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Fukushima aktuell: Fischer werfen TEPCO Vertrauensmissbrauch vor

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Artikelbild - AKW Fukushima: Hafenkai am 27. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Hafenkai am 27. März 2011 (Foto: TEPCO)

Das Eingeständnis eines zweiten Wasserlecks beschäftigt den Betreiber der Kraftwerksanlage in Fukushima heute weiterhin und führt zu interessanten Aussagen. Weitere Fukushima News befassen sich mit Zwischenlagern und Evakuierungen. Die Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Februar 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Fischer werfen TEPCO Vertrauensmissbrauch vor
  • Atomaufsicht kritisiert Mängel und fordert Aufklärung
  • Rückkehrwille in Evakuierungsgebiete gering
  • Zwischenlagerlieferung nach Absprachen genehmigt
  • Zweiter Band des AKW Fukushima Manga veröffentlicht

Fukushima-Fischer werfen TEPCO Vertrauensmissbrauch vor: Fischereiverbände der Präfektur Fukushima sind bestürzt über jüngste Enthüllungen und werfen Kraftwerksbetreiber TEPCO Vertrauensmissbrauch vor.

Das Unternehmen hatte eingeräumt, einen seit April vergangenen Jahres bekannten Austritt von kontaminiertem Regenwasser in einen Abwasserkanal nicht öffentlich bekannt gemacht und keine Gegenmaßnahmen getroffen zu haben.

Strahlungsanstiege in einem Abwasserkanal legen nahe, dass bei jedem Regen belastetes Wasser unmittelbar in den Pazifik gelangte, da die Leitung nicht im Hafenbereich mündet.

Vertreter von Fischereiverbänden erklärten jetzt, durch die Verheimlichung habe der AKW-Betreiber erneut gezeigt, dass ihm nicht zu trauen sei. Man fühle sich durch TEPCO getäuscht und habe kein Verständnis für die Geheimhaltungspolitik.

Durch die Verheimlichung werde das mühsam aufgebaute Vertrauen bei Verbrauchern gegenüber Produkten aus der Präfektur erneut geschädigt.

Meereskontamination als Folge von Lagertanklecks hatte in der Vergangenheit zu einem freiwilligen Stopp des Fischfangs geführt, der erst nach Jahren aufgehoben worden war.

Das Unternehmen entschuldigte sich bei den Fischern, bemühte sich aber auch um Entspannung. Bislang habe man keine wesentlichen Veränderungen in den Strahlungswerten im Meer, außerhalb der Hafenanlage, festgestellt.

Auch sei die nachgewiesene Strahlungsbelastung im fraglichen Kanal niedriger, als bei der Wasseransammlung auf dem Dach.

Dennoch dürfte die Bitte von TEPCO, künftig auch kontaminiertes Wasser vom Kraftwerksgelände in den Pazifik verklappen zu dürfen, sofern zuvor eine Filterung erfolgt sei, einen Dämpfer erhalten haben.

Über Wut und Enttäuschung der Fischer berichteten japanische Medien, darunter Kyodo, NHK und Präfekturmedien.

Atomaufsicht kritisiert Mängel und fordert Aufklärung: Nachdem am Sonntag stark radioaktiv kontaminiertes Wasser aus unbekannter Quelle in das Hafenbecken gelangt und gestern der Austritt von radioaktiv belastetem Regenwasser in den Pazifik gemeldet wurde, fordert Japans Atomaufsichtsbehörde NRA eine sorgfältige Untersuchung durch den Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Shunichi Tanaka, Vorsitzender der NRA, kritisierte das Unternehmen für das Fehlen geeigneter Sicherheitsmaßnahmen, etwa von Detektoren und automatischen Schließsystems an den Toren der Kanäle.

Beim Zwischenfall am Sonntag habe das Unternehmen nach dem Alarm 90 Minuten benötigt, bevor das Tor des Kanals geschlossen wurde.

Obwohl das Risiko seit April vergangenen Jahres bekannt war, plant das Unternehmen bislang nicht die nachträgliche Anbringung von Sicherheitsgerät und begründet dies mit dem Umstand, dass es keine gesetzlichen Verklappungsrichtlinienstandards für kontaminiertes Regenwasser gebe.

