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Fukushima aktuell: Fehler bei der Handhabung von Brennelementen

Unsachgemäßer Umgang blieb jahrelang unbemerkt

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Artikelbild - AKW Fukushima: Ein Transportbehälter am 4. April 2013 (Symbolfoto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ein Transportbehälter am 4. April 2013 (Symbolfoto: TEPCO)

Über Jahre hinweg blieb ein Versäumnis beim Umgang mit Brennelementen unbemerkt, wie der Betreiber des AKW Fukushima heute einräumen musste. Doch auch die Regierung zieht mit einer fragwürdigen Maßnahme neue Kritik auf sich.

Die Einzelheiten der Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. August 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Fehler bei der Handhabung von Brennelementen
  • Kritik an beschönigten Evakuiertenzahlen
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
Fehler bei der Handhabung von Brennelementen

Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi am heutigen Donnerstag bekannt gab, wurde bei der Verladung von radioaktiven Brennelementen in Transport- und Lagerbehälter, offenbar nicht vorschriftsmäßig vorgegangen.

Im November 2013 sollten abgebrannte Brennelemente auf Uranbasis in Behältern eingelagert werden. Allerdings erfolgte offenbar zuvor keine Prüfung, ob die Brennelemente aufgrund ihrer Zusammensetzung hierfür geeignet sind.

Bei insgesamt vier Brennelementen wurde wiederaufbereitetes Uran verwendet, also Material, das in einer Wiederaufarbeitungsanlage verarbeitet wurde, um daraus erneut Brennstäbe herstellen zu können.

Dadurch unterscheiden sich die damit gefertigten Brennelemente zwar strukturell von den übrigen, können jedoch auf die gleiche Art und Weise gehandhabt werden. Dennoch war die fehlende Kontrolle ein Verstoß, der offenbar erst gestern entdeckt wurde.

Untersuchungen der Behälter zeigen in keinem der Parameter wie Temperatur und Innendruck irgendwelche Auffälligkeiten und auch die Umgebungsradioaktivität weist keine Abweichungen auf.

Gegenwärtig befinden sich die Behälter in einer entsprechenden Lagereinrichtung. Welche Lektionen hieraus gezogen werden und welche konkreten Schritte man unternehmen wird, ist Thema einer heutigen Pressekonferenz durch TEPCO.

Kritik an beschönigten Evakuiertenzahlen

Die im vergangenen April umgesetzte Entscheidung, so genannte „freiwillig Evakuierte“ von der Liste offiziell evakuierter Personen zu streichen, hat erneut zu Protesten bei Unterstützern der Betroffenen geführt.

Die geschönte Bilanz verwehre den Blick auf die tatsächlichen Umstände und die Bereitstellung vollständiger Daten sei erforderlich, um die jeweils aktuelle Situation richtig bewerten und entsprechende Maßnahmen treffen zu können.

So bestehe das Risiko, dass Unterstützungsmaßnahmen der Behörden aufgrund der verzerrten Darstellung frühzeitig für überflüssig erklärt und eingestellt werden, erklärt etwa Shun Harada, ein Forscher für Soziologie an der Rikkyo Universität in Tokyo.

Gerade angesichts der Tatsache, das vor allem allein lebende Senioren auf Sozialleistungen angewiesen sind und besondere Unterstützung benötigten, dürfte ihr Status als Evakuierte nicht der Beschönigung zum Opfer fallen.

Trotz dieser Bedenken lehnt die Behörde für Wiederaufbau eine Rücknahme der getroffenen Entscheidung kategorisch ab.

Mit Stand vom Juli diesen Jahres gelten offiziell 89.751 Personen in ganz Japan noch als Evakuierte der Fukushima-Katastrophe. Das ist im Vergleich zum März ein Rückgang um 29.412 Personen.

Wie dramatisch die Streichung der „freiwillig Evakuierten“ ist – also jener Menschen, die vor einer offiziellen Evakuierungsanordnung flohen – zeigt sich im statistischen Vergleich der Rückgangsraten.

Vor Inkrafttreten der Beschönigung lag der monatliche Rückgang zwischen 3.000 und 4.000 Personen. Doch zwischen März und April, sowie April und Mai, also nach der Streichung dieser Gruppe, stieg die offizielle Zahl auf 9.400 bis 12.400.

Diese Zahlen suggerieren einen stärkeren Rückgang der Anzahl der Evakuierten, obwohl dieser nicht stattfand, wie einige Präfekturen bestätigen. Über dieses Problem berichtete die Asahi Shimbun.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter

Wie zum Ende jedes Monats gab der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi auch heute die Statistiken über die Kraftwerksarbeiter an die zuständige Behörde weiter.

Am heutigen Donnerstag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis für den Juli 2017 an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales.

Die maximale Strahlungsbelastung der Angestellten lag demnach im Juli bei 9,77 Millisievert und somit niedriger als im Vormonat. Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden erneut keine signifikanten Werte festgestellt.

Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten mit Stand von Ende August befassen wird, soll gegen Ende September eingereicht werden.

2 KOMMENTARE

  1. Transport- und Lagerbehälter vom Typ CASTOR – eine international geschützte Marke unseres Unternehmens – kommen in Japan überhaupt nicht zum Einsatz. Es muss sich um Behälter eines anderen Typs handeln.

    mfG

    Michael Köbl
    GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH

    • Sehr geehrter Herr Köbl,

      vielen Dank für die Richtigstellung der gemachten Aussagen. Der Artikel wurde entsprechend angepasst.

      Mit freundlichen Grüßen

      Die Spreadnews-Redaktion

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