Start Aktuelles Fukushima aktuell: Filtersystem nimmt überraschend Teilbetrieb wieder auf

Fukushima aktuell: Filtersystem nimmt überraschend Teilbetrieb wieder auf

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Artikelbild - ALPS-Filteranlage: Einblick in Adsorptionsturm 7B am 21. März 2014 (Foto: TEPCO)
ALPS-Filteranlage: Einblick in Adsorptionsturm 7B am 21. März 2014 (Foto: TEPCO)

Überraschend schnell konnte der Betreiber des AKW Fukushima heute von Fortschritten an einem gestoppten Filtersystem berichten. Tatsächlich gibt es an der Anlage aber weitere Probleme, darunter steigende Umgebungsstrahlung und Grundwasserwerte. Dennoch rückt die Verklappung von Abwässern der Anlage näher.

Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. März 2014.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Teilweiser ALPS-Neustart erfolgreich
  • Starker Tritiumanstieg an Grundwassermessposten
  • Steigende Strahlung an zwei Lagertankgruppen
  • Hohe Strahlung in Landwirtschaft-Wasserreservoirs
  • Fukushima-Fischer wollen Verklappung unter Bedingungen erlauben

Teilweiser ALPS-Neustart erfolgreich: Am vergangenen Montag hatte der Komplettausfall des ALPS-Filtersystems auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi für Aufsehen gesorgt, da eine radioaktive Kontamination der Leitungen und Lagertanks von gefiltertem Wasser befürchtet wurde.

Nach einer sechstägigen Pause wurden heute zwei, der drei Einheiten, des Multinuklid-Filtersystems wieder in Betrieb genommen, so dass die Leitungen gespült werden. In diesem Zeitraum waren nun die betroffenen Lagertanks gereinigt wurden.

TEPCO veröffentlichte heute zudem eine Reihe von Aufnahmen aus dem Inneren des Systems, unter anderem auch der so genannten Cross-Flow-Filtration (CFF).

AKW Fukushima: Wasser aus ALPS-Einheit B am 23. März 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wasser aus ALPS-Einheit B am 23. März 2014 (Foto: TEPCO)

Dort sieht man Ablagerungen, die für die Abnahme des Wasserflusses verantwortlich gemacht werden.

Die Probleme der Leitung,  die den Zwischenfall auslöste begannen, nachdem Arbeiter Anfang März einen Filter  ausgetauscht hatten.

Wie das Unternehmen mitteilte, bleibt diese Leitung weiter außer Betrieb. Ob der Vollbetrieb am „Advanced Liquid Processing System“ (ALPS) tatsächlich im April aufgenommen werden kann, bleibt abzuwarten.

Starker Tritiumanstieg an Grundwassermessposten: In Wasserproben des Grundwassermesspostens G-2, die am Samstag entnommen worden waren, konnte eine Tritiumbelastung in Höhe von 4.600 Bequerel pro Liter nachgewiesen werden.

Das zweite Lagertank-Großleck vom Februar 2014 ereignete sich 60 Meter westlich des Messpostens.

Die am Vortag entnommene Probe hatte mit 410 Becquerel pro Liter deutlich niedrigere Werte, so dass ein Anstieg um das Zehnfache vorliegt. Der Kraftwerksbeitrager TEPCO kündigte an, die Ursache zu ermitteln, es scheint jedoch wahrscheinlich, dass radioaktives Wasser des Großlecks in das Grundwasser gelangte.

Steigende Strahlung an zwei Lagertankgruppen: Am gestrigen Sonntag gab TEPCO bekannt, man habe einen deutlichen Anstieg der Umgebungsradioaktivität an zwei Lagertankgruppen feststellen müssen. An den Tankgruppen nach Angaben von Präfekturmedien 40 Millisievert bzw. 150 Millisievert pro Stunde nachgewiesen worden.

Keiner der Lagertanks zeigte Spuren von möglichen Lecks und auch die Wasserstandskontrolle ergab keine Auffälligkeiten. Allerdings handelt es sich um Behälter, die durch Bolzen zusammengehalten werden und im Bereich der Bolzen Rostspuren aufwiesen.

In der Vergangenheit hatten sich die Behälter durch unzureichende Abdichtungen und dadurch entstehende Rostanfälligkeit, als Sicherheitsrisiko erwiesen, dass zu schwerwiegenden Lecks führte. TEPCO will die genauen Umstände der Strahlungsanstiege ermitteln.

Hohe Strahlung in Landwirtschaft-Wasserreservoirs: Sowohl die Regierung in Tokyo, als auch lokale Behörden teilten mit, dass am Boden von landwirtschaftlich genutzten Wasserreservoirs und Dämmen radioaktives Material nachgewiesen wurde, dass über den gesetzlich zulässigen Höchstwerten legt.

