Fukushima aktuell: Glaubwürdigkeit der Schilddrüsenkrebs-Screenings in Frage gestellt

Fukushima aktuell: Glaubwürdigkeit der Schilddrüsenkrebs-Screenings in Frage gestellt

Verdacht auf unregistrierte Fälle von Schilddrüsenkrebs

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Artikelbild - Schilddrüse (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Zweifel an der Statistik von Schilddrüsenkrebs bei Kindern (Grafik: pd)

Aktuelle Fukushima News über die Schilddrüsentests bei Kindern der Präfektur, bieten nicht nur bei den Betroffenen in Fukushima heute hinreichend Grund für Diskussionen.

Tatsächlich geht es um die Glaubwürdigkeit von Maßnahmen zum gesundheitlichen Schutz künftiger Generationen. Unterdessen wurden drei weitere Gemeinden freigegeben. Die Details gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. März 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Erfassung von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kindern weist Mängel auf
  • Analyse von Dampfaufnahmen aus Reaktor 2
  • Evakuierungsanordnung für Namie,  Kawamata und Iitate aufgehoben
Erfassung von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kindern weist Mängel auf

In mindestens einem Fall wurde ein Kind, bei dem im Rahmen der Gesundheitskontrollen Schilddrüsenkrebs diagnostiziert wurde, nicht in die offiziellen Aufzeichnungen über die 145 bestätigten Krebserkrankungen und 39 Verdachtsfälle aufgenommen.

Das räumte die Medizinische Universität Fukushima auf ihrer Webseite ein. Im konkreten Fall war ein damals vierjähriger Junge trotz der Krebserkrankung nicht erfasst worden, obwohl sogar die Behandlung an der Universitätsklinik erfolgte.

Dieser Umstand war durch den „3.11 Fund for Children With Thyroid Cancer“ öffentlich bekannt geworden. Die Initiative bewertet den Fall als kritisch, denn falsche Informationen würden Eltern und Betroffenen verunsichern.

Als Ursache erklärte die Universität, falls die Erkrankung erst nach den beiden Runden der Checks aufgetreten sei und damit außerhalb des Screenings behandelt wurde, wäre das Kind nicht statistisch erfasst worden.

Ausführlichere Kommentare zum Sachverhalt wurden vom Sprecher  für die Schilddrüsen-Screenings an der Universität abgelehnt. Man stehe hinter den veröffentlichten Daten, könne jedoch aus Datenschutzgründen keine Angaben zu konkreten Fällen machen.

Das wirft Fragen auf, ob die statistischen Daten über die Schilddrüsenkrebserkrankungen  bei Kindern tatsächlich zuverlässig sind. Sollten weitere Kinder außerhalb der beiden Screenings erkrankt sein, würden sie ebenfalls nicht in der Statistik auftauchen.

Über die überraschende Entdeckung berichteten Präfekturmedien.

Analyse von Dampfaufnahmen aus Reaktor 2

TEPCO gab am gestrigen Donnerstag die Auswertung von Roboteraufnahmen aus Reaktor 2 bekannt. Dabei geht es vor allem um die Sichtung von aufsteigendem Dampf unter einem Gittergerüst, die bei einer Robotermission im Sicherheitsbehälter gemacht wurde.

Der Einsatz fand bereits im Februar statt. Dabei gab es jedoch Probleme auf der Strecke und der Roboter musste nach dem Fehlschlag zurückgelassen werden.

Nach der Aufbereitung der Bildaufnahmen und deren Analyse wurde auf einer Pressekonferenz erklärt, die einzig denkbare Hitzequelle zur Verdampfung des Wassers wären geschmolzene Brennelemente, nach denen das Unternehmen sucht.

Allerdings sei dies nicht ausreichend, um den tatsächlichen Fund zu bestätigen, da es bislang keine Sichtung des Materials gibt. Doch die verbesserten Aufnahmen zeigen auch weitere, bislang unbekannte Einzelheiten.

So ist fehle ein deutlich größeres Teilstück in dem Gehsteig, als bislang bekannt. Da zudem ein Kabel fehlt, das eigentlich dort vorhanden sein müsste, vermutet man nun, dass herabstürzende Trümmer es herabgerissen und die Metallstruktur verformt haben könnte.

Über die Untersuchungsergebnisse berichteten Präfekturmedien.

Evakuierungsanordnung für Namie,  Kawamata und Iitate aufgehoben

Mehr als sechs Jahre nach der AKW-Katastrophe wurde am heutigen Freitag die Evakuierungsanordnung für die Gemeinden Namie, Kawamata und Iitate offiziell aufgehoben. Für morgen ist zudem die Frage von Tomioka angekündigt.

Rathaus der Ortschaft Iitate in der Präfektur Fukushima (Foto: Townphoto cc-by)
Das Rathaus von Iitate (Foto: Townphoto cc-by)

Aufgrund der umfangreichen Dekontaminationsmaßnahmen konnte die Radioaktivität in diesen Orten ausreichend gesenkt werden und die Sicherheit für künftige Bewohner ist offiziell gewährleistet.

Somit gilt ein großer Teil dieser Ortschaften wieder als bewohnbar.

Ausgenommen davon sind lediglich jene Gemeindeteile, die im Rahmen des Drei-Zonen-Modells aufgrund der Strahlung als „langfristig unbewohnbar“ klassifiziert wurden und somit Teil des Sperrgebiets bleiben.

Zählt man die morgige Freigabe vom Tomioka dazu, besteht für 32.000 Evakuierte die Aussicht, wieder in ihre Heimatorte zurückzukehren. Dennoch muss mit einer geringen Bereitschaft zur Rückkehr gerechnet werden.

In den vergangenen Jahren waren bereits mehrere Gemeinden ganz, oder teilweise freigegeben worden – doch bislang sind weniger als 20 Prozent der ursprünglichen Bevölkerung zurückgekehrt.

An anderen Orten bleiben die Evakuierungsanordnungen weiterhin in Kraft und der Zutritt ist beschränkt. Das betrifft die Orte Futaba und Okuma, die vergleichsweise nah am AKW liegen und Standort des geplanten Zwischenlagers sind. Es sind die einzigen Orte ohne teilweise Freigaben.

Über die Freigabe von Namie, Kawamata und Iitate berichteten unter anderem Asahi Shimbun, jiji, NHK und Präfekturmedien.

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