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Fukushima aktuell: Großbergung von Trümmerteil aus Reaktor 3 angekündigt

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 3: Computersimulation der Bergungsarbeiten (Grafik: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Computersimulation der Bergungsarbeiten (Grafik: TEPCO)

Wenn der Betreiber des AKW Fukushima heute offiziell einen wichtigen Schritt bei Reaktorarbeiten ankündigt, sorgt dies vermutlich sowohl für eine Erwartungshaltung, als auch für Besorgnis. Diese und weitere Meldungen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Juli 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Bergung von großem Trümmerteil an Reaktor 3 angekündigt
  • Eiswall-Abschnitt auf Bergseite macht Fortschritte
  • Hinterbliebene eines 102 Jahre alten Mannes verklagen TEPCO
  • Ende der Abpumparbeiten an Reaktor 3 erwartet

Bergung von großem Trümmerteil an Reaktor 3 angekündigt: Kraftwerksbetreiber TEPCO kündigte für Sonntag den Beginn großer Bergungsarbeiten an Reaktor 3 an.

Bei dem 30 Tonnen schweren und 14 Meter langen Objekt handelt es sich um einen Teil der Brennelement-Wechselmaschine. Die Brücke der Vorrichtung war im Zuge der Kraftwerkskatastrophe in das Abklingbecken gestürzt und behinderte seitdem weitere Arbeiten.

Die Großbergung muss aufgrund der hohen Radioaktivität vor Ort mit zwei ferngesteuerten Kränen durchgeführt werden.

Die Arbeiten gelten als nicht ungefährlich, da die Möglichkeit besteht, dass einige der 556 Brennelemente in dem Becken beschädigt werden könnten, sollte das Trümmerteil bei der Bergung wieder herabfallen.

Das diese Bedenken durchaus berechtigt sind, zeigt ein Vorfall vom vergangenen August. Damals war versehentlich ein 400 Kilo schweres Trümmerteil in das Becken gestürzt.

Als Sicherheitsmaßnahmen für den geplanten Zugriff wurde ein spezieller Greifmechanismus entwickelt und Polster auf den Brennelementen ausgelegt.

Bis zum Abschluss der Bergung sollen alle übrigen Arbeiten ausgesetzt werden. Über die Maßnahme berichteten TEPCO und die NHK. Andere japanische Medien hatten bereits vorab die Maßnahme gemeldet.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Räumung international ähnliche Reaktionen auslöst, wie seinerzeit die Bergung der Brennelemente aus Reaktor 4. Damals hatten Atomkraftkritiker eine Katastrophe befürchtet und vom gefährlichsten Moment in der Geschichte der Menschheit“ gesprochen.

Eiswall-Abschnitt auf Bergseite macht Fortschritte: Am gestrigen Tag wurden die Arbeiten zur Verlegung der Rohre an einem Abschnitt des so genannten Eiswalls abgeschlossen.

Die Ergebnisse wurden einem Komitee des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) präsentiert.

Bei dieser Gelegenheit verschafften sich die Mitglieder auch einen Eindruck von den Testgefrierungen, die Ende April begonnen worden waren.

TEPCO erklärte, man könne bis zum 7. September eine vollständige Gefrierung erreichen, sofern die Atomaufsicht ihre Genehmigung zur Maßnahme erteilt. Das berichteten Präfekturmedien.

Durch die Zirkulation eines Kühlmittels durch unterirdische Rohre soll der umgebende Boden tiefgefroren und so eine natürliche Grundwasserbarriere um die Reaktorgebäude geschaffen werden.

Kritiker bemängeln, dass dieses Konzept noch nie in solch großem Maßstab angewendet wurde und auch nicht auf langfristigen Betrieb ausgesetzt sei.

Anfang dieses Monats hatte es Temperaturprobleme beim Eiswallprojekt gegeben. Am Dienstag hatte ein Stromausfall zu einem mehrstündigen Stillstand der Eiswallkühlung geführt, ohne jedoch Auwirkung auf den Gefrierungsgrad zu haben.

Hinterbliebene eines 102 Jahre alten Mannes verklagen TEPCO: Am gestrigen Mittwoch reichten die Hinterbliebenen des 102 Jahre alten Fumio Okubo eine Klage gegen den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi ein.

Okubo hatte sich am 11. April 2011 erhängt, nachdem am selben Tag der Sperrgebietsstatus seines Geburts- und Wohnortes Iitate in den Medien bekannt gegeben worden war.

Drei seiner Angehörigen fordern nun eine Gesamtsumme von 60,05 Millionen Yen, sowie eine offizielle Entschuldigung des Elektrizitätsunternehmens TEPCO.

Die Gemeinde Iitate ist gegenwärtig immer noch Teil des Sperrgebiets um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

Der Betreiber erklärte, man werde die Forderungen prüfen und werde sich der Angelegenheit ernsthaft annehmen.

Es gibt bislang nur zwei Fälle, in denen das Gericht einen kausalen Zusammenhang zwischen Selbsttötung und Kraftwerkskatastrophe bestätigte und die Zahlung veranlasste.

In einem Urteil zum Suizid von Hamako Watanabe vom August 2014, sowie einer  Entscheidung zum Suizid von Kiichi Isozaki im Juni 2015, waren Hinterbliebenen von Suizidopfern die Entschädigungen zugesprochen worden.

Über den Fall berichteten mehrere japanische Medien, darunter die Mainichi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Ende der Abpumparbeiten an Reaktor 3 erwartet: Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi bekannt gab, wird noch in diesem Monat mit dem Abschluss der Arbeiten in den Kabeltunneln an Reaktor 3 gerechnet.

An Reaktor 2 waren die Pumparbeiten bereits Anfang des Monats erfolgreich abgeschlossen worden. Jetzt soll auch die Maßnahme an Reaktor 3 beendet werden können. Das berichten Präfekturmedien.

Nachdem der Versuch einer Gefrierung des radioaktiven Wassers in den Tunneln gescheitert war, hatte das Unternehmen seine Strategie geändert und nutzt seitdem einen Spezialzement.

Dieser wird in die gefluteten Tunnel gepumpt und härtet dort aus, was zur erwünschten Abdichtung führt, so dass kein radioaktives Wasser von dort ins Meer gelangen kann.

Das dabei verdrängte radioaktive Wasser wird abgepumpt und in Tanks eingelagert.

Die vollgelaufenen Tunnel stellen bislang ein bedeutendes Hindernis bei der Schaffung der Grundwasserbarriere um die Reaktorgebäude dar, da sich ihr Verlauf teilweise mit der des im Bau befindlichen Eiswalls kreuzt.

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