Fukushima aktuell: Großübung zur Bergungsvorbereitung begonnen

Fukushima aktuell: Großübung zur Bergungsvorbereitung begonnen

Große Vorbereitungen auf künftige Bergung von Brennelementen.

1398
0
TEILEN
Artikelbild - Großübung zum Schutzmantelbau für Reaktor 3, 10. Juni 2016 (Foto: TEPCO)

Mit Aufnahmen einer groß angelegten Übung will der Betreiber des AKW Fukushima heute möglicherweise zeigen, dass man nicht allein an der Bewältigung radioaktiver Abwässer interessiert ist, sondern auch die Bergung von Brennelementen im Auge behält.

Unterdessen werden das Umweltministerium und andere Behörden wohl die Rückkehrbereitschaft der Einwohner von Katsurao beobachten. Einzelheiten der aktuellen Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juni 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Großübung zu Schutzmantelarbeiten für Brennelementebergung
  • Ausfall von Leckdetektor am AKW
  • Evakuierungsanordnung für Katsurao aufgehoben
  • Verwendung von Brunnenwasser in Katsurao
  • Hindernisse für die Wiederbelebung von Katsurao
  • Früherer Atombehördenleiter kritisiert AKW-Sicherheitsbeurteilungen

Großübung zu Schutzmantelarbeiten für Brennelementebergung: Ende vergangener Woche begann am AKW Fukushima Daiichi eine Übung, bei der eine große Metallabdeckung über das Gebäude von Reaktor 3 platziert werden soll.

Ähnlich wie die Schutzmantelarbeiten an anderen Reaktorgebäuden, soll die Struktur bei der künftigen Bergung von 566 Brennelementen aus dem Abklingbecken die Ausbreitung von radioaktivem Material verringern.

Die Übung begann im Hafen Onahama in Iwaki und soll noch den ganzen Monat hindurch fortgeführt werden. Ziel ist es, den Arbeitsablauf so zu optimieren, dass die Angestellten möglichst wenig Zeit benötigen und dadurch im Ernstfall geringerer Strahlungsbelastung ausgesetzt sein werden

Die riesigen Metallteile von etwa 18 Metern Höhe, die bei der Übung Verwendung finden, sollen im Anschluss wieder demontiert werden und schließlich bei der realen Durchführung der Maßnahme zum Einsatz kommen.

Bevor die tatsächlichen Bergungsarbeiten, deren Beginn für das Fiskaljahr 2017 geplant ist anlaufen können, soll das Gebäude von Reaktor 3 so weit wie möglich dekontaminiert werden, um die extrem hohen Strahlungswerte zu reduzieren.

Über die Maßnahme berichteten Asahi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Ausfall von Leckdetektor am AKW: Am heutigen Montag kam es im Kontrollraum des erdbebensicheren Hauptgebäudes zum Ausfall der Anzeige aller Leckdetektoren für die Reaktoren 3 und 4.

Eine Kontrolle vor Ort ergab, dass kein Leck vorlag. Bei der eingeleiteten Untersuchung wurde dann festgestellt, dass offenbar der Ausfall eines Fußschalters ursächlich war. Nach einem Austausch wurden die Daten der Leckdetektoren wieder erfasst.

Evakuierungsanordnung für Katsurao aufgehoben: In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat die Regierung offiziell die Aufhebung der Evakuierungsanordnung für die bisherige Sperrgebietsgemeinde Katsurao erklärt.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Evakuierungsanordnung für Katsurao weitgehend aufgehoben (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Insgesamt könnten nun 1.347 der insgesamt 1.466 zurückkehren, doch einer Umfrage im vergangenen Jahr zufolge, will lediglich etwa die Hälfte in ihren Heimatort zurückkehren.

Die Gemeinde war im Zuge der Kraftwerkskatastrophe im März 2011 aufgrund des radioaktiven Fallouts aus Sicherheitsgründen vollständig evakuiert worden.

Die Reaktionen der potentiellen Rückkehrer fallen gemischt aus. Während insbesondere Senioren froh sind, an den Ort ihrer Jugend zurückzukehren, zeigen sich jüngere Einwohner besorgt und misstrauisch aufgrund der Radioaktivität.

Die Gemeindeverwaltung gab bekannt, sowohl Rückkehrer als auch einstige Bürger außerhalb der Ortschaft unterstützen zu wollen. Für potentielle Rückkehrer ist die Wiederaufnahme der Landwirtschaft ein wichtiges Zeichen für die Rückkehr zur Normalität.

Ausgenommen von der Aufhebung sind lediglich kleine Bereiche der Ortschaft, in denen das Strahlungsniveau noch zu hoch für die Maßnahme sind. Über die Freigabe berichteten mehrere japanische Medien, darunter NHK und Präfekturmedien.

Verwendung von Brunnenwasser in Katsurao: Jene Menschen, die aus Besorgnis vor radioaktiver Belastung fernbleiben, fürchten neben externer Strahlungsbelastung auch die Aufnahme von radioaktivem Material über kontaminierte Nahrungsmittel.

Wie nun bekannt wurde, soll für mehr als 40 Prozent der Haushalte die Wasserversorgung über Brunnenwasser erfolgen. Die Versorgung wurde von Wasser aus den Bergen auf Brunnenwasser gewechselt.

Die Brunnen aus mehr als zehn Metern Tiefe sollen ein geringeres Risiko radioaktiver Kontamination haben, als unter freiem Himmel verlaufende Wasserquellen. Dies trage zur Gesundheit der Rückkehrer bei. Über diesen Schritt berichtete die NHK.

Hindernisse für die Wiederbelebung von Katsurao: Die Meldung über die Freigabe der früheren Sperrgebietsgemeinde sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dort weiterhin Probleme gibt, die eine Rückkehr für Viele unattraktiv machen dürften.

Denn die Realität sieht trotz der statistisch vorhandenen Rückkehrbereitschaft der Bürger bislang noch anders aus. Mit Stand vom 8. Juni haben bislang nur 126 Personen vorab eine Erlaubnis für Übernachtungen beantragt.

Von den insgesamt 347 beantragten Abrissarbeiten in Katsurao sind bislang gerade einmal 14 Prozent abgeschlossen.  Der Abriss und die Trümmerräumung in Sperrgebietsgemeinden liefen im Jahr 2012 an und sind wichtige Voraussetzungen für die Rückkehr.

Als Grund für die Verzögerungen werden Untersuchungen der Grundstücke, sowie der entstehende Verwaltungsaufwand genannt. Über diese Probleme berichtete die Mainichi Shimbun.

Früherer Atombehördenleiter kritisiert AKW-Sicherheitsbeurteilungen: Ein früheres Führungsmitglied der Atomaufsichtsbehörde sieht Defizite in den jetzigen Sicherheitsbeurteilungen für Kernkraftwerke und fordert eine Überarbeitung.

Nach einer Auswertung der Daten aus dem schweren Kumamoto-Erdbeben kommt der Experte zu dem Schluss, die gegenwärtig genutzten Methoden würden die Magnitude möglicher Erdbeben an den Anlagen unterschätzen.

Der Seismologe Kunihiko Shimazaki war in der Vergangenheit für seine kompromisslose Haltung in Fragen der Sicherheit von vielen als unbequem angesehen worden. Der Postenwechsel von Shimazaki im September 2014 galt bei Atomkraftgegnern als bedauerlich.

Während seiner Tätigkeit für die NRA war der Wissenschaftler für die Einschätzung der Auswirkungen von Erdbeben und Tsunami auf die Sicherheit von Kernkraftwerken verantwortlich.

Nachdem er zuletzt im März diesen Jahres in einem Interview behauptet hatte, man habe das Tsunami-Risiko nicht ernst genug genommen, sorgt er nun erneut für Wirbel.

Die NRA müsse sich der Mängel der jetzt genutzten Bewertungsmethoden bewusst sein. Es sei als sehr gefährlich anzusehen, wenn die jetzigen Methoden weiter Anwendung als Sicherheitskriterium finden würden.

Die Gefahr einer Unterschätzung bestehe vor allem, wenn das System weiter auf vertikale Verwerfungen, wie sie hauptsächlich in Westjapan zu finden sind und beim Kumamoto-Erdbeben eine Rolle spielten, Anwendung finden würde.

Shimazaki fordert nun eine neue Sicherheitsbeurteilung für die AKW Oi, Takahama und Genkai, anhand einer überarbeiteten Methode, die neue Daten einbeziehe. Über die Bedenken des unbequemen Wissenschaftlers berichtete die jiji.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT