Fukushima aktuell: Kernschmelze wurde zu spät bestätigt

Fukushima aktuell: Kernschmelze wurde zu spät bestätigt

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Artikelbild: Blick auf Reaktor 3 am 29. September 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Daiichi: Blick auf Reaktor 3 am 29. September 2011 (Foto: TEPCO)

Der dauerhafte Schutz vor kontaminiertem Regenwasser und ein unangenehmes Eingeständnis des AKW-Betreibers TEPCO sind Teil der aktuellen Fukushima News. Doch werden aus der Präfektur Fukushima heute auch weitere Nachrichten gemeldet.

So geht es etwa um die Unterstützung der Arbeiter an der Kraftwerksanlage. Einzelheiten gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Februar 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • TEPCO hätte Kernschmelze früher klassifizieren können
  • Fertigstellung der Regenwasserumleitung für März erwartet
  • Konbini-Kette plant Zweigstelle am AKW Fukushima:

TEPCO hätte Kernschmelze früher klassifizieren können: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO am heutigen Mittwoch mitteilte, hätte das Unternehmen den Status der Kernschmelze früher melden können, als dies bei der Fukushima-Katastrophe geschehen war.

Ursprünglich hatte das Unternehmen zunächst lediglich davon gesprochen, es habe im Zuge der Tohoku-Katastrophen vom März 2011 Schäden am Reaktorkern gegeben. Erst im folgenden Monat räumte der Betreiber den Zustand der Kernschmelze ein.

Nach Angaben der Unternehmenssprecherin Yukako Handa, soll die Kernschmelze nur drei Tage nach den Naturkatastrophen festgestellt worden sein.

Dem Katastrophenschutzrichtlinien von TEPCO zufolge, ist bereits von einer Kernschmelze auszugehen, sobald wahrscheinlich scheint, das fünf Prozent der Brennelemente als beschädigt klassifiziert werden müssen.

Am 14. März 2011 wurden anhand der Strahlungswert 55 Prozent der Brennelemente in Reaktor 1 und 25 Prozent in Reaktor 3 als „beschädigt“ eingestuft. Somit lag an diesen Reaktoren per definitionem eine Kernschmelze vor.

Ein Verstoß gegen Richtlinien liege dennoch nicht vor, da die Pressesprecher diese genaue Definition nicht bekannt gewesen sei und das Unternehmen die Daten ohne weitere Angaben, wie gesetzlich vorgeschrieben an die Regierung übermittelt hatte.

Demnach wurde bei der Bekanntgabe der Begriff „Kernschmelze“ von der PR-Abteilung aufgrund dieses mangelnden Wissens nicht genutzt – ein Defizit, wie TEPCO nun fast fünf Jahre nach den Ereignissen zugibt.

Über die Möglichkeit einer früheren Klassifizierung der Ereignisse berichteten mehrere japanische Medien, darunter die Kyodo und Präfekturmedien.

Die plötzliche Versetzung von Koichiro Nakamura, einem führenden  Mitglied der damaligen Aufsichtsbehörde NISA, nachdem er einen Tag nach der Katastrophe den Begriff „Kernschmelze“ genutzt hatte, schürt dagegen bis heute Gerüchte über Vertuschungsversuche der Regierung.

Fertigstellung der Regenwasserumleitung für März erwartet: TEPCO sieht die Möglichkeit, bis Ende kommenden Monats die Umleitung von kontaminiertem Regenwasser in das Hafenbecken fertig stellen zu können.

Das gab der AKW-Betreiber am Montag bei einem Treffen in der Stadt Koriyama (Präf. Fukushima) bekannt.

Im Februar vergangenen Jahres war deutlich geworden, dass über den Abwasserkanal K, der westlich der Reaktoren verläuft, bei Regenfällen radioaktives Material gelöst und in den Mündungsbereich außerhalb des Hafens gespült worden war.

Diese Meereskontamination durch radioaktiv belastetes Regenwasser hatte zunächst zu provisorischen Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa der Abpumpung von Wasser geführt, was sich aufgrund des wiederkehrenden Regens mehrfach als unzureichend erwies.

So führte im Juli 2015 ein Taifun zur Meereskontamination durch den Abwasserkanal und auch im Folgemonat war auf diese Weise radioaktives Wasser in den Ozean gelangt. Daher wurde mit Arbeiten begonnen, deren Ziel ein neuer Verlauf für die Abwasserleitung ist.

Mit der Fertigstellung der Arbeiten wird der Abwasserkanal künftig im Hafenbecken münden, so dass radioaktiv belastetes Regenwasser nicht mehr ins offene Meer gespült wird. Über den neuen Abschlusstermin berichteten Präfekturmedien.

Konbini-Kette plant Zweigstelle am AKW Fukushima: Das Unternehmen Lawson will offenbar ab kommendem Monat auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi eine Einkaufsmöglichkeit für die Kraftwerksarbeiter eröffnen.

Vom 1. März an soll die Filiale der Ladenkette dort das Standardsortiment, mit Ausnahme von Alkohol und Speisen, die im Laden zubereitet werden müssten, anbieten. Dies soll die Arbeitsbedingungen verbessern. Über das Vorhaben berichteten Kyodo und Präfekturmedien.

Bereits unmittelbar nach den Tohoku-Katastrophen hatte das Unternehmen, trotz unterbrochener Kommunikation mit den Filialen in der Region,  die Unterstützung bei der Versorgung der Katastrophenopfer anlaufen lassen.

Auch später wirkte Lawson an Aktivitäten in der Präfektur mit. So beteiligte man sich Ende 2012 in mehreren Präfekturen am Verkauf von Broten mit Pfirsichmarmelade aus Fukushima und gab im März 2015 das Angebot einer langfristigen Beschäftigung für Evakuierte bekannt.

4 KOMMENTARE

  1. Und in fünfzig Jahren wird man zugeben, das Reator drei eine kurzeitige Kettenreaktion hatte die explosionsartig den Reaktorkessel zerstörte und den Deckel kilometerweit hochschleuderte.
    Das war im Fall von Nummer drei nicht nur eine Knallgas Zündung.

    • Hast du den Artikel eigentlich gelesen? Nichts anderes steht im Artikel.

      TEPCO nahm das Wort „Kernschmelze“ nicht in den Mund und ein vorlauter Regierungssprecher, der den Begriff nutzte, wurde ganz schnell ausgetauscht.

      Was soll mir also der englische Link sagen?

      • @ Otto,

        es ging darum;
        in einen *deklarierten Zustand eines Atomaren Zwischenfalls*
        (dieser wurde am 11/03 abends erklaert)
        ist es an der Regierung die Bevoelkerung zu informieren und eben
        nicht in den haenden einer privaten Firma/ Ko-Operation,
        die NRC hat dies getan (siehe Wortlaut)

        Wir wussten hier in Japan das es sehr, sehr schlecht um Fukushima stand/steht
        abends nach der Pressekonferenz!

        Du kannst diese Presskonferenz via Youtube ansehen.
        Es war nicht so das wir hier in Japan *uninformiert* waren,
        ausserdem musst du die Panik verstehn,
        Japan lag nach dem Beben und Tsunami am Boden.
        Haette nun auch noch Tepco eigenmaechtig erklaert was passieren koennte
        waere dies der lethal Blow gewesen!

        Schon abends (03/11) setzte hier in Tokyo die Evakuierung
        und die Menschen flohen in scharen, viele Auslaender verliessen Tokyo,
        am 15/03 waren es fast alle (die mit gecharterten Flugzeugen das Land verliessen)

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