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Fukushima aktuell: Jeder Taifun steigert das Problem radioaktiver Abwässer

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Artikelbild - Taifun Phanfone am 4. Oktober 2014 (Foto: NOAA, pd)
Taifun Phanfone am 4. Oktober 2014 (Foto: NOAA, pd)

TEPCO sieht schwere Stürme offenbar als gravierendes Problem an und will handeln. Daneben werden vom AKW Fukushima heute ebenso Fortschritte gemeldet, wie auch aus der Präfektur. Die Details der Fukushima News, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Oktober 2014.
Unsere heutigen Themen:

  • Taifun trägt zu kontaminiertem Wasser bei
  • Brennelemente-Bergung an Reaktor 4 dauert an
  • Reisernte in Fukushima-Sperrgebiet
  • Taifun unterbrach Patrouillen und Probenentnahmen

Taifun trägt zu kontaminiertem Wasser bei: Am gestrigen Montag berichteten wir an dieser Stelle über den Alarm von Leckdetektoren aufgrund des Taifuns Phanfone. Doch nach heutiger Darstellung von TEPCO, sind die schweren Regenfälle mehr als nur Anlass für technisch bedingten Fehlalarm.

Durch den Umstand, dass das Regenwasser in das Innere der Turbinengebäude gelangt, wird es dort sehr stark durch radioaktives Material kontaminiert.

Neben dem Eindringen von Grundwasser in die Untergeschosse voll radioaktiver Abwässer, tragen dort nach Darstellung von TEPCO auch solch schwere Regenfälle zum Anfallen weiterer radioaktiv belasteten Wassers bei.

Man suche nach Möglichkeiten, den Einfluss der Taifunsaison und der damit verbundenen Stürme auf die Vermehrung kontaminierter Abwässer zu verringern. Problematisch ist, dass das Regenwasser auch durch Kabelschächte und Öffnungen für Rohre in die Gebäude gelangt, die jeweils separat abgedichtet werden müssten.

TEPCO bestätigte erneut, der Regen habe zwar zu neuem radioaktivem Wasser geführt, dieses sei jedoch nicht in die Umwelt gelangt, sondern in die Untergeschosse geflossen. Neben TEPCO berichteten auch Präfekturmedien über  die Taifunfolgen.

Stark radioaktives Wasser muss zunächst eingelagert, später gefiltert und mit verringerter Kontamination erneut eingelagert werden. Täglich fallen mindestens 400 Tonnen kontaminierter Abwässer an – ein großer Teil stammt aus den vollgelaufenen Untergeschossen von Turbinengebäuden.

Brennelemente-Bergung an Reaktor 4 dauert an: Am gestrigen Montag wurde eine Reihe weiterer Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 gehoben und an andere Lagerstandorte auf dem Kraftwerksgelände transportiert. Damit sind bislang 1276 der insgesamt 1533 Brennelemente aus Reaktor 4 geborgen und umgelagert worden.

Fukushima-Reaktor 4: Verladung des Transportbehälters am 21. November 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Verladung eines Transportbehälters am 21. November 2013 (Foto: TEPCO)

Dabei handelt es sich um 1254 bereits abgebrannte Brennelemente (Gesamtzahl: 1.331) und 22 ungenutzte Brennelemente (Gesamtzahl: 202). Die Zahl der durchgeführten Transporte beläuft sich derzeit auf 58 Transfers. Über die aktuellen Arbeitsschritte berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Der bisherige Ablauf der Arbeiten wurde nach verschiedenen Entdeckungen zwar komplizierter als vermutet, jedoch offiziell nicht gefährdet, so dass nach Einschätzung des Unternehmens eine Einhaltung des Zeitplans möglich sein wird.

Die Bergung von Brennelementen begann im November 2013 und sowohl der Zustand des Reaktorgebäudes, als auch die potentiellen Risiken der Bergungsarbeiten, hatten in einigen internationalen Medien zum Entwurf dramatischer Krisenszenarien geführt.  Bislang wurden jedoch offiziell keine schwerwiegenden Zwischenfälle gemeldet.

Im Dezember 2013 und Januar 2014 waren Verformungen an Brennelementen und deren Halterung entdeckt worden, sowie im März erstmals ein Ausfall am Bergungskran auftreten. Aufgrund der großen Zahl der Brennelemente war im Juni die Auslagerung der Brennelemente auf andere Gebäude notwendig geworden.

Somit traten zwar offiziell bislang keine ernstahften technischen Störungen auf, allerdings räumte der Kraftwerksbetreiber im Februar eine erhöhte Gesundheitsgefährdung der Arbeiter durch die Brennelementebergung ein, versprach jedoch auch, durch verbesserte Bleiabschirmung die Angestellten zu schützen.

Nach einer Wartungspause wurden im September die Brennelementetransfers an Reaktor 4 wieder aufgenommen. Der Abschluss der Bergung in Reaktor 4 ist für November geplant.

Reisernte in Fukushima-Sperrgebiet: Nachdem im Mai 2014 auf einem Feld in der Ortschaft Okuma die Reissorte „Hitomebore“ angebaut worden war, folgte nun die Ernte vor Ort. Die Pflanzung innerhalb des Sperrgebiets dient nicht der Versorgung und der Reis wird nicht in den Handel gelangen, sondern stellt einen wissenschaftlichen Versuch dar.

Eine Reis-Rispe
Fukushima-Sperrgebiet: Reis aus Teepflanzung geerntet. (Symbolfoto: pd)

Ziel ist es zu ermitteln, ob nach der Durchführung einer Dekontamination die landwirtschaftliche Nutzung theoretisch wieder aufgenommen werden könnte. Nach der jetzigen Ernte wird der Reis etwa zwei Wochen lang getrocknet, bevor er anschließend auf Strahlungsbelastung geprüft wird.

Vor dem Ausbruch der Fukushima-Katastrophe, wurden alleine in Okuma auf einer Fläche von 800 Hektar Reisanbau betrieben. Die Stadtverwaltung hofft, das Testergebnis werde zugunsten der Pflanzung ausfallen, da eine Wiederaufnahme der Landwirtschaft den früheren Bewohnern mehr Rückkehranreize geben werde. Das berichtet die NHK. Okuma ist allerdings auch einer der Standorte, auf deren Gelände ein Zwischenlager für Dekontaminationsabfälle geplant ist.

Taifun unterbrach Patrouillen und Probenentnahmen: Die für gestern standardmäßig angesetzten Kontrollgänge und Entnahmen von Wasserproben mussten aufgrund des Taifun Phanfone in einigen Bereichen der Kraftwerksanlage ausgesetzt werden. Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilte, hätten die zuvor durchgeführten Prüfungen keine Hinweise auf Schäden oder abweichende Analyseergebnisse gegeben.

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