Fukushima aktuell: Hohe Konzentration von radioaktivem Material an Flussufern

Fukushima aktuell: Hohe Konzentration von radioaktivem Material an Flussufern

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Artikelbild - Der Fluss Abukuma in der Stadt Fukushima (Foto: pd)
Der Fluss Abukuma in der Stadt Fukushima (Foto: pd)

Radioaktive Umweltbelastung besteht in der Präfektur Fukushima heute weiterhin. Das belegen offenbar auch aktuelle Untersuchungen. Unterdessen muss TEPCO gleich zwei Niederlagen verkraften, die Fortschritte, Ansehen und Finanzen des Unternehmens betreffen.

Die Details der aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Juli 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Hohe Konzentration von radioaktivem Material in Flüssen nachgewiesen
  • TEPCO räumt zum ersten Mal Eiswall-Defizite ein
  • TEPCO muss erstmals für Folgen der Rufschädigung durch AKW-Krise zahlen
Hohe Konzentration von radioaktivem Material in Flüssen nachgewiesen

Untersuchungsergebnisse der Umweltorganisation Greenpeace Japan, die am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurden, deuten auf eine hohe Konzentration von radioaktivem Material an den Ufern der Flüsse in den Präfekturen Fukushima und Miyagi hin.

Die im Februar und März entnommenen Proben stammen von den Flüssen Abukuma, Niida und Ota.

Mit Ausnahme einer Probe von den Ufern des Abukuma, die lediglich eine Cäsiumkonzentration von 309 Becquerel pro Kilogramm aufwies, lagen alle anderen Werte über 1.000 Becquerel pro Kilogramm.

Der höchste Wert wurde am Niidagawa gemessen. Auf der Uferseite zur Stadt Minamisoma (Präfektur Fukushima), konnte radioaktives Cäsium in Höhe von 29.800 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen werden.

Zu den weiteren Punkten der Untersuchungen gehörten auch Sedimentproben von 25 Stellen vor der Küste der Präfektur Fukushima. Sie wurden aus unterschiedlichen Tiefen entnommen.

Hier wies eine Probe aus dem Küstengebiet vor dem AKW Fukushima Daiichi den höchsten Wert von 144 Becquerel auf, während der niedrigste südlich der Anlage, in Nakanosaku nachgewiesen wurde und lediglich 6,5 Becquerel pro Kilogramm betrug.

In der Präfektur Shiga, weit ab von Fukushima, wurden zudem Proben am Biwa-See genommen, der als Trinkwasserquelle für etwa 14 Millionen Menschen dient. Nur zwei Proben wiesen geringe Belastungen zwischen 7,1 und 13 Becquerel pro Kilogramm auf.

Die Neustartpläne für Reaktoren in der Nachbarpräfektur Fukui führen dagegen zu Spannungen zwischen der Betreiberfirma Kansai Electric und Bürgern, die eine Stilllegung fordern, da sie eine Gefährdung ihres Trinkwassers sehen.

Die Umweltschutzorganisation betonte im Bezug auf die Ergebnisse in Fukushima und Miyagi, da das radioaktive Material durch Ökosysteme wandere und eine anhaltende Quelle für Strahlungsbelastung darstelle, sei eine langfristige Beobachtung der Entwicklung dringend erforderlich.

Über die Ergebnisse der Aktivisten berichteten Präfekturmedien.

In der Vergangenheit waren bereits stark radioaktive Sedimente in Flüssen nachgewiesen worden.

TEPCO räumt zum ersten Mal Eiswall-Defizite ein

Das gestrige mediale Verwirrspiel hat sich durch die Veröffentlichung von Material der Atomaufsichtsbehörde NRA und weitere Berichterstattung offensichtlich geklärt.

Demnach räumte der Kraftwerksbetreiber TEPCO bei einem Treffen am Dienstag tatsächlich erstmals öffentlich ein, dass es technisch nicht möglich sei, durch den Eiswall den Grundwasserfluss zu 100 Prozent zu stoppen.

Die Nachfrage des Atomexperten Kiyoshi Takasaka, ob dieses Eingeständnis eine Kursänderung des Unternehmens darstelle, wurde jedoch von TEPCO verneint.

Man plane, den Eiswall so weit wie möglich zu schließen. Das endgültige Ziel sei es jedoch, den Zufluss zu reduzieren, nicht gänzlich zu stoppen. Daher habe sich die Unternehmenspolitik nicht geändert.

Dieses Eingeständnis könnte sich dennoch negativ auf die Rückkehrbereitschaft früherer Einwohner des Sperrgebiets auswirken, die auf eine gänzliche Kontrolle der Situation vertraut hatten. Über die unerwartete Entwicklung berichteten mehrere japanische Medien.

Kritiker hatten bereits die Abdichtungsfähigkeit des Eiswalls bestritten und tatsächlich sah sich TEPCO schon gezwungen, Nachbesserungen am Eiswallprojekt durchzuführen, indem Beton zur Reduzierung des Grundwasserflusses eingespritzt wurde.

Die Schaffung eines unterirdischen Kühlkreislaufs, dessen Bodengefrierung eine natürliche Barriere bilden soll, um die Vermischung radioaktiver Reaktorabwässer mit dem Grundwasser zu verhindern, ist neben der Verklappung gefilterten Wassers eine der entscheidenden Maßnahmen bei der Bewältigung der täglich tonnenweise anfallenden Wassermengen.

TEPCO muss erstmals für Folgen der Rufschädigung durch AKW-Krise zahlen

Erstmals seit den Ereignissen vom März 2011, hat ein japanisches Gericht den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi zur Zahlung von Schadensersatz aufgrund von Umsatzeinbußen durch nachteilige Gerüchte und Strahlungsängste aufgefordert.

Der Kläger war Betreiber einer Golfanlage in der Präfektur Tochigi, nördlich von Tokyo. Aufgrund der Angst vor radioaktivem Niederschlag verringerte sich die Zahl der Spieler und er erlitt finanzielle Einbußen. Der Golfplatzeigentümer forderte 86,4 Millionen Yen.

Für den Zeitraum von mindestens fünf Monaten nach Ausbruch der Krise gingen die Einnahmen massiv zurück. Am gestrigen Mittwoch wurde TEPCO nun gerichtlich zur Zahlung von 19,6 Millionen Yen angewiesen.

Das Unternehmen hatte sich darauf berufen, mit einer räumlichen Distanz von 115 Kilometern zum Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, habe keine Gesundheitsgefahr für die Nutzer des Golfplatzes bestanden.

Das Gericht gab jedoch dem Kläger Recht und der Vorsitzende Richter Tetsuro Nakayoshi, begründete dies mit dem Umstand, dass von einem normalen Bürger nicht ausreichende Kenntnisse über Radioaktivität zu erwarten sind, um die Situation richtig zu beurteilen.

Für die allgemeine Bevölkerung sei die Einschätzung, der Aufenthalt dort könne ein gesundheitliches Risiko darstellen, durchaus angemessen und keineswegs überzogen.

TEPCO erklärte, man werde das Urteil prüfen und sich aufrichtig mit der Angelegenheit befassen. Über die Entscheidung berichteten mehrere japanische Medien, darunter Asahi Shimbun und NHK.

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