Start Aktuelles Fukushima aktuell: Grundwasser weist Betastrahler von mehr als einer Million Becquerel auf

Fukushima aktuell: Grundwasser weist Betastrahler von mehr als einer Million Becquerel auf

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Artikelbild: Zweiter Grundwassermessposten am 12. Juli 2013 (Foto: TEPCO
Neuer Rekordwert an Grundwasser-Messposten (Symbolfoto: TEPCO)

Das Grundwasserproblem auf dem Gelände der Kraftwerksanlage ist ungelöst, was der am AKW Fukushima heute gemessene Strahlungrekord belegt. Unterdessen bemüht man sich an anderer Stelle um eine Wiederbelebung der Präfektur Fukushima durch Rückkehrhilfen und Landwirtschaft.

Das die Sicherheit von Nuklearanlagen nicht nur dort gefährdet ist, zeigt das Beispiel der Wiederaufarbeitungsanlage Tokai. Alle Meldungen im Detail nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. Dezember 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Mehr als eine Million Becquerel in Grundwasser nachgewiesen
  • Büro der Wiederaufbaubehörde in Fukushima eröffnet
  • Unaufbereiteter Atommüll ist Sicherheitsrisiko
  • Getrocknete Kaki aus Fukushima im Verkauf

Mehr als eine Million Becquerel in Grundwasser nachgewiesen: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO am heutigen Dienstag mitteilte, wurde in Proben eines Grundwasserkontrollpostens eine Konzentration von Betastrahlern in Höhe von 1,1 Millionen Becquerel pro Liter nachgewiesen. Das ist das 36.000-fache des zulässigen Grenzwerts.

Damit hat die Betastrahlung im Grundwasser einen neuen Rekordwert erreicht. Der bisherige Höchstwert war am 25. November nachgewiesen worden und betrug 910.000 Becquerel pro Liter.

Der jetzige Nachweis stammt aus einer am 28. November entnommenen Probe. Der betreffende Messposten liegt östlich von Reaktor 2 und hat aufgrund seines Standorts auf einer Meeressandbank nur eine Distanz von etwa 40 Metern zum Ozean.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Während die anhaltende Angst darin bestand, dass radioaktives Wasser durch einen Graben von Reaktor 2 bis zur Meeressandbank gelange könnte, legen die aktuellen Werte nahe, dass sich radioaktives Material außerhalb des Grabens verbreitet.

Nach Angaben von TEPCO zeigen die Kontrollen von Meereswasser innerhalb des Hafenbereichs keine auffälligen Änderungen.

Die dort entnommenen Proben nutzt das Unternehmen als Nachweis von möglichen Kontaminationen.

Der gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert für Strontium-90, einen der bekanntesten Betastrahler, liegt bei weniger als 30 Becquerel pro Liter. Über den neusten Rekordwert berichtete die Mainichi Shimbun.

Einzelheiten zu den radioaktiven Isotopen, die unter dem Begriff „Betastrahler wie Strontium“ zusammengefasst wurden, gab es offenbar nicht.

Büro der Wiederaufbaubehörde in Fukushima eröffnet: Wie zuvor geplant hat die Behörde für Wiederaufbau nun ein Büro in Nähe zum AKW Fukushima eingerichtet. Die Beamten dort sollen mit der Verwaltung der Ortschaft Kawauchi und weiteren Gemeinden zusammenarbeiten, um wichtige öffentliche Dienste wie Wasserversorgung und Müllbeseitigung zu reaktivieren.

Aufgabe ist es, den geflohenen Bürgern durch Vorbereitungen der Infrastruktur und Informationen die Rückkehr in ihre einstigen Wohnorte zu ermöglichen. Nach Angaben der NHK handelt es sich bei dem Büro um die erste Außenstelle der Behörde in einem derartigen Gebiet.

Viele Bereiche um das Kraftwerk gelten aufgrund der Radioaktivität als langfristg unbewohnbar, so dass sich Evakuierungszonen durch mehrere Ortschaften ziehen und einige nur noch zu einem Bruchteil bewohnt werden können.

Unaufbereiteter Atommüll ist Sicherheitsrisiko: Die Kraftwerksanlage Fukushima Daiichi ist nicht die einzige gefährliche Nukleareinrichtung, das macht jetzt ein Bericht der Atomaufsichtsbehörde NRA zur Wiederaufarbeitungsanlage Tokai (Präf. Ibaraki) deutlich.

Symbolbild: Atommüllfass (Foto: pd)
Gefährlicher Atommüll seit 2007 nicht aufbereitet worden (Symbolbild: pd)

Die dort gelagerten 3,5 Kubikmeter an radioaktiver Lösung, die Strontium enthält und die 430 Kubikmeter an stark radioaktiven Flüssigstoffen, könnten bei einem Versagen der Sicherheitssysteme zu kochen beginnen und Wasserstoffexplosionen auslösen.

Je nach Zwischenfall könne dies bereits nach 11 und maximal nach 55 Stunden eintreten.

Die Plutoniumlösung soll für eine sichere Lagerung, eigentlich zu einem Mischoxid-Pulver weiterverarbeitet werden und auch der flüssige Atommüll müsste zunächst verschlackt werden.

Doch bereits seit 2007 ist die entsprechende Einheit aufgrund von Maßnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit und technischen Fehlern außer Betrieb.

In der Wiederaufarbeitungsanlage Tokai werden MOX-Brennelemente hergestellt, die dann unter anderem im Forschungsreaktor Monju eingesetzt werden.

Um die stillstehende Einheit neu zu starten und wie von der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA geplant, innerhalb von 18 Monaten das Plutonium auf 640 Kilogramm Mischoxidpulver und die Flüssigabfälle im Zeitraum von 20 Jahren in 630 Verschlackungsprodukte umwandeln zu können, müsste jedoch die Übereinstimmung mit den neuen Sicherheitsrichtlinien garantiert sein.

Die strengere Regelung tritt am 18. Dezember in Kraft und würde eine umfangreiche Prüfung erforderlich machen. Daher hat die JAEA als Betreiber der Anlage eine Sondergenehmigung zu einem früheren Start beantragt und begründet dies mit der Gefährdung durch unverarbeiteten Atommüll. Die NRA kündigte an, den Antrag zu prüfen, berichtet die Asahi Shimbun.

Getrocknete Kaki aus Fukushima im Verkauf: Nachdem die Landwirte aufgrund von Grenzwertüberschreitungen bei radioaktivem Cäsium die Produktion freiwillig eingestellt hatten, wurden erstmals seit Beginn der Krise wieder Kaki verkauft.

Kaki (Foto: jam343 cc-by)
Kaki-Lieferungen aus Präfektur Fukushima gestartet (Foto: jam343 cc-by)

Zu Beginn der Woche war dieses Ereignis mit einer Zeremonie in der Stadt Date gefeiert worden.

Da die diesjährigen Strahlungswerte der Früchte in einigen Gebieten unter den Grenzwerten lagen, beschlossen sich die Verantwortlichen für die Wiederaufnahme der Lieferung von geprüfter Ware.

Diese wird im Handel durch Kennzeichnung als Strahlungskontrolliert ausgewiesen.

Yuhei Sato, Gouverneur der Präfektur erklärte, die Erstarkung von Landwirtschaft und Fischerei sei eine Voraussetzung für den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Region. Über die Wiederaufnahme der Lieferungen berichtete die NHK.

Die nur teilweise getrockneten Früchte sind als „anpo kaki“ eine regionale Spezialität.

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