Fukushima aktuell: Gesundheitsbericht der Präfektur vorgelegt

Fukushima aktuell: Gesundheitsbericht der Präfektur vorgelegt

Schilddrüsenkrebs in Fukushima nur eines von vielen Themen

836
0
TEILEN
Artikelbild - Medizin, Thermometer, Medikamente, Tabletten (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Neue Gesundheitsstudie vorgelegt (Grafik: pd)

Die aus der Präfektur Fukushima heute berichteten Ergebnisse von medizinischen Untersuchungen, sind als Teil der Fukushima News nicht nur für die Bürger der Präfektur relevant, sondern stoßen auch außerhalb Japans aktuell auf Interesse.

Diese und weitere Meldungen, etwa zu Dekontaminationsabfällen und Mobbing gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Februar 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Keine höhere Zahl von Missbildungen bei Neugeborenen
  • Erstmals Zahl der Krebsfälle bei Schilddrüsenkontrollen nicht gestiegen
  • Gesundheitszustand von evakuierten Senioren verschlechtert sich
  • 19 Prozent der Betroffenen nutzten psychologische Unterstützung
  • Kein Rückgang von Dekontaminationsabfällen
  • Disziplinarmaßnahme gegen Englischlehrer wegen Fukushima-Mobbings
Keine höhere Zahl von Missbildungen bei Neugeborenen

Eine Studie der Universität Fukushima aus dem Jahr 2015, die gestern auf einem Treffen des präfekturalen Untersuchungskomitees für öffentliche Gesundheit vorgelegt wurde zeigt, dass die Gesundheit von Neugeborenen bislang keine Auffälligkeiten zeigt.

So lag die Rate an Missbildungen bei Neugeborenen im Jahr 2015 bei 2,24 Prozent. Im Jahr zuvor betrug dieser Prozentsatz noch 2,3 Prozent und damit in beiden Fällen innerhalb des landesweiten Durchschnitts, der zwischen drei und fünf Prozent beträgt.

Die Präfektur Fukushima weist also im Vergleich mit den übrigen Präfekturen demnach keinen höheren Anteil von Neugeborenen mit Missbildungen auf.

Auch bei Frühgeburten und untergewichtigen Neugeborenen weist die Präfektur Fukushima demnach keine Besonderheiten gegenüber den anderen Teilen des Landes auf. Lediglich bei Verdachtsfällen auf Wochenbettdepression lag die Präfektur höher.

Die Untersuchung wurde anhand von Aufzeichnungen in Schwangerschaftstagebüchern durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 7.031 Personen an der Untersuchung, was einer Antwortrate von 48,3 Prozent der ursprünglich angefragten Mütter entspricht.

Über dieses Ergebnis berichteten Präfekturmedien.

Erstmals Zahl der Krebsfälle bei Schilddrüsenkontrollen nicht gestiegen

Am gestrigen Montag legte das medizinische Untersuchungskomitee den Bericht über bestätigte Krebserkrankungen und Verdachtsfälle vor. Seit dem ersten Treffen im Juni 2013 legt das Komitee alle drei Monate einen Bericht vor.

Den aktuellen Angaben zufolge ist die Zahl bestätigter Erkrankungen zwischen Ende September und Ende Dezember vergangenen Jahres nicht gestiegen und liegt weiterhin bei 44 Personen. Lediglich die Zahl der Verdachtsfälle stieg um einen Fall auf 25 Personen.

Verbindet man die Ergebnisse der ersten Schilddrüsentestreihe mit denen der zweiten, so liegt die Gesamtzahl bestätigter Fälle von Schilddrüsenkrebs bei 145 Patienten, sowie 39 Verdachtsfällen.

Es ist das erste Mal seit Einführung der Schilddrüsentestreihen, dass keine Neuerkrankung festgestellt werden konnte. Über dieses Ergebnis berichteten Präfekturmedien.

Gesundheitszustand von evakuierten Senioren verschlechtert sich

Bei der gestrigen Vorstellung des Gesundheitsberichts zu den Auswirkungen der Tohoku-Katastrophen wurde eine negative Entwicklung beim Gesundheitszustand von Senioren aus den evakuierten Gebieten festgestellt.

Bei den Untersuchungen von Personen über 65 Jahren wurde ein Trend zum Anstieg von Proteinwerten und Harnsäure über den Normwert bei den Patienten festgestellt. Auch Blutdruck und Leberfunktionen wiesen einen leichten Negativtrend auf.

Natürlich müssen aber neben den Folgen eines Lebens unter behelfsmäßigen Umständen auch die allgemeinen Auswirkungen des Alterungsprozesses berücksichtigt werden. Durch eine Analyse der Ergebnisse soll ein Maßnahmenkatalog ausgearbeitet werden.

