Fukushima aktuell: Kernschmelze an Reaktor 3 schwerer als vermutet

Fukushima aktuell: Kernschmelze an Reaktor 3 schwerer als vermutet

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 3 am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3 am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)

Wie der Betreiber des AKW Fukushima heute bekannt gab, setzten kritische Entwicklungen nach Ausbruch der Katastrophe deutlich schneller und unter anderen Umständen ein, als bislang von mehreren Stellen angenommen. Einzelheiten dieser Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. August 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Kernschmelze an Fukushima-Reaktor 3 schwerer als angenommen
  • 69. Jahrestag des Hiroshima-Atombombenabwurfs

Kernschmelze an Fukushima-Reaktor 3 schwerer als angenommen: Die Umstände der Kernschmelze an Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi nach dem Tohoku-Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 waren offenbar umfassender, als bislang vermutet. Dies gab die Betreiberfirma TEPCO heute bekannt.

Anders als zuvor angenommen, müsse nun davon ausgegangen werden, dass der Großteil der zusammengeschmolzenen Brennelemente aus dem eigentlichen Reaktorkern gelangt ist und sich nun auf dem Boden des Sicherheitsbehälters angesammelt hat.

Offenbar war aufgrund technischer Probleme das HPCI-Kühlsystem, die bei Notfällen große Mengen an Wasser einspeisen, nicht mehr in Betrieb, bevor Kraftwerksarbeiter es unsachgemäß abschalteten. Die Kernschmelze habe daher bereits am 13. März um 5:30 Uhr morgens eingesetzt – und damit fünf Stunden früher als bislang vermutet.

Auch das zweite passive Kühlsystem RCIC fiel aus. Als mögliche Ursache gilt hier ein Zwischenfall durch den steigenden Abgasdruck der Turbine.

Diese Entdeckungen werfen jedoch nicht nur ein neues Licht auf den schnelleren Verlauf des Unglücks an Reaktor 3, sondern sie widerlegen auch einen Vorwurf des Fukushima-Untersuchungsausschusses der Regierung. Dieser hatte erklärt, die fehlerhafte Bedienung durch die Angestellten habe wesentlich zur Katastrophe beigetragen.

Für die Zukunft haben die aktuellen Neubeurteilungen ebenfalls Auswirkungen. Durch die Lage der zusammengeschmolzenen Masse (Corium), wird die dauerhafte Stilllegung von Fukushima-Reaktor 3 mehr technischen Einsatz erforderlich machen.

Kraftwerksbetreiber TEPCO war im Rahmen der kontinuierlich weitergeführten Analyse der Kraftwerkskatastrophe zu den neusten Erkenntnissen gelangt. Neben dem Unternehmen berichteten auch japanische Medien, darunter die Kyodo und die NHK.

69. Jahrestag des Hiroshima-Atombombenabwurfs: Anlässlich des 69. Jahrestags des weltweit ersten Atombombenabwurfs auf die Stadt Hiroshima, fanden am heutigen Mittwoch weltweit zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. An der Zeremonie in Hiroshima nahmen unter strömendem Regen etwa 45.000 Personen teil, darunter Überlebende, Angehörige und Vertreter von 68 Staaten.

Der Kenotaph in Hiroshima (Foto: pd)
Der Kenotaph im Friedenspark von Hiroshima (Foto: pd)

In seiner diesjährigen “Heiwa Zengen“, der Friedenserklärung der Stadt Hiroshima, nannte Bürgermeister Kazumi Matsui die Geschichten einiger Opfer und betonte das “absolut Böse” der Atombombe, deren Einsatz verhindert  werden müsse. Enttäuscht wurden dagegen jene, die in einer Petition klare Äußerungen zur Politik des Premierministers Shinzo Abe gefordert hatten.

Weder die Neuinterpretation des Nichtangriffsartikels der japanischen Verfassung, noch die Verhandlungen zu einem Atomwaffenabkommen, noch Japans Energiepolitik waren Teil der Rede. Im vergangenen Jahr hatte er letztere in seiner Rede genannt.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der sich in einer Botschaft zu Wort meldete und Japans Premierminister Shinzo Abe, bekundeten Trauer und Anteilnahme  für Opfer, Überlebende und Angehörige. Premier Abe versprach, Japan werde keine Anstrengung scheuen, um eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen.

Bei einem Gespräch mit Abe warf dagegen der Vertreter eines Hibakusha-Verbandes der japanischen Politik vor, durch die Neuinterpretation des Verfassungsartikels, nun die Führung neuer Kriege zu ermöglichen.

Durch das vom Parlament Abe beschlossene “Recht zur kollektiven Selbstverteidigung” breche die Regierung den Eid, der in den Gedenkstein des Hiroshima-Denkmals graviert ist: “Dieser Fehler wird sich nicht wiederholen“. In dem Denkmal  werden die Namen des Todesopfer der Atombomben verwahrt.

Der Premier erklärte dagegen in dem Gespräch, die Entscheidung sei dazu gedacht, das Leben und den Frieden für das japanische Volk zu sichern. Über das Gedenken und die damit verbundenen Gedanken zur Politik berichteten praktisch alle japanischen Medien, darunter Kyodo, Mainichi Shimbun, jiji und NHK.

3 KOMMENTARE

  1. Lieber Autor,
    ich verfolge Ihre Seite nun schon seit langer Zeit und möchte kurz Danke sagen für die verlässliche Quelle und unermüdliche Berichterstattung zum Thema Fukushima.
    Sie schaffen hier ein einzigartiges Zeitdokument der deutschen Medienwelt!

    Auch, wenn das etwas pathtisch klingt.

    • Auch ich verfolge Ihre Seite von Beginn an und kann dem vorhergehenden Kommentar nur beipflichten. Auch wenn ich des Japanischen mächtig und regelmäßig in Japan bin, kann ich aus den japanischen Medien nicht diese ganzen Fakten herauslesen und zusammensammeln. Vielen Dank für Ihre Mühe und die unermüdliche Berichterstattung, wenn schon die ganze restliche Medienwelt Fukushima vergessen zu haben scheint.

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