Fukushima aktuell: Japan zerrt Südkorea wegen Importverbot vor WTO

Fukushima aktuell: Japan zerrt Südkorea wegen Importverbot vor WTO

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Artikelbild - Tokyo: Fische auf dem Straßenmarkt Ameyoko (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Fische auf dem Straßenmarkt Ameyoko (Foto: Copyright by KJ)

Dass die Katastrophe von Fukushima heute nach wie vor Auswirkungen auf Japans politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Nachbarstaaten hat, wurde durch die jüngste Entwicklung deutlich.

So sieht sich die Regierung in Japan aktuell nicht nur von innen-, sondern auch durch außenpolitische Wirtschaftsprobleme geplagt. Welchen Stellenwert dabei die Fukushima News haben und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 20 . August 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Japan zerrt Südkorea wegen Fukushima-Importbeschränkungen vor WTO
  • Weiterhin erhöhte Tritiumwerte an Messposten
  • Testtransport von Dekontaminationsabfällen aus Asakawa begonnen
  • Bereitschaft zum Grundstücksverkauf für Zwischenlager

Japan zerrt Südkorea wegen Fukushima-Importbeschränkungen vor WTO: Die japanische Regierung forderte am heutigen Mittwoch die Welthandelsorganisation (WTO) zum Handeln im Streit um die Importbeschränkungen japanischer Produkte in Korea auf.

Nachdem Südkorea in Verhandlungen keine Bereitschaft gezeigt habe, die Beschränkungen für japanische Fischereiprodukte zu lockern, fordert Japan nun die Untersuchung und Vermittlung durch einen Ausschuss.

Das Verbot entbehre jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und verstoße gegen Internationalen Handelsgesetze, so die Regierung in Tokyo.

Südkorea sieht die Maßnahme dagegen als rechtmäßiges Mittel zur Wahrung der Lebensmittelsicherheit des Landes an.

Die koreanische Regierung hatte nach der Fukushima-Katastrophe im März 2011 ein Handelsverbot für japanische Fischereierzeugnisse verhängt.

Die ungeplante Freisetzung radioaktiver Abwässer in das offene Meer und die falsche Deklaration japanischer Produkte, tragen zum angespannten Verhältnis bei.

Über die Einschaltung der Welthandelsorganisation berichteten Kyodo und jiji.

Weiterhin erhöhte Tritiumwerte an Messposten: Am Grundwassermessposten G2, der sich am Lagertankbereich H6 befindet, wurde eine Tritiumkonzentration von 3.500 Becquerel pro Liter nachgewiesen.

Eine Probe vom 17. August wies dagegen lediglich 230 Becquerel pro Liter auf. TEPCO sieht auch im jüngsten Fall die Regenfälle als Ursache für den Anstieg. Andere Auffälligkeiten habe es nicht gegeben.

Testtransport von Dekontaminationsabfällen aus Asakawa begonnen: Am gestrigen Mittwoch begann die Räumung von radioaktiv kontaminierten Abfällen aus der Ortschaft Asakawa (Präf. Fukushima).

Bei dem Material handelt es sich um 86 Sandsäcke mit Erdreich, das bei den dortigen Dekontaminationsarbeiten angefallen waren. Derartige Säcke werden häufig auf Schulhöfen, in Parks und auf anderen Großflächen übergangsweise gelagert.

In Asakawa befindet sich die Grundschule Yamashiraishi. Der Transport der ersten Lieferung wird etwa drei Tage in Anspruch nehmen und das Material dann im Zwischenlager Okuma, das sich noch im Status zwischen Planung und Bau befindet, eingelagert werden.

Für die gesamte Räumung werden etwa drei Wochen angesetzt. Über den Transport berichteten Präfekturmedien.

Bereitschaft zum Grundstücksverkauf für Zwischenlager: Die Eigentümer von Grundbesitz in der Nähe des AKW Fukushima zeigen sich im Bezug auf den Verkauf grundsätzlich kooperativ.

Auf einem 16 Quadratkilometer messenden Gelände der Gemeinden Futaba und Okuma, soll ein Zwischenlager von kontaminierte Abfälle entstehen.

Seit September vergangenen Jahres versucht das Umweltministerium die dortigen Besitzer zu kontaktieren und mit ihnen über den Verkauf zu verhandeln.

Eine Anfrage des Umweltministeriums bei 850 Eigentümern ergab, dass 570 von ihnen bereit waren, in Zusammenarbeit mit Landvermessern den Wert ihrer Grundstücke ermitteln zu lassen (Stand Juli 2015).

Doch trotz dieser positiven Signale und der grundlegenden Akzeptanz der Entschädigungsrichtlinien, sind bei Verhandlungen mit 300 Eigentümern bislang lediglich fünf Verkaufsverträge unterzeichnet worden.

Ursache hierfür ist nicht etwa mangelnde Kooperation der Grundstücksbesitzer – viele von ihnen haben ohnehin keine Hoffnung mehr, jemals zurückkehren zu können – sondern an der Unterbesetzung der Projektmitarbeiter beim Ministerium.

Die hierfür erforderlichen Grundstücke gehören 2.365 Personen und es wird mehrere Jahre benötigen, bis alle Grundstücke erworben werden konnten. Daher sollen bereits jetzt Bauarbeiten auf dem gekauften Gelände anlaufen, anstatt auf die vollständige Verfügbarkeit zu warten.

Die Anlage, deren Fertigstellung für das Frühjahr 2045 anvisiert ist, wird Platz für 22 Millionen Kubikmeter an Dekontaminationsabfällen bieten. Über die Bereitschaft zum Verkauf berichtete die Asahi Shimbun.

 

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