19 Prozent der Betroffenen nutzten psychologische Unterstützung

Auf dem Treffen zur Bevölkerungsgesundheit und den Auswirkungen der Tohoku-Katastrophen am gestrigen Montag, war auch die psychische Verfassung der Einwohner eines der zahlreichen Themen.

So nahmen im Fiskaljahr 2015  insgesamt 9.605 Personen, das sind 19 Prozent der Teilnehmer in den befragten Gebieten, Beratung durch klinische Psychologen in Anspruch – beispielsweise durch Telefonberatung und schriftlichen Austausch.

Abgefragt wurden dabei auch die Ernährungsgewohnheiten, das Maß an körperlicher Betätigung und das allgemeine Gefühl von Stress.

Über das telefonische Hilfsangebot berichteten Erwachsene vor allem von Sorgen im Bezug auf Gesundheit und Schlafprobeme, während Kinder neben gesundheitlichen Ängsten auch schulische Sorgen nannten.

Kein Rückgang von Dekontaminationsabfällen

Die Menge an kontaminiertem Erdreich, Laub und Trümmern, die bei der Dekontamination von Gemeinden in der Präfektur Fukushima anfallen, nimmt nicht wesentlich ab und bleibt damit ein großes Problem für die Region.

Im vergangenen September stieg die Zahl der Standorte mit Kunststoffsäcken in 11 Gemeinden auf den Höchststand von insgesamt 279 temporären Lagerstätten.

Ende Januar diesen Jahres wurden in den gleichen 11 Gemeinden immer noch 271 behelfsmäßige Lagerstandorte gelistet.

Grund für die mangelnden Rückgang sind Verzögerungen beim Ausbau des offiziellen Zwischenlagers, das auf dem Gelände der Gemeinden Futaba und Okuma entstehen und die Lagerung aller Dekontaminationsabfälle der Präfektur übernehmen soll.

Selbst wenn weitere Gemeinden freigegeben und die Evakuierungsanordnung aufgehoben wird, muss damit gerechnet werden, dass die Angst vor dem Inhalt der schwarzen Plastiksäcke potentielle Rückkehrer abhalten wird.

Mit Stand von Ende Januar diesen Jahres werden etwa 4.760.000 Säcke mit einem Fassungsvermögen von einem Kubikmeter in der Präfektur gelagert. Über diese Zahlen berichten Präfekturmedien.

Disziplinarmaßnahme gegen Englischlehrer wegen Fukushima-Mobbings

Die Kwansei Gakuin University in Nishinomiya (Präf. Hyogo) hat gegen einen ausländischen Englischlehrer eine Disziplinarmaßnahme verhängt, nachdem die Teilzeitkraft eine Schülerin wegen ihrer Herkunft diskriminiert hatte.

Der Zwischenfall ereignete sich im Herbst 2014 nachdem sich die Frau aus der Präfektur Fukushima dort im Frühjahr des selben Jahrs eingeschrieben hatte.

Der Englischlehrer, dessen Nationalität zurückgehalten wird, fragte seine etwa 30 Studenten bei der gemeinsamen Vorstellungsrunde nach ihrer Herkunft.

Als die Frau erzählte, dass sie aus der Präfektur Fukushima komme, machte der Lehrer das Licht aus und witzelte, er hätte damit gerechnet, dass sie wegen der Strahlung im Dunkeln leuchten würde.

Die Betroffene meldete dies jedoch zunächst nicht der Schulleitung, sondern begann stattdessen, dem Unterricht fern zu bleiben. Nachdem ein Beratungszentrum für Belästigung eingerichtet worden war, wandte sie sich an diese Stelle.

Nach Beratungen ab April 2016 reichte sie im Oktober eine formelle Beschwerde ein. Bei einer Befragung im November erklärte der Lehrer, er erinnere sich nicht daran, das Licht ausgemacht haben und versicherte, er habe den Kommentar scherzhaft gemeint.

Die Schulleitung fand sein Verhalten jedoch alles andere als witzig und beschloss nicht nur, eine formelle dreimonatige Kürzung des Gehalts, sondern kündigte auch an, den im März auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern.

Andere Studenten zeigten sich schockiert über das Verhalten des Lehrers und brachten ihre Solidarität mit dem Mobbing-Opfer zum Ausdruck.

Ein Vizepräsident der christlichen Privatuniversität entschuldigte sich in einem Statement für das Fehlverhalten sowohl bei der Betroffenen, als auch bei allen anderen Opfern der Tohoku-Katastrophen und versprach, derartige Zwischenfälle würden sich nicht mehr wiederholen.

Gegenüber der Presse erklärte Masahiro Imamura, Minister für Wiederaufbau, der Zwischenfall sei sowohl bedauerlich als auch nicht tolerierbar. Über den Zwischenfall berichteten Kyodo, Asahi Shimbun und NHK.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT