Fukushima aktuell: Hohe Cäsiumkonzentration an Staudämmen

Fukushima aktuell: Hohe Cäsiumkonzentration an Staudämmen

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Miyagawa-Damm im Jahr 2006 (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Der Miyagawa-Damm im Jahr 2006 (Foto: pd)

Während die Situation am AKW Fukushima heute scheinbar keine Besonderheiten aufweist, sind Einwohner der Präfektur über stark radioaktive Sedimente an Dämmen besorgt, die ein Risiko für das Trinkwasser darstellen könnten.

Kritisch betrachtet wird auch die ausbleibende Veröffentlichung von Dokumenten zur AKW-Krise. Weitere Einzelheiten der Fukushima News gibt es jetzt, im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. September 2016.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Hohe Cäsiumkonzentration an Staudämmen in Fukushima
  • Über tausend Fukushima-Dokumente weiterhin unveröffentlicht
  • Umweltaktivist wegen Drohungen verurteilt.
Hohe Cäsiumkonzentration an Staudämmen in Fukushima

Wie eine Untersuchung des Umweltministeriums ergab, sammelten sich am Boden von mehreren Dämmen hohe Konzentrationen von radioaktivem Cäsium, was in der Bevölkerung zu Besorgnis führe.

Die Untersuchung begann im September 2011 an Flüssen und Dämmen, um die Verbreitung von radioaktivem Material aus nicht dekontaminierten Gebieten, wie etwa Wäldern zu ermitteln. Dabei wurden auch an 73 Dämmen in neun Präfekturen wiederholt Wasserproben entnommen.

Die Analysen ergaben, dass an zehn Dämmen der Präfektur Fukushima die durchschnittliche Cäsium-Konzentration in der Bodenschicht über dem Grenzwert von 8.000 Becquerel für kontaminierte Abfälle lag (Fiskaljahre 2011 bis 2015).

Dazu zählen der Ganbe-Damm in Iitate (64.439 Becquerel pro Kilogramm), der Yokokawa-Damm in Minamisoma (27.533 Becquerel) und der Mano-Damm in Iitate (26.859 Becquerel pro Kilogramm).

Die Dämme stauen Wasser auf, dass in der Landwirtschaft und als Trinkwasser Verwendung findet.  Die Strahlungswerte von Proben der Wasseroberfläche ergaben Werte zwischen 1-2 Becquerel pro Liter, was unter dem Trinkwassergrenzwert von 10 Becquerel liegt.

Eine Entfernung der Ablagerungen an den Dämmen ist derzeit nicht geplant, da man fürchtet, durch das Ausheben mit Baggern würde radioaktives Cäsium im Wasser gelöst und in Flüsse gespült werden.

Wie viel Cäsium sich am Boden der Dämme angesammelt hat, ist nach Angaben des Umweltministeriums unklar. Eine umfangreiche Studie durch das nationale Institut für Umwelttechnik (NIES) in Tsukuba, soll in Kürze an mehreren Dämmen beginnen.

Über diese Ergebnisse berichtete die Mainichi Shimbun.

Über tausend Fukushima-Dokumente weiterhin unveröffentlicht

Trotz der Veröffentlichung der Yoshida-Protokolle im September 2014 und der Freigabe von Videomaterial im Jahr 2012, verfügt die japanische Regierung immer noch über einen Haufen an nicht veröffentlichtem Material.

Dabei handelt es sich um Material, das von der unabhängigen Untersuchungskomission für die Fukushima-Krise (NAIIC) zusammengetragen worden war. Im Jahr 2012 wurde der  Fukushima-Bericht der NAIIC veröffentlicht und  ein Verkaufsschlager in Japan.

Dennoch sind Dokumente und 900 Stunden an Aussagen von 1.167 Personen, die während der Akutphase der Krise im März 2011 involviert waren, immer noch nicht veröffentlicht.

Auch wenn einige Aussagen unter der Voraussetzung gemacht wurden, dass diese Informationen nicht publik gemacht werden, gibt es Befürworter einer grundsätzlichen Veröffentlichung.

Man könne erst dann aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, wenn diese allgemein bekannt sind, so dass sie zur Grundlage für neue Pläne werden können. Auch eine authentische, literarische Aufbereitung des Themas sei nur bei ausreichender Information möglich.

Diskussionen um künftige Veröffentlichungen waren durch die politischen Umwälzungen und Wahlen im Dezember 2012 abgebrochen.

Politiker der LDP und DPJ fürchten nach Einschätzung einer überparteilichen Gruppe atomkraftkritischer Politiker, wegen ihrer Propaganda für Kernkraft (LDP), bzw. ihr Krisenmanagement (DPJ) negative Reaktionen zu erhalten.

Darüber hinaus ist man den Aufforderung der damaligen Untersuchungskommission, ein neues, unabhängiges Nachfolgekomitee die Arbeit zur Ermittlung fortzuführen, bislang nicht nachgekommen.

Die ebenfalls geforderten Sonderkomitees in beiden Kammern des Kabinetts wurden zwar im Jahr 2013 eingeführt, wurden aber zu PR-Plattformen für die Atomenergie.

Angesichts dieser Umstände ist unklar, wann es zur Veröffentlichung des zurückgehaltenen Fukushima-Dokumente kommen wird. Über diesen Umstand berichtete die Asahi Shimbun.

Umweltaktivist wegen Drohungen verurteilt

Ein kanadisches Gericht verurteilte am vergangenen Donnerstag den Umweltaktivisten Dana Durnford zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren, nachdem er zwei bekannte Meeresforscher mit Gewalt gedroht hatte.

Der Verurteilte ist im Internet vielseitig aktiv und verbreitet die Behauptung, die weltweiten wissenschaftlichen Institutionen würden mit der Atomlobby zusammenarbeiten, um das wahre Ausmaß von AKW-Krisen, wie der am AKW Fukushima Daiichi, herunterzuspielen.

Einer der bedrohten Wissenschaftler, Jay Cullen, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Der jetzt Verurteilte hatte vor der Entscheidung ein Video veröffentlicht, in dem er behauptet, die Prozesskosten sollten Kritiker finanziell ruinieren und so zum Schweigen bringen.

Über das Urteil berichteten verschiedene Medien.

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