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Fukushima aktuell: Gegenstand in Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 5 entdeckt

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 5: Unbekanntes Objekt im Abklingbecken am 3. März 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 5: Unbekanntes Objekt im Abklingbecken am 3. März 2014 (Foto: TEPCO)

Neben dem Fund eines Gegenstands in einem Abklingbecken, ist im Zusammenhang mit den Arbeiten am AKW Fukushima heute auch die Tritiumkonzentration von Interesse. Doch auch die traumatischen Erlebnisse von Kindern und die Erwartungen gegenüber des Nankai-Großerdbebens sind heute Teil der Berichterstattung.

Einzelheiten und weitere Fukushima News, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. März 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Unbekanntes Objekt in Reaktor 5
  • Tritium behindert Fukushima-Stilllegung massiv
  • Schulhandbuch für Strahlungsschutz überarbeitet
  • Erwartete Trümmermenge von Nankai-Großbeben größer als Tohoku-Katastrophe
  • Tokyo erwägt weitere Schritte gegen Erdbeben
  • Kinder aus Katastrophenregion weisen Kennzeichen von PTBS auf

Unbekanntes Objekt in Reaktor 5: Am heutigen Montag entdeckten Angestellte bei einer Kontrolle des Brennelemente-Lagergestells im Abklingbecken von Reaktor 5, im südöstlichen Bereich ein Objekt, offenbar metallischer Art. TEPCO kündigte an, eine Bergung des Objekts einleiten zu wollen.

Reaktor 5 war zum Zeitpunkt des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami nicht aktiv, so dass es dort nicht zu einer Kernschmelze kam.

In der Vergangenheit waren mehrfach Gegenstände in Abklingbecken entdeckt worden. Neben einem großen Stahlträger waren auch kleinere Objekte, wie etwa ein Ringmutter in Reaktor 6 darunter (Spreadnews berichtete am 23. Mai 2013).

Tritium behindert Fukushima-Stillegung massiv: Drei Jahre nach Ausbruch der Krise, ist die Bewältigung der täglich anfallenden Tonnen an radioaktivem Wasser vermutlich das größte Hindernis bei der Stilllegung der Anlage. Ein besonders schwierig zu bewältigendes Problem ist die Filterung von Tritium aus dem Wasser.

Atomsymbol
AKW FukushimaRadioaktives Tritium behindert Stilllegung (Symbolbild: pd)

Für den Kraftwerksbetreiber TEPCO ist die Filterung des radioaktiven Abwassers mehrfach von Bedeutung. Zum Einen führt die vermehrte Ansammlung in den Lagertanks zu einem Anstieg von Bremsstrahlung auf dem Gelände und gefährdet so die Arbeiter, während ein kontinuierliches Risiko für Umweltbelastung durch weitere Lagertanklecks besteht.

Zum Anderen ist die Reduktion von radioaktivem Material eine Voraussetzung, um von den örtlichen Fischereiverbänden und Behörden eine Genehmigung für das anvisierte Ziel – die Verklappung des Wassers in den Pazifischen Ozean – zu erhalten. Auch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA favorisiert die Verklappung, da sich Tritium praktisch nicht in Lebewesen ansammele.

Aus diesem Grund setzt das Unternehmen viel Erwartungen in das Multinuklid-Filtersystem ALPS. Dies hatte jedoch in der Vergangenheit nicht nur mehrmals technische Probleme aufgewiesen – Tritium gehört neben vier weiteren radioaktiven Nukliden, deren Namen von TEPCO nicht genannt werden, zu dem Material, dass sich durch ALPS nicht filtern lässt.

Professor Masao Matsuyama vom Forschungsinstitut für Wasserstoffisotope an der Universität Toyama, begründet dies mit den Gemeinsamkeiten von Tritium und Wasserstoff, da es sich um ein Wasserstoff-Nuklid handelt. Eine Handhabung von Tritium mit den gegenwärtigen technischen Methoden sei aufwändig und äußerst kostenintensiv.

Ein Beispiel hierfür ist der thermische Kernreaktor der nun stillgelegten Anlage Fugen. Dort konnten täglich zwar 30.000 Liter an Abwässern mit Tritium gefiltert werden, allerdings lagen die Kosten bei 20 Millionen Yen pro Metrischer Tonne Wasser. Für die gegenwärtig etwa 520.000 Tonnen  wären dies somit Kosten von mehr als 10 Trillionen Yen.