Auf die Kritik der Fischer reagierte TEPCO mit der Erklärung, derzeit erwäge man, stattdessen einen Kanal umzuleiten, so dass er nicht mehr direkt in das Meer mündet.

Außerdem erwägt man, übergangsweise an der Mündung des Kanals das Wasser abzupumpen und durch einen anderen Kanal in den Hafen zu leiten.

Über die Kritik der Atomaufsichtsbehörde und den Aufruf zur Untersuchung der genauen Umstände beider Zwischenfälle berichteten Kyodo und NHK.

Rückkehrwille in Evakuierungsgebiete gering: Eine Umfrage der Behörde für Wiederaufbau, die zwischen August und Oktober 2014 duchgeführt wurde, ergab, dass nur zwischen 10 und 20 Prozent der 19.100 Befragten, eine Rückkehr in ihre früheren Wohnorte wollen.

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Die Umfrage hatte eine Antwortrate von 51 bis 60 Prozent und umfasste auch frühere Einwohner, die nun außerhalb der Präfektur Fukushima leben.

Bei den Befragten handelt es sich um frühere Einwohner von Namie (7.100 Befragte), Tomioka (5.600 Befragte), Okuma (4.000 Personen) und Futaba (2.400 Personen).

Trotz der Dekontaminationsanstrengungen wollen nur 17,6 Prozent der Flüchtlinge aus Namie, 13,3 Prozent der Flüchtlinge aus Okuma und 12,3 Prozent aus Futaba zurückkehren Im Fall von Tomioka sind es sogar nur 11,9 Prozent, die nach eigenen Angaben in ihre alte Heimat zurückwollen.

Trotz des Umstands, dass 80 Prozent aller Haushalte in Namie und 70 Prozent in Tomioka in Gebieten leben, bei denen eine Rückkehr durchaus absehbar ist, bleibt die Bereitschaft somit gering. Letzlich will bislang nur etwa ein fünftel aller Flüchtlinge zurück. Über die aktuellen Zahlen berichtete die Asahi Shimbun.

Zwischenlagerlieferung nach Absprachen genehmigt: Nach Rücksprache mit den Gemeinden Futaba und Okuma, stimmte die Präfekturverwaltung Fukushima noch am Dienstag der Lieferung kontaminierter Abfälle ab dem 11. März zu.

Schwarze Säcke mit radioaktiv kontaminiertem Material (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Genehmigung für Zwischenlagerlieferung erteilt (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Entscheidung aufgrund von Gesprächen mit Gemeindevertretern erst heute fallen solle.

Beim heutigen Treffen mit Wataru Takeshita, Minister für Wiederaufbau, wird Präfekturgouverneut Masao Uchibori die Einigung unterzeichnen und auch die Regierung in Tokyo soll der Entscheidung noch am heutigen Mittwoch zustimmen.

Auch wenn der eigentliche Bau bereits genehmigt wurde und der Bau des Lagers für 30 Millionen Tonnen an Dekontaminationsabfällen schon Anfang des Monats begann, könnten Eigentumsverhältnisse den Ausbau der 16 Quadratkilometer messenden Anlagen behindern.

Über die Entscheidung berichteten mehrere japanische Medien, darunter auch die Kyodo und Präfekturmedien.

Zweiter Band des AKW Fukushima Manga veröffentlicht: Leser, die des Japanischen mächtig sind, können seit gestern den zweiten Band des Manga „ichi efu“ lesen, in dem der Alltag der Kraftwerksarbeiter am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (F1) geschildert wird.

Der Autor, der unter dem Pseudonym Katsuta Kazuto schreibt, soll von Juni bis Dezember 2012 selbst als Arbeiter auf der Anlage des AKW Fukushima Daiichi tätig gewesen sein. Der zweite Band ist nun für 626 Yen verfügbar.

Auf der Facebook-Seite des Projekts ist das erste Kapitel von „Ichi efu“ in englischer Übersetzung verfügbar.

Einige Atomkraftgegner hatten bereits den ersten Band als propagandistisch kritisiert. Eine Übersetzung des Manga ins Französische ist offenbar für kommendes Jahr geplant.

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