Fukushima aktuell: Fehlschlag bei Kamera-Einsatz in Reaktor 2

Fukushima aktuell: Fehlschlag bei Kamera-Einsatz in Reaktor 2

1186
0
TEILEN
Artikelbild - AKW Fukushima: Testlauf mit Führungsrohr am 23. Januar 2017 (Foto: Copyright by IRID/Toshiba Co.)
Vorbereitung auf den Einsatz am AKW Fukushima: Testlauf mit Führungsrohr am 23. Januar 2017 (Foto: Copyright by IRID/Toshiba Co.)

Gestern äußerten wir an dieser Stelle einen süffisanten Vergleich mit dem Berliner Pannenflughafen BER – und prompt musste der Betreiber des AKW Fukushima heute einen Fehlschlag bei einer geplanten Maßnahme einräumen.

Weitere aus Japan aktuell gemeldete Fukushima News, befassen sich mit der Sicherheit eines Lebensmittels und Herkunftsmobbing von Evakuierten. Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Januar 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Geplanter Kamera-Einsatz in Reaktor 2 abgebrochen
  • Lieferung von Milch aus einstiger Sperrgebiets-Gemeinde begonnen
  • Eltern sprechen über Mobbing ihrer Tochter in Niigata
Geplanter Kamera-Einsatz in Reaktor 2 abgebrochen

Trotz einer erfolgreich verlaufenen Simulation unter Testbedingungen, erlebte der Betreiber des AKW Fukushima heute einen deutlichen Rückschlag bei seinen Plänen, einen Blick in den Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 zu werfen.

Gestern noch waren die Vorbereitungen für den Roboter-Einsatz vorgestellt worden. Ziel der für den heutigen Dienstag geplanten Aktion war es, eine Kamera seitlich in den Sicherheitsbehälter einzuführen, um Aufnahmen geschmolzenen Brennelementen machen zu können.

Doch die Kamera, die nur geringfügig kleiner ist als das verwendete Führungsrohr, blieb bereits nach kurzer Zeit stecken. Die Ursache hierfür ist unklar und TEPCO kündigte an, erst den Grund für den Fehlschlag zu ermitteln, bevor man einen erneuten Versuch starte.

Über den Fehlschlag berichtete die NHK.

Hintergrund

Genauere Aufnahmen von den geschmolzenen Überresten der Brennelemente sind für die weitere Planung bei der endgültigen Stilllegung aller drei Reaktoren von entscheidender Bedeutung.

Erst wenn der Zustand und die Lage festgestellt wurden, kann an der Entwicklung effektiver Bergungstechnologien gearbeitet werden, die den Erfordernissen vor Ort angemessen Rechnung tragen.

Nach dem Ausfall der Kühlung im März 2011 waren die Brennelemente ganz oder teilweise geschmolzen. Die dabei entstandene Masse (Corium) setzt sich aus dem geschmolzenen Brennstäben, Steuerstäben und Strukturtrümmern zusammen.

Lieferung von Milch aus einstiger Sperrgebiets-Gemeinde begonnen

Bereits Ende vergangener Woche berichteten wir an dieser Stelle über die erteilte Erlaubnis zum Verkauf von Fukushima-Milch aus der früheren Sperrgebiets-Gemeinde Naraha, deren Freigabe im September 2015 erfolgt war.

Wie angekündigt begann heute somit die erste Lieferung von Milch aus einem Betrieb, der zuvor Teil des Sperrgebiets um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi war.

Gegen 8:00 Uhr morgens wurde mit dem Melken der insgesamt 18 Tiere der Hiruta Milchfarm begonnen und ein Rohmilchertrag von etwa 400 Litern erzielt. Die Milch wurde anschließend zur Weiterverarbeitung abtransportiert.

Wie in den Monaten zuvor, wird die Milch erneut einer Strahlungskontrolle unterzogen werden. In den vergangenen Versuchsreihen lag die Belastung nicht nur unterhalb des Grenzwerts von 50 Millisievert pro Liter, sondern unterschritt sogar den Nachweiswert.

