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Fukushima aktuell: Fischer prüfen Belastung des Meeresbodens auf eigene Faust

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Artikelbild - Meeresboden (Symbolfoto: Dmitris Siskopoulos, cc-by)
Fakten zur Meeresbodenbelastung durch AKW Fukushima vorgelegt (Symbolfoto: Dmitris Siskopoulos, cc-by)

Vom Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte Daten und Fakten werden oft angezweifelt. Allerdings gibt es, in Ermangelung anderer Quellen, oft keine Möglichkeit, diese Angaben auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Die heutigen Fukushima News zeigen jedoch, das es zumindest entsprechende Bemühungen gibt.

Einzelheiten zu den Ereignissen, die rund um das AKW Fukushima heute von Interesse sind, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Mai 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Initiative prüft Belastung des Meeresbodens
  • Kraftwerksarbeiter verletzt sich bei Kranarbeiten
  • Arbeiter zieht sich Handverletzung zu
  • Kontroverse um Fukushima-Manga weitet sich aus

Fukushima-Initiative prüft Belastung des Meeresbodens: Eine unabhängige Organisation, die von Fischern der Präfektur Fukushima unterstützt wird, unternimmt Strahlungsmessungen des Meeresbodens, in der Nähe des AKW Fukushima Daiichi vor.

Artikelbild - Tokyo: Fisch auf dem Ameyoko-Markt (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Fisch auf dem Ameyoko-Markt (Foto: Copyright by KJ)

Hintergrund des Projekts ist die Furcht vor weiteren Beeinträchtigungen der örtlichen Fischereien und Meeresprodukte verarbeitender Betriebe, durch eine Kontamination von Fanggründen. Auch bemüht sich die Initiative, neben den offiziellen Angaben des Kraftwerksbetreibers TEPCO, eine weitere Quelle für Daten zur radioaktiven Belastung zu haben.

Die Aktivisten hoffen, durch ihr Vorgehen dem Unternehmen zu demonstrieren, dass auch Einwohner tätig sind und sich nicht mit Unternehmensmeldungen zufrieden geben.

Bislang hatten Bürgerinitiativen zwar öffentliche Anlagen und landwirtschaftliche Nutzflächen auf eigene Faust auf mögliche Kontamination getestet – eine Kontrolle des Meeresbodens war bislang aufgrund des logistischen Aufwands nicht möglich.

Bei der Entnahme von Bodenproben Ende April, hatte die Analyse eine Belastung von 417 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen. Der kooperierende Tierarzt eines Aquariums, in dem die Probe untersucht worden war, beurteilte die Probe vorsichtig optimistisch.

Auch wenn der ermittelte Wert 100 Becquerel höher liege, als der von Meeresboden aus der Nähe des Aquariums, sei dies aufgrund der räumlichen Nähe der Entnahmestelle – sie lag nur etwa 1,5 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt –  zumindest kein Grund zur Panik.

Anfang des Monats war erstmals Fisch aus Iwaki auf dem Tokyoter Fischmarkt verkauft worden. Über die Aktion berichtete die Mainichi Shimbun.

Kraftwerksarbeiter verletzt sich bei Kranarbeiten: Am heutigen Montag verletzte sich der Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 10:20 Uhr bei Arbeiten an einen 100-Tonnen-Kran, der auf einem Baustoffhof in der Stadt Naraha eingesetzt wurde, von dem aus Arbeitsmaterial auf das Gelände des AKW Fukushima Daiichi transportiert wurde.

Der Arbeiter wurde jedoch nur leicht verletzt, so dass keine Einlieferung in eine Klinik erforderlich wurde. Am gleichen Kran wurde zudem ein Austritt von Leichtöl festgestellt. Daher wurden sowohl das Partnerunternehmen, als auch die Feuerwehr und die Polizei Futaba informiert.

Arbeiter zieht sich Handverletzung zu: Am Samstag verletzte sich gegen 10:35 Uhr der Angestellte eines Partnerunternehmens nach Abschluss seiner Arbeiten den Ringfinger der rechten Hand, als er zwischen die Tür eines Fahrzeugs geriet.

Nach einer ersten Untersuchung im Notfallzentrum, entschied der dortige Arzt, es sei ein Abtransport in das Krankenhaus erforderlich, so dass um 11:15 Uhr ein Krankenwagen angefordert wurde.Der Krankentransport erreichte um 13:00 Uhr die Klinik in Fukushima. Angaben der dortigen Ärzte lagen am Samstag noch nicht vor.

Kontroverse um Fukushima-Manga weitet sich aus: Bereits seit einiger Zeit sorgt ein Comic-Strip, der im Manga-Magazin „Big Comic Spirits“ veröffentlicht wird für Aufsehen und sorgt insbesondere bei Einwohnern der Präfektur Fukushima, aber auch bei Befürwortern der Rückkehr, Unterstützern der Atomenergie und Behörden für Unruhe und Verärgerung.

Magazine und Zeitschriften in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Magazine und Zeitschriften in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Eine am 28. April erschienene Folge der gezeichneten Geschichte „Oishinbo“ hatte besondere Aufmerksamkeit erregt, da der Hauptcharakter und weitere Protagonisten an Nasenbluten litten, nachdem sie die Kraftwerksanlage Fukushima Daiichi besucht hatten. Die Verwaltung des Ortes Futaba legte Protest gegen den Herausgeber ein, da dies Bürger diskriminiere.

Dies veranlasste zudem eine Präfekturzeitung dazu, die Meinung des Arztes Professor Takamura von der Universität Nagasaki abzudrucken. In diesem Beitrag versichert er, das sich nur bei einer unmittelbaren Belastung von 500 Millisievert, tatsächlich Nasenbluten zeigen könnte. Bürger der Präfektur wären derartigen Werten jedoch nicht ausgesetzt gewesen.

Auf einer Pressekonferenz am heutigen Montag versicherte auch Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga, Experten sähen keinen Zusammenhang zwischen Radioaktivität aus dem Kraftwerksunfall und dem Auftreten von Nasenbluten. Allerdings werde die Regierung nicht gegen den Autor oder Verleger vorgehen, da hier die Meinungsfreiheit gelte.

Nicht alle Behörden sehen die Angelegenheit derart souverän. Nachdem in der April-Ausgabe ein früherer Bürgermeister von Futaba zitiert wurde, mehrere Bewohner hätten Nasenbluten gezeigt, beschloss die Verwaltung von Futaba einen Protest beim Herausgeber einzulegen. Ex-Bürgermeister Katsutaka Idogawa bestätigte dagegen seine Aussage und wehrte sich gegen Kritik.

Am heutigen Montag fühlte sich auch Yuhei Sato, Gouverneur der Präfektur Fukushima dazu veranlasst, gegenüber Journalisten die Verbreitung haltloser Gerüchte durch den Manga zu verurteilen. Nachdem er zunächst angekündigt hatte, man werde über eine Reaktion nachdenken, legte die Präfektur noch am selben Tag einen offiziellen Protest ein.

Die Kontroverse über die Geschichte einer Vater-Sohn-Rivalität in einem journalistischen Gourmetduell, dürfte indes weiter anhalten – warnten die fiktiven Charakter in der jüngsten Episode offenbar sogar davor, in der Präfektur Fukushima zu leben. Selbst die Dekontaminationsarbeiten würden die Gebiete nicht dauerhaft sicher bleiben.

Während der Herausgeber Shogakukan ankündigte, in der Ausgabe vom 19. April, sowie auf der eigenen Webseite, auch die Meinung von Kritikern und Experten zu veröffentlichen, verurteilte der Autor der Texte, Tetsu Kariya, die Protestmails und Anrufe gegen den Verlag. Ausschließlich er selbst sei für die Inhalte verantwortlich.

Tatsächlich will Kariya die erwarteten Protestbeiträge des Magazins nicht unkommentiert stehen lassen, sondern plant seinerseits eine Stellungnahme. Über die aktuellen Geschehnisse und die Diskussionen um den Manga berichteten Mainichi Shimbun, jiji und NHK.

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