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Fukushima aktuell: Gefährliche Grundwasserschwankung falsch eingeschätzt

AKW-Betreiber ging offenbar von technischem Defekt aus

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Artikelbild - AKW Fukushima: Messposten einer Grundwasserpumpe am 9. April 2014 (Foto: Coypright by TEPCO)
AKW Fukushima: Messposten einer Grundwasserpumpe am 9. April 2014 (Foto: Coypright by TEPCO)

Wenn vom AKW Fukushima heute ein riskanter Zwischenfall gemeldet wird, den man völlig falsch eingeschätzt hatte, ist das sicher kein Grund zur Freude. Andernorts gibt es dagegen auch positive Fukushima News.

Die Einzelheiten zu den Ereignissen gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. August 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Gefährliche Grundwasserschwankung am AKW Fukushima spät erkannt.
  • Festnahmen nach Millionenschäden durch Diebstähle
  • Freigabe von Sperrgebietsgemeinde Futaba für 2022 geplant
Gefährliche Grundwasserschwankung am AKW Fukushima spät erkannt

Am gestrigen Abend wurde gegen 18:31 Uhr am Grundwasser-Kontrollposten in der Nähe des Gebäudes von Reaktor 4, ein Abfall des Pegelstands gemeldet. Wenig später stoppte die dortige Wasserpumpe automatisch.

Die Betreiberfirma TEPCO ging von einer Fehlfunktion aus, da ein derart abruptes Absinken des Wasserstands als unwahrscheinlich galt und keine weiteren Auffälligkeiten festgestellt worden. Daher wurden keine Sondermaßnahmen getroffen.

Doch heute stellt sich die Situation anders dar. Demnach war es tatsächlich zu einem Abfall des Grundwasserpegels gekommen.

Damit verbunden kann eine vermehrte Ansammlung von stark kontaminierten Abwässern in den Untergeschossen der Turbinengebäude auftreten. Dieser Umstand ist kritisch, da in Folge ein schwallartiger Austritt des radioaktiven Wassers an die Oberfläche auftreten kann.

Es sei jedoch nicht zum Austritt gekommen und die Verhältnisse vor Ort hätten sich wieder normalisiert, teilte TEPCO mit. Im Regelfall ist der Stand des Grundwassers höher, als die angesammelten radioaktiven Abwässer, so dass ein derartig gefährliches Gefälle nicht eintritt.

Es ist das erste Mal, dass ein solches Absinken des Grundwasserpegels auftrat. Ob ein Zusammenhang mit zeitnah stattfindenden Arbeiten, oder dem Eiswall besteht, ist unklar.

Eine Kontrolle aller Grundwassermessposten in dem Gebiet ergab keinen Anstieg der Strahlungswerte im Grundwasser, so dass auch unterirdisch offenbar keine Vermischung auftrat.  Über den falsch eingeschätzten Zwischenfall berichteten TEPCO und Präfekturmedien.

Hintergrund

Kritiker des Eiswalls hatten wiederholt vor genau dieser Gefahr des Pegelabfalls gewarnt. Der so genannte Eiswall besteht aus künstlich gefrorenem Erdreich, das eine Vermischung radioaktiver Abwässer und sauberem Grundwasser verhindern soll.

Kritiker hatten auf das Risiko hingewiesen, das in den Untergeschossen angestaute Abwasser könnte ins Freie gelangen, falls der umgebende Grundwasserpegel abrupt abfällt – wie es offenbar in diesem Fall geschah.

Festnahmen nach Millionenschäden durch Diebstähle

Einem gemeinsamen Ermittlungsteam von Beamten aus den Präfekturen Fukushima und Miyagi ist heute die Festnahme von sechs Verdächtigen gelungen. Ihnen wird Beteiligung an mehrfachem schweren Diebstahl in der Region vorgeworfen.

Mit den aktuellen Festnahmen enden die Ermittlungen in einer Reihe von insgesamt 92 Fällen, bei denen Werkzeuge und Maschinen aus den früheren Katastrophengebieten bzw. der jetzigen Wiederaufbauregion gestohlen worden waren.

Insgesamt waren 11 Personen an den Straftaten beteiligt. Die mutmaßlichen Täter sind zwischen 18 und 27 Jahre alt und waren sowohl im Gebiet der Gemeinde Soma (Präf. Fukushima), als auch in Marumori (Präf. Miyagi) aktiv.

Der geschätzte Gesamtschaden durch die Diebstähle – etwa von Hochdruckreinigern, wie sie für die Dekontaminationsarbeiten verwendet werden, sowie anderem Arbeitsgerät – belaufen sich auf etwa 15 Millionen Yen.

Über die Festnahmen berichteten Präfekturmedien.

Freigabe von Sperrgebietsgemeinde Futaba für 2022 geplant

Bei einem Sondertreffen zwischen Regierungsvertretern und der Verwaltung der evakuierten Ortschaft Futaba einigte man sich auf einen Zeitplan, der eine teilweise Aufhebung der Evakuierungsanordnung für das Frühjahr 2022 vorsieht.

Damit ist Futaba die erste der sieben verbliebenen Gemeinden, die aufgrund der Strahlungswerte evakuiert blieben, für die ein solcher Zeitplan aufgestellt wird.

Bereits zuvor soll Ende 2020 für Gebiete mit geringerer Belastung, die im Rahmen des Drei-Zonen-Modells als „Zone mit baldiger Rückkehraussicht“ klassifiziert werden, das Zugangsverbot aufgehoben werden – auch um Unternehmen anzulocken.

Gerade angesichts der Tatsache, dass 96 Prozent der Gemeinde im Rahmen des Drei-Zonen-Modells immer noch als „langfristig unbewohnbar“ gelten, dürfte aber zumindest in der Bevölkerung die Bereitschaft zur Rückkehr eher gering sein.

Die Gemeinde plant in Kürze die staatlichen Finanzhilfen für die Wiederbelebung der Gemeinde zu beantragen. Sollte dem Antrag statt gegeben werden, so übernimmt die Regierung die Kosten für Dekontamination und Wiederaufbau.

Ein erstes Ziel ist die Errichtung von Wohnhäusern und die Gewährleistung von Infrastruktur auf einem Grundstück in der Nähe des Bahnhofs, da die dortigen Strahlungswerte vergleichsweise niedrig sind.

Die Verwaltung hofft zwar, dass in den fünf Jahren nach Aufhebung des Evakuierungsstatus etwa 2.000 Einwohner zurückkehren werden – doch da 2022 gerade einmal zehn Prozent des Orts bewohnbar sein werden, bleibt die tatsächliche Zahl abzuwarten.

Bis es soweit ist, bleibt Futaba als Geisterstadt auf Google Street View zu besichtigen. Über die Pläne zur Freigabe der Gemeinde berichteten , Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und Präfekturmedien.

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