Fukushima aktuell: IAEA legt Abschlussbericht zur Fukushima-Katastrophe vor

Fukushima aktuell: IAEA legt Abschlussbericht zur Fukushima-Katastrophe vor

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Artikelbild - IAEA-Hauptsitz in Wien (Foto: pd)
IAEA legt Abschlussbericht zur Fukushima-Katastrophe vor (Foto: pd)

Der abschließende Bericht der IAEA wird bei einigen Personen, für die Fukushima heute noch aktuell ist, sicher für Kopfschütteln sorgen.

Weitere Fukushima News die Japan aktuell bewegen, sind unter anderem Schilddrüsenkrebsuntersuchungen und die Verklappung radioaktiven Grundwassers. Details nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. September 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Fukushima-Abschlussbericht der IAEA fertiggestellt
  • Präfektur Fukushima lässt Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs untersuchen
  • Vorbereitung für Verklappung radioaktiven Grundwassers angekündigt
  • Langfristige Rückkehr in Sperrgebietsgemeinde begonnen

Fukushima-Abschlussbericht der IAEA fertiggestellt: Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA veröffentlichte gestern ihren Abschlussbericht über die Katastrophe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

In dem 200 Seiten umfassenden Dokument kommen die 180 Experten zu dem Schluss, der Hauptfaktoren der Krise sei im blinden Glauben an die Sicherheit der Kernkraftwerke gefunden worden.

Zudem habe das Unternehmen verabsäumt, die Tsunami-Schutzdämme zu erhöhen, obwohl Einschätzungen der Regierung die Möglichkeit eines außergewöhnlich hohen Tsunami aufgeworfen hatten.

Auch die Versäumnis, einen Ausfall externer Stromversorgung oder Zwischenfälle an mehreren Reaktoren gleichzeitig in den Katastrophenplan einzubeziehen, hätten die Katastrophe begünstigt.

Die Notwendigkeit, die Struktur der Sicherheitsmaßnahmen zu hinterfragen sei nicht gesehen worden, so dass keine zeitnahe Nachrüstung durchgeführt wurde.

Damit teilt der Bericht zunächst nichts neues mit.

Atomkraftgegner dürften jedoch besonderes Interesse an der Einschätzung der Strahlungsgefahr haben.

Tatsächlich kommt die IAEA zu dem Schluss, man rechne nicht mit einem erkennbaren Anstieg von langfristigen Gesundheitsfolgen, auch wenn diese erst nach Jahren eintreten können.

Hierzu sei die Strahlungsdosis, der die Allgemeinheit ausgesetzt war, insgesamt zu gering gewesen.

Ein Zusammenhang zwischen der Fukushima-Katastrophe und dem auftreten von Schilddrüsenkrebs bei Kindern und dem Nachweis von Knoten an der Schilddrüse sei ebenfalls unwahrscheinlich.

Weder bei Kraftwerksarbeitern, noch bei der Zivilbevölkerung habe man unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit feststellen können.

Man habe jedoch nicht restlos klären können, welcher Strahlungsdosis die Kinder direkt nach den Reaktorkatastrophen ausgesetzt waren. Damit sind letztlich auch deren mögliche Auswirkungen unklar.

Der Bericht wird formell ab dem 14. September vorgestellt. Auf ihrer Webseite ist der Fukushima-Abschlussbericht der IAEA bereits veröffentlicht.

Die Einschätzungen der IAEA wurden von mehreren Medien aufgegriffen, darunter jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Präfektur Fukushima lässt Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs untersuchen: Während die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in ihrem Abschlussbericht feststellt, dass kein Zusammenhang mit der AKW-Krise besteht, will die Präfektur Fukushima es offenbar genauer wissen.

Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Fukushima, soll anhand der Daten von 300.476 getesteten Personen bis 18 Jahren feststellen, ob in der Präfektur eine erhöhte Rate bei Schilddrüsenkrebs vorliegt.

Hierzu werden diese Informationen mit den landesweiten Fällen von Schilddrüsenkrebs unter Berücksichtigung von Faktoren wie Zeitraum, Alter und Wohnort abgeglichen.

Mit Stand vom April diesen Jahres gab es bislang 98 bestätigte Fälle von Schilddrüsenkrebs in der untersuchten Gruppe, sowie 14 Verdachtsfälle.

Wie die Präfekturverwaltung gestern bekannt gab, wurden bei der zweiten Untersuchungsreihe, die zwischen April 2014 und Juni 2015 lief, bei einem Kind, das im ersten Durchlauf keinen Krebs aufwies, nun Schilddrüsenkrebs nachgewiesen.

Insgesamt habe man bei dieser zweiten Untersuchungsreihe sechs Fälle von Schilddrüsenkrebs nachgewiesen und neun Verdachtsfälle festgestellt. Über die Pläne und aktuellen Zahlen berichtete die Mainichi Shimbun.

Vorbereitung für Verklappung radioaktiven Grundwassers angekündigt: Am Donnerstag will Kraftwerksbetreiber TEPCO mit dem Auspumpen von radioaktiv belastetem Grundwasser beginnen.

Sollten die Analysen nach der Filterung eine Einhaltung der Grenzwerte bestätigen, könnte das Wasser in den Pazifik eingeleitet werden. Das geht aus Gesprächen mit den Verantwortlichen hervor.

Zuvor hatte der Präfekturdachverband der Fischereikooperativen den Plänen zur Verklappung von kontaminiertem Grundwasser zugestimmt.

Experten von TEPCO und der Regierung gehen davon aus, bei regelmäßiger Durchführung die täglich anfallende Menge von 300 Tonnen kontaminiertem Grundwasser halbieren zu können.

Über diesen ersten Zeitplan zur Verklappung berichteten Präfekturmedien.

Bislang war lediglich die Verklappung von sauberem Grundwasser aus den Bergen zur Kontrolle des Grundwasserpegels auf dem Kraftwerksgelände zulässig.

Langfristige Rückkehr in Sperrgebietsgemeinde begonnen: Am gestrigen Montag konnten die Einwohner von drei Sperrgebietsgemeinden für drei Monate in ihre einstigen Wohnorte zurückkehren.

Möglich wird dieser langfristige Aufenthalt durch die gesunkenen Strahlungswerte in der Stadt Minamisoma und den Orten Kawamata und Katasurao.

Während in den beiden kleineren Ortschaften die Dekontaminationsarbeiten bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen wurden, sind in Minamisoma lediglich 26 Prozent der Arbeiten abgeschlossen.

Aufgrund der Berücksichtigung des natürlichen Strahlungsrückgangs ist nach Ansicht der Behörden aber auch bereits dort ein langfristiger Aufenthalt möglich.

Insgesamt hätten 14.255 Personen aus 4.647 Haushalten die Möglichkeit zum Langzeitaufenthalt. Wie groß die Bereitschaft jedoch tatsächlich ist, muss sich jedoch noch zeigen.

Als Sicherheitsmaßnahme wird den Haushalten Dosimeter ausgehändigt und Gesundheitskontrollen durchgeführt.

Mit Stand vom gestern haben sich bislang lediglich 1.308 Personen aus 478 Haushalten bei den Behörden für die Maßnahme gemeldet.

Die Regierung will im November über eine Aufhebung der Evakuierungsanordnungen beraten, nachdem man die Meinung der geflohenen Einwohner eingeholt hat.

Für Katsurao und Kawamata ist eine vollständige Aufhebung der Evakuierungsanordnung für das Frühjahr 2016 vorgesehen, während für Minamisoma der April des gleichen Jahrs avisiert wird.

Für Naraha, wo bereits mehrmonatige Aufenthalte zulässig sind, wir eine Aufhebung der Evakuierungsanordnung für Samstag erwartet.

Die Rückkehrmöglichkeit wird von den einstigen Bewohnern durchaus kritisch gesehen. Jene, die bereits eine neue Anstellung gefunden haben, werden dieses Stück Normalität vermutlich nicht aufgeben wollen.

Auch das Misstrauen gegenüber dem Kraftwerksbetreiber TEPCO und der Regierung könnte die Zahl der Rückkehrer verringern. Über die Rückkehraussichen berichteten Mainichi Shimbun, jiji und Asahi Shimbun.

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