Fukushima aktuell: Freigabe von Gesprächsprotokollen abgelehnt

Fukushima aktuell: Freigabe von Gesprächsprotokollen abgelehnt

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Artikelbild - Papier, Dokumente, Ordner (Symbolfoto: pd)
Antrag auf Freigabe von Fukushima-Dokumenten abgelehnt (Symbolfoto: pd)

Schilddrüsenkrebs ist in den Berichten aus der Präfektur Fukushima heute wieder einmal ein wichtiges Thema. Vielleicht auch in diesem Zusammenhang dürfte vielen Bürgern die erneute Zurückhaltung von Informationen über den Ablauf der AKW-Krise wenig gefallen.

Details zu den einzelnen Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Dezember 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Freigabe von Fukushima-Dokumenten abgelehnt
  • Erste Zahlungen aus Fukushima-Krebsfond
  • Neue Schilddrüsenkrebsfälle nachgewiesen
Freigabe von Fukushima-Dokumenten abgelehnt

Ein gestriges Urteil eines Tokyoter Gerichts wies den Antrag von Anteilseignern des AKW-Betreibers TEPCO ab. Die Kläger hatten eine Veröffentlichung von Befragungsprotokollen der früheren Unternehmensführung gefordert.

Eine sofortige Berufung gegen die Entscheidung des Gerichts wurde angekündigt.

Als Begründung für die Entscheidung führte das Gericht an, die Preisgabe der Aussagen von 11 TEPCO-Managern und drei Vertretern der damaligen Atomaufsicht NISA würde die Kooperation in künftigen Ermittlungen sehr erschweren, da Vertraulichkeit zugesichert worden war.

Zudem könnten die Amtspflichten der Befragten durch die Veröffentlichung beeinträchtigt werden, so das Gericht in der Urteilsbegründung.

Hintergrund

Zwischen 2011 und 2012 waren 770 Verantwortliche des AKW-Betreibers und der mittlerweile aufgelösten Behörde befragt und die Aussagen vertraulich behandelt worden. Erst durch die so genannten „Yoshida-Protokolle“ wurden erste Schriftstücke öffentlich

Da jedoch Befragungsprotokolle nur mit Einverständnis der Befragten veröffentlicht werden dürfen, sind seit September 2014 lediglich die Aussagen von 240 Personen öffentlich gemacht worden. Über das Urteil berichtete die jiji

Das aktuelle Urteil steht also für die Politik, die verbliebenen Dokumente weiterhin unter Verschluss halten zu wollen. Zuvor war eine Entscheidung zum Jahresende erwartet worden.

Die Regierung verfügt neben den Aussagen der Verantwortlichen noch über tausende unveröffentlichter Fukushima-Dokumente, deren Freigabe das Gericht nun offenbar ablehnte.

Erste Zahlungen aus Fukushima-Krebsfond

Ende November berichteten wir über die Gründung eines Hilfefonds für Kinder mit Schilddrüsenkrebs als Folge der Fukushima-Katastrophe 2011.

Nun begannen am Montag die ersten Auszahlungen an 35 Personen. Bezugsberechtigt sind Personen aus 15 Präfekturen des Landes. Von den ersten 35 Personen leben neun außerhalb der Präfektur Fukushima.

In einem Fall hatte der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen in der Lunge gebildet, teilte der  „3.11 Fund for Children with Thyroid Cancer“ mit. Der Fond finanziert sich durch Spenden und will die starke finanzielle Belastung für die Familien reduzieren.

Über den Beginn der Auszahlungen berichtete die NHK.

Neue Schilddrüsenkrebsfälle nachgewiesen

Wie die Präfekturverwaltung und ein Gesundheitsausschuss gestern bekannt gaben, wurden bei der zweiten Untersuchungsreihe mit Stand von Ende September, zehn neue Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Einwohner der Präfektur nachgewiesen.

Damit liegt die Gesamtzahl der in dieser Reihe bestätigten Fälle bei 44. Daneben gibt es 24 Verdachtsfälle.  Von diesen insgesamt 68 Personen zeigten 62 in der ersten Untersuchungsreihe mit Stand von Ende Juni seinerzeit keine Auffälligkeiten.

Die offiziellen Stellen machten zudem weitere statistische Angaben zu den Erkrankten und den Verdachtsfällen.

Mit 37 zu 31 ist die Zahl der weiblichen Patienten leicht höher als die der männlichen. Das Alter zum Zeitpunkt der AKW-Katastrophe lag zwischen 5 und 18 Jahren. Die maximale Strahlungsbelastung im Viermonatszeitraum nach den Ereignissen lag bei 2,1 Millisievert.

Bei 15 Personen wurde eine Belastung unter einem Millisievert nachgewiesen. Die Tumorgröße lag zwischen 5,3 und 35,6 Millimeter.

Unter Berücksichtigung der Voruntersuchungen liegt die Gesamtzahl der bislang festgestellten Krebsfälle bei 145 Patienten, während derzeit 38 Verdachtsfälle vorliegen.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Krebserkrankung und AKW-Katastrophe wird diskutiert. Im Allgemeinen wird die Entdeckung zahlreicher gutartiger Veränderungen durch „Überdiagnosen“ aufgrund verschärfter Kontrollen erklärt.

Über diese aktuellen Zahlen berichteten Präfekturmedien.

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