduzierung von Messposten
Mehrzahl der Strahlungsmessposten soll aus Fukushima verschwinden

Bei einem gestrigen Treffen einigte sich die Nuclear Regulatory Commission darauf, die Notwendigkeit von mehreren tausend öffentlichen Strahlungsmessposten in der Präfektur Fukushima zu hinterfragen und diese schrittweise abzuschaffen.

Messposten hinter Gittern am 14. Juli 2012 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Messposten in der Präfektur Fukushima am 14. Juli 2012 (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Von den insgesamt etwa 3.000 Messposten könnten 2.400 Exemplare aus Parks, von Schulgeländen und anderen öffentlichen Orten verschwinden. Hintergrund ist der Umstand, dass an vielen Orten ein dauerhaft niedriges Strahlungsniveau gehalten wird.

Etwa 600 mobile Einheiten, die besonders hohe Radioaktivität erfassen, sollen weiterhin in Betrieb bleiben, um die Sicherheit an diesen Orten zu gewährleisten.

Lediglich in 12 Gemeinden erfolgen auch nach Umsetzung dieses Plans die Strahlungsmessungen wie zuvor und es wird erwogen, die andernorts überflüssig werdenden Geräte wann immer möglich in diese Städte und Ortschaften zu verlegen.

Ab kommendem Monat soll den örtlichen Behörden und Verwaltungen der Plan zur Entfernung der Messposten vermittelt werden. Bereits seit 2016 gab es Pläne, die Messhäufigkeit zu verringern. Bis Ende März 2021 will man die Posten entfernt haben.

Was die ermittelte Umgebungsradioaktivität angeht, so lag die durchschnittliche Dosis zwischen dem 1. Februar 2017 und dem 31. Januar 2018 bei 0,25 Mikrosievert pro Stunde. In 99% der Fälle liegt sie unter 0,20 Mikrosievert und bei der Hälfte sogar unter 0,09 Mikrosievert.

Damit sind die Werte allgemein in den landesweit üblichen Bereich vor der Kraftwerkskatastrophe gesunken. Dieser Durchschnittsbereich liegt zwischen 0,010 und 0,115 Mikrosievert pro Stunde.

Ausgenommen von der Neuregelung wären lediglich 12 Gemeinden, für die weiterhin gänzliche oder teilweise Evakuierungsanordnungen gelten.

Dazu gehören neben Minamisoma, Futaba und Okuma, auch Namie, Tomioka, Naraha und Hirono, sowie Kawauchi, Katsurao, Iitate, Tamura und Kawamata. Über diesen Beschluss berichteten Präfekturmedien.

In der Vergangenheit waren bereits falsche Anzeigewerte der Messposten kritisiert worden, nachdem zuvor inoffizielle Messungen durch Bürger abweichende Werte ergeben hatten. Außerdem kam es zu Vandalismus gegen Strahlungsmessposten.

Gemischte Reaktionen auf Pläne zur Reduzierung von Messposten

Erste Reaktionen der Städte und Gemeinden auf die Pläne zur schrittweisen Abschaffung der Strahlungsmessposten fallen wenig enthusiastisch aus und die Ankündigung stößt auf Unverständnis und Ablehnung.

Messposten in Iwaki (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Messposten in Iwaki, Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Hiroshi Kohata, Bürgermeister der Präfektur Fukushima, der sich gegen einen Abtransport von Dekontaminationsabfällen in ein Zwischenlager ausspricht, erklärt angesichts der geplanten Aktion, man müsse in jedem Fall die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen.

Yoshihide Matsumoto, Bürgermeister von Naraha, zeigte sich unzufrieden. Die Messposten stellen aus seiner Sicht eine wichtige Quelle für regelmäßige und akkurate Informationen dar, so dass eher eine Ausweitung verständlich sei, nicht jedoch die Abschaffung.

Tatsächlich gäbe es in seiner Gemeinde seitens der Bürger sogar die Bitte einen Staubmessposten  aufzustellen, um den Gehalt an radioaktivem Material im Staub nachweisen zu können. Die Regierung solle solche Wünsche ernst nehmen.

Auch Shohei Muroi, Bürgermeister von Aizu-Wakamatsu, kritisiert die Entscheidung. Da die Bürger Strahlungsängste hätten, habe man bereits die Beibehaltung des bisherigen Modells gefordert. Die jetzt getroffene Entscheidung sei enttäuschend.

Die Regierung erklärt, da die Radioaktivität in den Gemeinden auf einem dauerhaft niedrigen Stand sei und vielfach wieder dem Wert vor der AKW-Krise entspreche, sei eine Beibehaltung der Maßnahme in der jetzigen Form nicht erforderlich.

Man hoffe nun, die Zustimmung der Verwaltungen und Bürger erreichen zu können. Über diese ersten Reaktionen berichteten Präfekturmedien.