Sollte die Milch als unbedenklich eingestuft werden, wird sie mit Milch aus anderen Betrieben der Präfektur gemischt und anschließend in den Handel kommen.

Die Produzenten zeigten sich erfreut und hoffen auf ein Wiedererstarken der Milchindustrie ihrer Region. Über den Beginn der Milchlieferungen aus Naraha berichteten mehrere Medien, darunter Kyodo und Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Hintergrund

Im Oktober 2011 war die allgemeine Milchproduktion in der Präfektur Fukushima wieder genehmigt worden, nachdem als Folge der Kraftwerkskatastrophe zunächst der Verkauf aus Sicherheitsgründen für mehrere Monate verboten worden war.

Von der Aufhebung des Verbots blieben jedoch bislang 11 evakuierte Ortschaften ausgenommen, die im 30-Kilometer-Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi liegen. Der Betrieb in Naraha ist somit ein Schritt zur Wiederbelebung dieser Gemeinde.

Eltern sprechen über Mobbing ihrer Tochter in Niigata

In einem Interview drückten die Eltern einer Schülerin, die an Schulen in Niigata wegen ihrer Herkunft aus der Präfektur Fukushima gemobbt worden war, ihre Unzufriedenheit und ihr Misstrauen gegenüber den Schulleitungen aus.

Die Familie war im Sommer 2012 evakuiert und hatte sich in der Präfektur Niigata niedergelassen. Dort begann bereits in der Grundschule das Mobbing des Mädchens durch ihre Mitschüler.

Beim Wechsel an eine weiterführende Schule im Juni 2016 gab sie Details über die erlittenen Demütigungen Preis und schrieb, auch an ihrer neuen Schule werde sie aufgrund ihres familiären Hintergrunds gehänselt.

Seit Januar geht sie aus Angst nicht mehr zu Schule und die Eltern fordern eine Aufarbeitung des Problems. Durch das Schreiben sei das Problem bekannt gewesen.

Die Eltern werfen der Schule Verschleierung ihrer Versäumnisse vor. So wurde zunächst behauptet, das Schreiben sei nur überflogen worden, später jedoch erklärt, man erinnere sich lediglich nicht, ob daraus Konsequenzen gezogen wurden.

Die befragten mobbenden Schüler hätten zudem angeblich nichts von der Herkunft gewusst, so dass diese nicht das Tatmotiv gewesen sein könne. Die Eltern widersprechen dieser Darstellung.

Unterdessen gab ein Mobber an, da der Aufsichtslehrer beim Verfassen ihrer Entschuldigungsschreiben nebenher ein Video sah, habe er den Eindruck gewonnen, ihr Vergehen werde nicht als besonders schwerwiegend angesehen.

Über diese Ereignisse berichtete die Mainichi Shimbun.

Hintergrund

Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Erwachsenen und Kindern aus der Präfektur Fukushima, die nun in anderen Teilen des Landes wohnen, waren bereits in der Vergangenheit bekannt, fanden jedoch keine besondere Beachtung in den Medien.

Erst der Fall eines Jungen, der Mobbing an einer Schule in Yokohama erlebte, hatte Aufmerksamkeit erregt, da die Eltern eine Erklärung ihres Sohnes, er habe an Selbstmord gedacht, veröffentlichten. Ihr Sohn ermunterte andere Betroffene, sich ebenfalls zu melden.

In Folge waren mehrere Berichte von Betroffenen bekannt geworden, etwa durch Befragungen in Yokohama, sowie Berichte über weiteres Mobbing in Kanagawa und hatten auch die japanischen Medien erreicht.

Mittlerweile gibt es auch eine erste Mobbing-Klage gegen TEPCO, da das Unternehmen jene Katastrophe verursacht hatte, die überhaupt erst den Hintergrund für die späteren Hänseleien und körperlichen Übergriffe darstellte.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT