Fukushima aktuell: Internationale Diskussionen um Lebensmittelexporte

Fukushima aktuell: Internationale Diskussionen um Lebensmittelexporte

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Artikelbild - Lebensmittel-Auswahl in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Importverbote japanischer Lebensmittel: Taiwan und Russland bewegen sich (Symbolfoto, Copyright by KJ)

Lebensmittel aus Fukushima haben trotz Auszeichnungen auf internationalen Messen immer noch ein Imageproblem. Doch zumindest in die Diskussion um Importverbote kommt neuer Wind. Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Juli 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Widersprüchliche Berichte über Taiwans Importverbot
  • Russland lockert Importverbot für Meeresfrüchte
  • Verarbeitung kontaminierter Abfälle in Zwischenlager geplant
  • Mehrheit der Japaner gegen AKW-Neustarts

Widersprüchliche Berichte über Taiwans Importverbot: In die Diskussion um Einfuhrbeschränkungen für Lebensmittelimporte aus Japan kommt offenbar Bewegung.

Taiwanesische Medien hatten zunächst berichtet, bereits für kommende Woche sei eine Aufhebung des Importverbots geplant.

Heute dementierte das zuständige Ministerium diese Berichte, erklärte jedoch, man sei in der Tat bereit, Gespräche mit den Vertretern japanischer Interessen zu führen.

Taiwan hatte nach der Fukushima-Katastrophe den Import von Lebensmitteln aus fünf Präfekturen – Fukushima, Chiba, Gunma, Ibaraki und Tochigi – verboten.

Japan hatte diese Maßnahmen als übertrieben kritisiert und die Sicherheit japanischer Produkte betont.

Taiwan verschärfte die Lebensmittelregelung im Mai erneut, nachdem illegale Importe durch vorsätzliche Umetikettierung aufgedeckt worden waren.

Auch wenn die taiwanesische Regierung eine Einigung bestreitet, erklärten vertrauliche Quellen, die Sicherheit der Lebensmittel stehe längst außer Frage und ein Boykott entbehre jeder Grundlage

Über die angebliche Aufhebung und das Dementi berichteten neben der taiwanesischen United Daily News, auch die Kyodo und Präfekturmedien.

Russland lockert Importverbot für Meeresfrüchte: Die russische Regierung hat den Lieferstopp für Meeresprodukte aus der Präfektur Aomori aufgehoben.

Für sieben weitere Präfekturen bleibt das Verbot jedoch bestehen. Hierzu zählen neben den drei Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi, auch Niigata, Yamagata, Chiba und Ibaraki.

Russland begründet die teilweise Aufhebung mit den Zwischenergebnissen einer Studie der Internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEA vom Februar.

Bei der Einschätzung spielte auch die räumliche Distanz zum Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

Vor Ausbruch der Katastrophe war etwa 520 Betrieben die Fischereiprodukte verarbeiteten der Export nach Russland möglich.

Seit April 2011 besteht für mehr als 200 Unternehmen ein Verbot. Hiervon waren auch Unternehmen der Präfektur Aomori betroffen. Über die Lockerung des Importverbots berichtete die Kyodo.

Verarbeitung kontaminierter Abfälle in Zwischenlager geplant: In einem Modellprojekt will das Umweltministerium eine Anlage testen, die radioaktives Cäsium aus dem angelieferten Erdreich im Zwischenlager filtern soll.

Ziel der Maßnahme ist es, die Menge an stark kontaminiertem Bodenmaterial zu reduzieren und im besten Fall sogar eine Wiederverwendung möglich zu machen.

Durch eine entsprechende Anlage soll der Boden durch den Einsatz vom Ultraschall und Hochdruckwasser in Lehm, Kies und Sand getrennt, und dabei kontaminiertes Material ausgeschwemmt werden.

Da das angelieferte Erdreich je nach Kontaminationsgrad unterschiedlichen Lagerungsbestimmungen unterliegt, könnte etwa gering belasteter Kies in Bauprojekten genutzt werden.

Auch das Volumen der eingelagerten Dekontaminationsabfälle ließe sich so reduzieren und der Platzbedarf verringern.

Auch wenn das Ministerium bereits Gelder aus dem Budget für das Fiskaljahr 2015 für die Durchführung des Tests vorgesehen hat, wird die Zukunft dieser Technologie wesentlich von den Kosten für den Steuerzahler abhängen.

Im Zuge der Dekontaminationsarbeiten nach der Fukushima-Katastrophe sind etwa 20 Millionen Kubikmeter radioaktives Erdreich angefallen, die eingelagert werden müssen.

Über die aktuellen Pläne für das Projekt berichteten Präfekturmedien.

Mehrheit der Japaner gegen AKW-Neustarts: Eine aktuelle Meinungsumfrage der Nachrichtenagentur jiji zeigt, dass die Mehrheit der Befragten gegen den Neustart der Kernkraftwerke des Landes ist.

Insgesamt 54,3 Prozent der gültigen Antworten sprachen sich gegen Neustarts aus. Lediglich 32,7 Prozent befürworteten die Neustartpläne.

Dennoch soll Reaktor 1 am AKW Sendai (Präf. Kagoshima) noch Mitte des kommenden Monats wieder hochgefahren werden, und wäre damit seit September 2013 der einzige aktive Reaktor des Landes.

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