Fukushima aktuell: Keine Regierungsunterstützung für Dekontaminationshelfer

Fukushima aktuell: Keine Regierungsunterstützung für Dekontaminationshelfer

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Artikelbild - Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)
Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)

Die Woche beginnt mit Berichten über freiwillige Dekontaminationshelfer und auch über ein Leck wird vom AKW Fukushima heute berichtet. Weitere Fukushima News gibt es im aktuellen Spreadnews Japan-Ticker vom 9. März 2015.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Keine Regierungsunterstützung für Dekontaminationshelfer
  • Futaba entfernt Atomenergie-Slogans
  • Über 700 Nachbeben im Jahr 2014
  • Leck an Verbindungsleitung

Keine Regierungsunterstützung für Dekontaminationshelfer: Mehrere zehntausend Freiwillige, die bei Arbeiten in Gebieten um das AKW Fukushima beschäftigt waren und deren Dekontamination der Regierung in Tokyo unterliegt, wurden nicht bei der Kontrolle ihrer Strahlungsbelastung unterstützt.

Allein die Organisation „Minamisoma Volunteer Katsudo Center„, entsandte zwischen April und Februar 2014 etwa 32.000 Freiwillige in den Bezirk Odaka. Das Gebiet lag ursprünglich in einem 20-Kilometer-Sperrgebiet, bevor die Regelung dort im April 2012 gelockert wurde. Insgesamt meldet die Organisation 4.500 Einsätze.

Zu den dortigen Arbeiten zählten das Mähen von Gras (1.800 Einsätze), die Beseitigung von Schlamm aus Kanälen (200 Arbeitseinsätze) und die Beschneidung von Bäumen (500 Einsätze). Dies sind Aufgaben, die eigentlich von Beschäftigten der Regierung in Tokyo durchgeführt werden sollten.

Doch während die Regierung freiwillige Helfer in Gebieten mit geringerer Strahlung, die unter Verwaltung der Gemeinden stehen, in ihre Arbeit einwies, hatte man in Tokyo offenbar kaum Kenntnisse von den Arbeiten, die unter direkter Aufsicht der Regierung standen.

Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Tatsächlich wurden im Fall von Freiwilligen keine regelmäßigen Messungen der individuellen Strahlungsbelastung durchgeführt, noch wurde diese protokolliert, da dies gesetzlich nur bei offizieller Beschäftigung notwendig ist.

Die Sicherheit für die freiwilligen Helfer bestand lediglich in einer vorausgehenden Strahlungsmessung des Geländes und der Aufforderung, bei hohen Strahlungswerten ein Dosimeter mit sich zu führen.

Die Arbeit, die von den Helfern geleistet wird ist nicht unerheblich, ergab doch eine Untersuchung des Umweltministeriums mit Stand von Ende Januar, das lediglich sieben Prozent der Arbeiten im Bezirk Odaka durch Beschäftigte der Regierung erfolgte, während der Großteil der Dekontaminationsmaßnahmen von Freiwilligen durchgeführt wurde.

Ähnliche Arbeitseinsätze melden auch die Gruppe „Soso Volunteer„, die im Oktober 2013 gegründet wurde, sowie das „Skilled Veterans Corps for Fukushima“ und berichten von Arbeiten in Gebieten, die zum Teil hohe Strahlungswerte aufwiesen.

Was die 130 registrierten Mitglieder der „Soso Volunteers“, die mit Gebäudereinigung, Mäharbeiten und Rettung von Eigentum beschäftigt waren mit den 200 Skilled Veterans, die Strahlungsmessungen in gesperrten Gebieten wie Naraha durchführten. gemeinsam haben, ist ihr rechtlicher Status.

Nach Angaben des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales, fallen Freiwillige nicht unter bestimmte Arbeitsschutzgesetze, so dass Vorgaben, wie die Beschränkung einer maximalen Jahresbelastung von 50 Millisievert und einem Maximalwert von 100 Millisievert in einem Zeitraum von fünf Jahren, keine Rolle spielen.

Auch Entschädigungen bei Arbeitsunfällen und die Strahlungsbelastung von Freiwilligen kommen in Versicherungsrichtlinien und Entschädigungsgesetzen nicht vor. Über diese Arbeiten berichtete die Mainichi Shimbun.

Futaba entfernt Atomenergie-Slogans: Zum Wochenbeginn beschloss die Verwaltung der Ortschaft Futaba, die im Zuge der Fukushima-Katastrophe 2011 evakuiert worden war, Propaganda-Schilder für Atomenergie aus dem Stadtbild zu bewerben.

Die Arbeiten sollen in das Budget für das Fiskaljahr 2015 aufgenommen werden und sollen etwa 4,1 Millionen Yen kosten. Bei Verabschiedung des vorgelegten Haushaltsentwurfs, könnten die Arbeiten bereits im August beginnen.

TEPCO-Slogan "Yume aru shakai" (Foto: Copyright by tokyo remix. com)
Enthusiasmus und Farbe alter TEPCO-Slogans haben sich verabschiedet (Foto: Copyright by tokyo remix. com)

Die Schilder tragen Aufschriften wie etwa „Atomenergie: Die Energie für eine leuchtende Zukunft“ oder „Atomenergie für einen Traum„.

Als Grund für die geplante Entfernung erklärten die Gemeindevertreter, dass die Schilder zu baufällig geworden seien.

Über den geplanten Abriss der „Verheißungen“ berichtete die Kyodo.

Über 700 Nachbeben in einem Jahr: Wie die Japanische Wetterbehörde am heutigen Montag mitteilte, sind auch vier Jahre nach dem Tohoku-Großbeben vom 11. März 2011 die tektonischen Auswirkungen immer noch spürbar.

Alleine seit März 2014 war es zu mehr als 737 Nachbeben gekommen. Die Gesamtsumme der Erdbeben, die seit dem Tohoku-Großbeben vom März 2011 als Nachbeben eingestuft wurden, beläuft sich (inklusive des Hauptbebens) auf 11.455 Fälle.

Zwar sei die Zahl insgesamt rückläufig, läge aber immer noch über dem Durchschnitt und auch in der Zukunft werde es weitere Aktivität geben. Im Fall der Nachbeben hätte es seit März letzen Jahres 34 Erdbeben mit einer Magnitude ab 5,0 gegeben. Über die aktuellen Zahlen berichtete die Kyodo.

Leck an Verbindungsleitung: Nach den Messungen von hohen Strahlungswerten in Abwasserkanälen, wurde am vergangenen Freitag bei Untersuchungen im Lagertankbereich H4 fließendes Wasser entdeckt, dass zwischen Rohrisolierungsmaterial austrat.

Nach der Entfernung der Isolierung wurde an einer Rohrdurchführung, in einer Höhe von etwa 20 Zentimetern über dem Boden ein Leck von der Größe einer Bleistiftspitze entdeckt. Nachdem der Wasserfluss durch technische Maßnahmen gestoppt werden konnte, führte man dort eine Abdichtung mit einem wasserabweisenden Mittel durch.

Das ausgetretene Wasser verbreitete sich auf einer Fläche von etwa 50×50 Zentimetern. Ein weitergehender Austritt, etwa in den Abwasserkanal C sei nicht wahrscheinlich, da das entsprechende Ventil geschlossen war. Die geschätzte Menge des ausgetretenen Wassers beläuft sich nach Angaben des Kraftwerksbetreibers auf etwa 25 Liter.

Bei der Ursachenforschung wurde anhand von Kameraaufnahmen festgestellt, dass der Wasserstand des inneren Damms im Lagertankbereich H4 am 6. März von 17 auf 27 Zentimeter gestiegen war. Man geht davon  aus, dass aufgrund des so genannten Siphon-Effekts trotz eines Pumpenstopps angesammeltes Wasser aus dem Lagertankbereich H6 dorthin gelangt war.

Durch die Zunahme des Wasserstands sei dann der Druck gestiegen und habe so zum Leck an der Rohrdurchführung geführt.

Nachdem ein Kontrollgang am 6. März gegen Mitternacht noch keinen Hinweis auf das Leck ergeben hatte, vermutet TEPCO, dass der Wasseraustritt erst später auftrat. Ein Zusammenhang mit der hohen Konzentration an Betastrahlern in den Abwasserkanälen konnte nicht festgestellt werden.

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