Theoretisch ist ein Lagerung von tritiumhaltigen Wasser eine Option – die Halbwertszeit von Tritium beträgt 12,3 Jahre – allerdings besteht in diesem Zeitraum nach wie vor die Gefahr von Lecks auf der Anlage. Ende 2013 wurde die Menge an Tritium in den Abwässern der Anlage auf 875 Terabecquerel geschätzt. Eine reguläre Verklappung ist jedoch nur bis 22 Terabecquerel pro Jahr zulässig.

Dennoch strebt TEPCO eine Erlaubnis zur Verklappung als bislang beste Option an. Über die aktuellen Probleme durch Tritium berichtete die Mainichi Shimbun.

Schulhandbuch für Strahlungsschutz überarbeitet: Japans Bildungsministerium hat aufgrund von Beschwerden durch Lehrer, eine Bearbeitung von Schulmaterial durchgeführt. In dem Handbuch werden die Umstände bei Reaktorunfällen erklärt und das richtige Verhalten erläutert.

Die Lehrer hatten bemängelt, dass sich in dem Buch, das im Oktober 2011 herausgegeben worden war, nicht hinreichend Informationen über die genauen Umstände der Fukushima-Katastrophe finden würden. Dies wird in der überarbeiteten Ausgabe unter anderem durch Karten über die evakuierten Bereiche und Strahlungsausbreitung korrigiert.

Die Auswirkungen von Gerüchten auf Landwirtschaft und Tourismus werden ebenso behandelt, wie das Mobbing von Flüchtlingskindern aus der Region. Die Neuausgabe soll im April an die Schulen ausgegeben werden. Das Material soll jedoch bereits vorab online verfügbar gemacht werden. Über das neue Lehrmaterial berichtete die NHK.

Japans Atomaufsicht wird erweitert: Japans Atomaufsichtsbehörde NRA kann sich über mehr als 380 neue Mitarbeiter freuen, die am Samstag durch die Übernahme der japanischen Atomenergiesicherheit JNES eingestellt wurden, so dass die NRA nun über etwa 1.000 Mitarbeiter verfügt.

Durch die Aufstockung, insbesondere der Techniker, könnten die Sicherheitskontrollen an Kernkraftwerken besser durchgeführt werden.  Das bestehen dieser Kontrollen, die von Kraftwerksbetreibern beantragt werden kann, ist Voraussetzung für eine spätere Erlaubnis zum Neustart. Über die Verschmelzung berichtete die NHK.

Erwartete Trümmermenge von Nankai-Großbeben größer als Tohoku-Katastrophe: Die Beseitigung von Katastrophentrümmern, die durch das Tohoku-Erdbeben und den damit verbundenen Tsunami anfielen, ist nach wie vor nicht abgeschlossen. Insbesondere in der Präfektur Fukushima gehen die entsprechenden Maßnahmen nur langsam voran.

In diesem Licht wirkt die am Freitag vom Umweltministerium gemachte Aussage, bei dem erwarteten Nankai-Großbeben und den Erdrutschen, durch den damit verbundenen Tsunami, könnten im schwersten Fall 349 Millionen Tonnen an Katastrophentrümmern anfallen, besonders dramatisch. Die Beseitigung der Trümmer würde schätzungsweise 19 Jahre und vier Monate benötigen.

Das Ministerium hatte bei den Berechnungen acht unterschiedliche Katastrophenszenarien als Grundlage genutzt. Um die genannte Menge zu erreichen, müsste das gravierendste der acht Szenarien, ein Tsunami in der Tokai-Region und anschließende Bränden, eintreten.

Die neuen Schätzungen übertreffen zuvor gemachte Berechnungen, bei denen eine Gesamtmenge von 250 Millionen Tonnen ermittelt worden war. Das Großbeben, das durch die geologische Formation des Nankai-Grabens ausgelöst werden wird, soll sich nach Einschätzungen von Experten vermutlich in den nächsten 30 Jahren ereignen.

Der Nankai-Graben verläuft von der Suruga-Bucht (Präf. Shizuoka) bis zum Hyuga-nada, einem Teil des Pazifiks, etwa 900 Kilometer vor der Küste der Präfektur Miyazaki.

Eine weitere Einschätzung, die als Szenario ein Erdbeben mit dem Epizentrum unter dem Großraum Tokyo ausgeht, berechnet bis zu 110 Millionen Tonnen an Trümmern in der Region Kanto. Sollten keine neuen Müllverbrennungsanlagen verfügbar sein, würde die Beseitigung dort drei Jahre und zehn Monate benötigen.

Über die aktuellen Szenarien berichteten Kyodo, jiji und Asahi Shimbun.

Tokyo erwägt weitere Schritte gegen Erdbeben: Die Regierung in Tokyo erwägt derzeit offenbar, ob man mehr als 300 Gemeinden im Großraum der japanischen Hauptstadt dazu auffordern soll, konzentriert an die Vorbereitungen auf ein prognostiziertes Erdbeben heranzugehen.

Die Orte befinden sich in der Region Tokyo und neun Nachbarpräfekturen, für die im Falle eines starken Erdbebens unter Tokyo schwere Schäden erwartet werden. Geht es nach der Regierung, so sollen neue Grundsatzrichtlinien, etwa die nachträglich Erdbebensicherung von Gebäuden und Brandschutz durch die Verbreiterung von Straßen in Wohngebieten, die schlimmsten Folgen abmildern.

Dies berichtete die jiji am Samstag und bezog sich dabei auf informierte Quellen.

Kinder aus Katastrophenregion weisen Kennzeichen von PTBS auf: Anlässlich des nahenden dritten Jahrestags der Tohoku-Katastrophen, befassen sich auch japanische Medien verstärkt mit den Schicksal der Opfer und so werden nun auch Daten zu den psychischen Folgen für Kinder veröffentlicht.

Auffanglager nach den Tohoku-Katastrophen (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Auffanglager nach den Tohoku-Katastrophen (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

So wurden am Samstag die Ergebnisse einer zwischen September 2012 und Juni 2013 erfolgten Untersuchung von 198 Kindern aus den drei Katastrophenpräfekturen bekannt.

Sie waren zum Zeitpunkt der Naturkatastrophen zwischen drei und fünf Jahre alt. Die Befragungen erfolgten im Alter zwischen sechs und acht Jahren.

Nach Gesprächen mit Psychiatern wurde bei 33,8 Prozent der Kinder deutliche Sympotme einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS/PTSD) festgestellt.

Darunter befanden sich Alpträume und Flashbacks (14 Prozent), Amnesie über das Erlebte und Vermeidungsverhalten von Orten und Tätigkeiten (17 Prozent), sowie Schlafstörung und gesteigerte Sensibilität (10 Prozent)

Die Tendenz zu posttraumatischen Störungen steige mit der Zahl der erlebten Ereignisse an – Erdbeben, Tsunami, Brände, Verlust sozialer Bindungen und das Leben in Auffanglagern und Übergangshäusern. Eine Untersuchung der kindlichen Mimik beim betrachten lustiger Videos bestätigte auch einen geringeren emotionalen Ausdruck, bei den betroffenen Kindern.

Bei einer Kontrollgruppe von 82 Kindern aus der nicht unmittelbar betroffenen Präfektur Mie wiesen lediglich 3,7 Prozent die Symptome einer PTBS auf.

Doch auch Eltern und andere Erwachsene sind betroffen. Bei den 177 Eltern, die ebenfalls untersucht wurden, konnte festgestellt werden, das Personen aus Gebieten, in denen starke nachbarschaftliche Bindungen bestanden, weniger Symptome zeigten (23,3 Prozent) als jene aus unfreundlichen Umgebungen (39 Prozent).

Eine weitere Studie der Universität Tohoku, die bereits am Donnerstag veröffentlicht worden war und eine Untersuchung von mehr als 3.700 Erwachsenen aus der Präfektur Miyagi umfasste, stellte bei sieben Prozent der Personen mögliche Folgen wie Depressionen oder starke Ängste fest.

Die Rate von Depressionen in sieben Küstengemeinden, darunter Ishinomaki, sei drei Mal höher als der nationale Durchschnitt, der im Jahr 2004 vom Gesundheitsministerium ermittelt worden war. Über die psychischen Auswirkungen der Katastrophe berichteten Kyodo, jiji und Asahi Shimbun.

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