Fukushima aktuell: Hintergründe zum Wasserleck in Reaktor 3

Fukushima aktuell: Hintergründe zum Wasserleck in Reaktor 3

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 3: Aufnahmen des austretenden Wassers am 21. Januar 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Aufnahme des austretenden Wassers am 21. Januar 2014 (Foto: TEPCO)

Die Gegner der Delfinschlachtungen in der Bucht von Taiji, haben mit Yoko Ono eine prominente Unterstützerin. Kraftwerksbetreiber TEPCO muss dagegen seine neusten Probleme in Reaktor 3 alleine angehen. Tatsächlich zeigen die vom AKW Fukushima heute gemeldeten Hintergründe, dass es sich um ein längerfristiges Problem für das Unternehmen handeln könnte.

Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Januar 2014.

Unsere heutige Themen:

  • Hintergründe zum radioaktiven Wasserleck in Reaktor 3
  • Inkorporierte Strahlung bei Kraftwerksarbeiter nachgewiesen
  • Nutzung von Dosimetern in Präfektur Fukushima sinkt
  • TEPCO beschränkte bereits 2011 Entschädigung für Angestellte

Hintergründe zum radioaktiven Wasserleck in Reaktor 3: Nachdem am Sonntag durch einen Roboter der kontinuierliche Austritt von Wasser in Reaktorgebäude 3 entdeckt wurde, hatte der Betreiber TEPCO gestern bekannt gegeben, dass es sich um stark radioaktives Wasser aus dem Sicherheitsbehälter des Reaktors handeln könne (Spreadnews berichtete an beiden Tagen).

Da der Sicherheitsbehälter an einer Seite über eine Öffnung für ein Rohr verfügt, durch das Dampf zur Energierzeugung in eine Turbine geleitet wird, gilt diese Stelle als wahrscheinlicher Ursprung des austretenden Wassers.

Da nach Ansicht von TEPCO der Wasserstand im Sicherheitsbehälter auch auf Höhe der Öffnung liegt, dringe das Wasser vermutlich dort aus dem Reaktor.

Fukushima-Reaktor 3: aufnahmen zum Wasseraustritt nahe der Dampfleitungsisolation am 21. Januar 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Aufnahmen zum Wasseraustritt nahe der Dampfleitungsisolation am 21. Januar 2014 (Foto: TEPCO)

Im Normalfall sei der Bereich um die Öffnung für das Dampfrohr durch den Einsatz von Kunstharz abgedichtet. Allerdings zieht das Unternehmen in Erwägung, dass sowohl die Hitze der geschmolzenen Brennelemente, als auch das Salz des eingeleiteten Meerwassers zur Abnutzung der Dichtung geführt habe. Über die Hintergründe berichteten Asahi Shimbun und NHK.

Der Kraftwerksbetreiber ergänzte heute, dass gegen 13:47 Uhr die ursprüngliche Menge an Wasser deutlich abgenommen habe und begleitet diese aktuellen Angaben mit neuen Videoaufnahmen des herausquellenden Wassers im Gebäude des Dampfdruckleitung.

Inkorporierte Strahlung bei Kraftwerksarbeiter nachgewiesen: Gestern berichteten wir über den Nachweis von radioaktivem Material im Gesicht eines Arbeiters, der bei Dekontaminationsarbeiten in Reaktor 2 zum Einsatz kam. Der Fund war während einer Arbeitspause gemacht worden.

Fukushima-Arbeiter: Schutzmaske mit Aktivkohle-Filter (Foto: TEPCO)
Strahlungsbelastung bei Arbeiter nachgewiesen (Symbolfoto: TEPCO)

Nachdem bei einem 50 Jahre alten Arbeiter radioaktives Material im Mund- und Wangenbereich festgestellt wurde, folgte eine Untersuchung in einem Ganzkörperzähler. Dabei wurde ermittelt, dass in den nächsten 50 Jahren eine inkorporierte Strahlungsdosis von 0,38 Millisievert vorliegen werde.

Die normale interne Belastung eines Menschen durch Umgebungsradioaktivität liegt bei etwa 1,5 Millisievert pro Jahr. Nach Angaben von TEPCO bedeute die zusätzliche Belastung durch die Kontamination keine Gesundheitsgefahr. Der Angestellte eines Partnerunternehmens meldete auch keine körperlichen Beschwerden.

Die Ursache der Strahlungsbelastung wurde vom Kraftwerksbetreiber ebenfalls bekannt gegeben. Demnach habe der Arbeiter das radioaktive Material eingeatmet, nachdem das Sichtfenster seiner Atemmaske beschlagen sei. Daraufhin habe er die Maske etwas gelöst, um mit einem Finger den Augenbereich der Atemmaske zu klären.

Nutzung von Dosimetern in Präfektur Fukushima sinkt: Wie aus einer Umfrage bei 26 Gemeinden, die nach dem Ausbruch der Reaktorkrise tragbare Dosimeter an ihre Bürger ausgehändigt hatte ergab, ist die Nutzung der Geräte stark zurückgegangen.

Innerhalb des laufenden Fiskaljahres, das im März endet, haben nach Auskunft der Ortsverwaltigungen lediglich etwa 85.000 Personen die Dosimeter genutzt – was einem Rückgang von etwa 40 Prozent seit Ausgabe der Geräte im Jahr 2011 bedeutet.

Wie die NHK meldet, gehören sowohl die Verringerung der Strahlungswerte aufgrund der geringen Halbwertszeit einiger Substanzen, als auch das unangenehme Gefühl bei Eltern, die durch Ermahnungen an ihre Kinder immer wieder an die  Strahlungsbelastung erinnert werden.

Dennoch empfehlen sowohl Gemeindeverwaltung, als auch medizinische Berater, das weitere Mitführen der Geräte, da noch nicht alles über die möglichen Risiken für die Gesundheit bekannt sei und langfristige Datenerfassung sinnvoll sei.

TEPCO beschränkte bereits 2011 Entschädigung für Angestellte: Wie bereits zuvor gemeldet, fordert Kraftwerksbetreiber TEPCO von Angestellten, die aufgrund der Fukushima-Katastrophe fliehen mussten, die Rückzahlung von Entschädingunsgeldern (Spreadnews berichtete am 6. und 7. Januar 2014).

Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
TEPCO hielt Entschädigungszahlungen zurück (Symbolfoto: pd)

Anders als zunächst gemeldet, begann das Unternehmen nicht erst im Frühjahr 2013, sondern bereits im Jahr 2011 damit, Einfluss auf die Zahlungen zu nehmen. Das geht aus Dokumenten vom Oktober 2011 hervor – einen Monat nachdem die Regierung in Tokyo den AKW-Betreiber zur Leistung der finanziellen Entschädigung aufgefordert und die Auszahlungen begonnen hatten.

Das Unternehmen erklärte demnach seinen Angestellten, sie würden definitiv entschädigt, sollten jedoch aufgrund der Masse an Anträgen von Bürgern ihre eigenen Anträge bitte erst Anfang Dezember 2011 stellen. Den 10 bis 20 Mitarbeitern, die sich der Aufforderung widersetzten, wurden offenbar alle Entschädigungsleistungen verweigert.

Die Praxis, bei Umzug aus der Präfektur, oder der Verlegung an eine andere TEPCO-Anlage die Entschädigungszahlung zu verweigern lief, wie zuvor berichtet. Im Fall einer Familie hatte der Angestellte seine Forderung nicht wie verlangt zurückgestellt und war umgezogen. Dies reichte dem Arbeitgeber zur Streichung der Entschädigung, da sie keine Flüchtlinge mehr seien.

Die übrigen Betroffenen, die in keiner Arbeitsbeziehung stehen, erhalten ihre Entschädigungszahlungen ohne derartige Forderungen. Über die Personalpolitik von TEPCO berichtete die Mainichi Shimbun.

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