Ende Februar 2014 waren erste Berichte über kontaminierte Wassereservoirs ignoriert worden, da sie keine Gefährdung für die Bewohner der Umgebung  darstellen würden. Auch der Umstand, dass sie aktiv zur Bewässerung genutzt werden, war zu diesem Zeitpunkt kein Kriterium.

Arbeiten in den Reisfeldern von Sawara, Präf. Chiba (Foto: Angie Harms, cc-by)
Radioaktives Wasser zur Reisbewässerung genutzt (Symbolfoto: Angie Harms, cc-by)

Wie das Landwirtschaftsministerium und die Präfekturverwaltung Fukushima mitteilten, wurde bei Kontrollen zwischen Juni und Dezember 2013,  in 568 der insgesamt 1.940 untersuchten Dämmen und Reseroirs radioaktives Material oberhalb des gesetzlichen Grenzwerts von 8.000 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen.

Lediglich in 108 Fällen lagen die Fundorte innerhalb des Sperrgebiets, so dass mit 460 Standorten deutlich mehr kontaminierte Lagerstätten außerhalb dieser Zone gefunden wurden.

Der höchste Wert wurde in den Erdproben eines Reservoirs, das sich 58 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi befindet ermittelt.

Die Proben wiesen eine Belastung von 370.000 Becquerel pro Kilogramm auf, überschreiten daher den Grenzwert um das 46-fache und stellen nach Angaben der Behörden den bislang höchsten gemessenen Wert außerhalb des Sperrgebiets dar. Wasser aus diesem Reservoir wird zur Bewässerung nahe gelegener Reisfelder genutzt.

Wie die Behörden versichern, wurde bislang noch bei keiner der Lebensmittelkontrollen eine Überschreitung des allgemeinen Lebensmittelgrenzwerts von 100 Becquerel pro Kilogramm festgestellt. Die Kontamination wird auf Regen zurückgeführt, der Material aus den umgebenden Wäldern in die Reservoirs gespült haben soll.

Diese Theorie begründet nach Ansicht der verantwortlichen Stellen auch die fehlenden Grenzwertüberschreitungen bei Reispflanzen, da sich das radioaktive Material aus dem Erdreich nur schlecht in Wasser löse.

Wie bereits im Februar 2014 wurde den Anwohnern erneut erklärt, so lange sich Wasser dort befinde, bestehe keine Strahlungsgefahr. Allerdings räumte der Leiter einer Einwohnerversammlung ein, beim austrocknen der Behältnisse könnte sich dies ändern. Hierüber berichtete die NHK.

Fukushima-Fischer wollen Verklappung unter Bedingungen erlauben: Die Fischereikooperative Somafutaba, hat sich am heutigen Montag darauf geeinigt, die Verklappung von Grundwasser des Kraftwerksgeländes unter bestimmten Bedingungen zu erlauben.

Rundbehälter für schwach radioaktive Abwässer aus Reaktoren 5 und 6. Foto: Tepco
Präf. Fukushima: Zweite Fischereikooperative könnte Erlaubnis zur Verklappung geben (Symbolfoto: TEPCO)

Um die Grundwasserproblematik zu lösen, plant TEPCO, die Zahl der bisherigen Grundwasserpumpen an den Messposten von bislang 12 weiter zu erhöhen.

Jede soll zunächst täglich 1.000 Tonnen emporpumpen, um das Grundwasser dann in Lagertanks auf Kontamination zu prüfen. Bei Einhaltung der Werte, soll es dann verklappt werden.

Die Fischer hatten massive Bedenken und die Fischereikooperativen erklärt, sie würden den Plänen nicht zustimmen.

Aufgrund des Umstands, das bereits unkontrolliert radioaktiv belastetes Wasser in das Meer gelangt war, fürchten sie eine starke Kontamination der Fanggründe.

Auf dem heutigen Treffen akzeptierte man die Notwendigkeit von Maßnahmen und machte deutlich, man werde der Regierung in Tokyo und der Betreiberfirma TEPCO insgesamt neun Bedingungen stellen, um eine Verklappung zu erlauben – darunter die Weiterführung der Entschädigungszahlungen, sowie Transparenz gegenüber Kunden.

Mit der Erklärung ist die Somafutaba-Vereinigung der zweite Fischereiverband, der eine Verklappung grundsätzlich für möglich erachtet. Eine Kooperative der Stadt Iwaki hatte bereits zuvor eine Genehmigung ausgesprochen. Offizielle Bestätigung erfährt der Plan nach Meldung der NHK am morgigen Mittwoch.

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