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Fukushima aktuell: Gerichtsurteil gegen Regierung und TEPCO

Erstmals Regierung und AKW-Betreiber für Fukushima-Krise verantwortlich gemacht

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Artikelbild - Symbol für japanische Justiz, Recht und Gerechtigkeit vor Gericht (Grafik: pd)
Sammelklage: Zweiter Schuldspruch gegen Regierung und TEPCO (Grafik: pd)

Zahlreiche interessante Fukushima News werden kurz vor dem Wochenende gemeldet und so gibt es vom AKW Fukushima heute genau so aktuelle Meldungen, wie im Fall der Olympischen Sportstätten und der….

Somit wäre jede dieser Meldungen an sich eine Schlagzeile wert – doch bei uns finden sie alle Nachrichten zusammengefasst im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. März 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Gerichtsurteil gegen Regierung und AKW-Betreiber TEPCO
  • Verschobene Robotereinsatz an Reaktor 1 soll Samstag erfolgen
  • IOC genehmigt Olympische Wettkämpfe in Fukushima
  • DNS-Analysen bei Bambus aus dem Umkreis des AKW Fukushima
  • Planungen an Mega-Solarprojekt sollen an anderes Unternehmen gehen
Gerichtsurteil gegen Regierung und AKW-Betreiber TEPCO

Erstmals hat ein japanisches Gericht sowohl die Regierung des Landes, als auch den Elektrizitätsanbieter TEPCO wegen mangelnder Schutzmaßnahmen gegen den Tsunami, der Japans schwerste Nuklearkrise auslöste, zu Schadensersatzzahlungen verurteilt.

Ein Gericht in Maebashi (Präf. Gunma) verurteilte die Beklagten zu einer Gesamtzahlung in Höhe von 38,55 Millionen Yen. Damit blieb das Gericht unter der Summe von 1,5 Milliarden, die von den Klägern verlangt worden war.

In der Urteilsbegründung heißt es, bereits aufgrund einer Einschätzung der Regierung vom Juli 2002 sei ersichtlich, dass dem Kraftwerksbetreiber TEPCO das Risiko bekannt gewesen sei und man geeignete Schutzmaßnahmen hätte treffen können.

Der Regierung wirft das Gericht vor, das Unternehmen nicht zur Durchführung von Nachbesserungen bei den Schutzmaßnahmen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi veranlasst zu haben.

Die Entscheidung wurde von den Klägern mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Zwar sei die Verurteilung an sich ein Erfolg, die Entschädigungssumme entspreche jedoch nicht den weitreichenden Folgen der Katastrophe.

Das Gericht sprach 62 der 137 Klägern aus 45 Haushalten das Recht auf Entschädigung zu. Die einzelnen Beträge liegen zwischen 70.000 und 3,5 Millionen Yen pro bestätigtem Kläger.

Insgesamt 40 Prozent der Kläger sind so genannte „freiwillig Evakuierte“, die im Zuge der Krise aus Ortschaften ohne offizielle Evakuierungsanordnung flohen. Ende dieses Monats läuft ein großer Teil der finanziellen Unterstützung für sie aus.

Sowohl die Regierung, als auch TEPCO kritisierten das Urteil. Ein TEPCO-Sprecher erklärte, Ausmaß des Tsunami sei unvorhersehbar gewesen. Die Regierung erklärte, man habe keine Befugnis gehabt, den AKW-Betreiber zu Maßnahmen zu zwingen.

Beide Parteien sind zudem der Ansicht, die Einschätzung aus dem Jahr 2002 beruhe auf einer umstrittenen Studie, zumal Experten unterschiedliche Einschätzungen des Sachverhalts hätten. Die Verurteilten nannten die Studie „unwissenschaftlich“.

Weitere Urteile vor anderen Gerichten sollen in diesem Jahr folgen. Für September ist das Urteil eines Gerichts der Stadt Chiba vorgesehen und zum Jahresende wird das Urteil in einem Prozess in Fukushima erwartet. In insgesamt 18 Präfekturen liegen Klagen vor.

Über die Verurteilung berichteten praktisch alle großen Medien, darunter die Kyodo, Asahi Shimbun und die NHK.

Verschobene Robotereinsatz an Reaktor 1 soll Samstag erfolgen

Der Einsatz eines Roboters im Inneren des Sicherheitsbehälters von Reaktor 1 am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi soll nach Angaben des Betreiberunternehmens am morgigen Samstag nachgeholt werden.

Verzögerungen durch technische Probleme einer Kamera im Rahmen der Vorbereitungen, hatten den für Dienstag vorgesehenen Einsatz des Geräts verzögert, nachdem das Verbindungskabel zur Kamera abgetrennt worden war.

Nun soll die Mission also morgen beginnen und statt der zuvor angekündigten drei Tage, soll die Dauer nun offenbar sogar auf vier Tage ausgedehnt werden.

Der Roboter soll versuchen, Aufnahmen von geschmolzenen Brennelementen zu machen und Strahlungsmessungen durchzuführen. Zu diesem Zweck ist er mit einer Kamera und einem Dosimeter ausgestattet. Das berichtete die NHK.

Sonstiges

Ursache für die Trennung des Kabels war offenbar Zubehör, dass an dem Gerät montiert wurde, obwohl es aufgrund der technischen Weiterentwicklung eigentlich überflüssig war. Sollten die Arbeiten wie geplant verlaufen, wäre auch die Entnahme von Wasserproben möglich.

IOC genehmigt Olympische Wettkämpfe in Fukushima

Die gestern bekannt gewordenen Gerüchte über olympische Sportstätten in Fukushima wurden am heutigen Freitag durch eine Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) offiziell bestätigt.

Damit folgt das IOC einer Bitte des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo. Demnach wird ein Teil der Wettbewerbe im Baseball und Softball im Stadion des Azuma Sports Park in der Stadt Fukushima ausgetragen.

Das Stadion hatte sich gegen zwei Wettbewerber in der Präfektur aufgrund der Umsetzung baulicher Vorgaben und der guten Verkehrsanbindung an den Großraum Tokyo durchgesetzt.

Die japanischen Organisatoren der Tokyo-Spiele 2020 erhoffen sich von der Entscheidung auch eine touristische Wiederbelebung der Region Tohoku, die am schwersten von den Folgen der Katastrophen vom März 2011 betroffen ist.

Über die Vergabe der Baseball- und Softball-Spiele an das Azuma-Stadion berichteten mehrere japanische Medien darunter die Kyodo und jiji.

DNS-Analysen bei Bambus aus dem Umkreis des AKW Fukushima

Bei einem Treffen in der Stadt Fukushima stellte das Labor für Umweltradioaktivität der Universität Fukushima bereits Anfang der Woche seine Ergebnisse zur genetischen Untersuchung von Bambussprossen vor.

Das Institut nutzte für seine Untersuchungen die Bambussprossen von 14 Standorten um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, sowie außerhalb der Präfektur.

Bambus bietet sich als Untersuchungsobjekt besonders an, da es der DNS von Bäumen wie ein Klon ähnelt und so ein Rückschluss auf die Effekte von Radioaktivität auf die genetische Entwicklung von Bäumen zulässt.

Bei der Vergleichsstudie wurden mehr als 2.000 DNS-Sequenzen der verschiedenen Standorte miteinander abgeglichen und ein Fazit aus den Untersuchungen gezogen.

Demnach wurden kein ungewöhnliches Ausmaß an Mutationen von Bambussprossen festgestellt. Es bestünden keine großen Unterschiede zu Bambussprossen, die an anderen AKW zu finden sind.

Professor Thomas Hinton, der an dem Projekt beteiligt war, erklärte dann auch folgerichtig, es könne kein kausaler Zusammenhang zwischen der radioaktiven Belastung durch die Kraftwerkskatastrophe und der DNS des Bambus nachgewiesen werden.

Auch weitere Forschungsergebnisse, etwa bei der Untersuchung von Meeresfischen und Wildschweinen durch das Institut, hätten man keine Einflüsse der Radioaktivität bestätigen können. Das berichten Präfekturmedien.

Planungen an Mega-Solarprojekt sollen an anderes Unternehmen gehen

Nach der Festnahme eines Managers, dessen Unternehmen für ein riesiges Photovoltaik-Projekt im Gebiet der Stadt Fukushima verantwortlich ist, scheint die Zukunft der Maßnahme vorerst gesichert.

Der Manager war gestern wegen Betrugsverdacht ohne Bezug zum Prestigeprojekt  festgenommen worden (Spreadnews berichtete).

Das Unternehmen erklärte gegenüber den städtischen Behörden, man wolle Aufgaben einer anderen Firma übertragen, so dass der Entwicklungsplan für die Solaranlage weitergeführt werden kann.

In welchem Ausmaß das ursprüngliche Unternehmen an dem Projekt beteiligt bleiben wird, ist vorerst unklar. Über die aktuellen Entwicklungen berichteten Präfekturmedien.

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