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Fukushima aktuell: KI könnte Fallout-Berechnungssystem SPEEDI ablösen

Künstliche Intelligenz könnte Fallout genauer berechnen, als das abgeschaffte System.

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Artikelbild - Cybertech und Radioaktivität (Grafik: pd)
AKW-Katastrophen: KI soll Fallout-Berechnungssystem SPEEDI ablösen (Grafik: pd)

Hightech zum Katastrophenschutz ist nach der Krise am AKW Fukushima heute längst nicht nur ein PR-Faktor für die Präfektur, sondern durch digitale Helfer könnte dieses Konzept in Japan aktuell tatsächlich so modern wie nie zuvor werden.

Weitere Fukushima News befassen sich dagegen mit den aktuellen Aufnahmen der Robotermission im Gebäude von Reaktor 2. Die Einzelheiten finden sich nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. Juli 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Künstliche Intelligenz könnte SPEEDI-Nachfolge antreten
  • Aufnahmen von Brennelemente-Kran in Reaktor 2
Künstliche Intelligenz könnte SPEEDI-Nachfolge antreten

Forschungsergebnisse des Instituts für Industriewissenschaft und Technik an der Universität Tokyo, zeigen neue Möglichkeiten zur Prognose der Ausbreitung von radioaktivem Material im Zuge einer schweren Katastrophe an einem Kernkraftwerk.

Die Wissenschaftler nutzten eine „künstliche Intelligenz“ (KI), die sie mit den Wetterdaten wie zB Tiefdruckgebieten und Windrichtung fütterten, die in den vergangenen vier Jahren alle drei Stunden regulär von der japanischen Wetterbehörde veröffentlicht wurden.

Anhand der dabei entdeckten meteorologischen Muster konnte die KI die voraussichtliche Ausbreitung von radioaktivem Niederschlag berechnen.

Diese KI könnte ein Update des so genannten SPEEDI-Systems werden, dass man im Lauf der Fukushima-Katastrophe zwar zur Berechnung der Verbreitung des radioaktiven Fallouts nutzte – allerdings waren die SPEEDI-Erkenntnisse nicht verwendet worden.

Die KI würde den Entwurf sicherer Evakuierungsrouten und den Zeitpunkt der Einnahme von Jodtabletten zum Schutz der Schilddrüse verbessern. Seinerzeit hatte man Menschen durch Gebiete mit starkem radioaktivem Fallout evakuiert.

Über die aktuelle Entwicklung berichteten Präfekturmedien.

Hintergrund

Als Grund für den Verzicht auf die Verwendung nannte man damals die zu theoretische Natur der Methode. Später war die Verheimlichung der SPEEDI-Daten kritisiert worden – tatsächlich erwies sich dieses Vorgehen rückblickend als falsch.

Auch Daten des US-amerikanischen Systems AMS wurden nicht genutzt. Spätestens seit Juli 2012 ist bekannt, dass die Anwendung von SPEEDI die Evakuierung verbessert hätte und im August 2015 wurde klar, dass der Beschluss über  den Verzicht auf SPEEDI  sogar Nachteile bei der Evakuierung zur Folge hätte.

Zuletzt war im März 2017 eine maritimes Nachfolgesystem zu SPEEDI angekündigt worden. Die jetzt vorgestellte KI könnte in Zukunft tatsächlich die konventionellen Methoden ersetzten.

Aufnahmen von Brennelemente-Kran in Reaktor 2

Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi aktuelle Aufnahmen der Robotermission im Gebäude von Reaktor 2. Dabei konnten einige interessante Aufnahmen gemacht werden.

So ist für die geplante Bergung von abgebrannten Brennelementen aus einem Abklingbecken der Zustand der dortigen Deckenkonstruktion von Bedeutung, da im Normalfall die Brennelemente-Wechselmaschinen dort Deckenkräne verwenden.

Fukushima-Reaktor 2: Aufnahme der Führungsschiene am 5. Juli 2018 (Foto: Copyright by TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Aufnahme der Decken-Führungsschiene am 5. Juli 2018 (Foto: Copyright by TEPCO)

Die Aufnahmen zeigen zwar die große Führungsschiene, jedoch auch, dass die Farbe in großen Teilen der Fläche abgeblättert ist.

Dies wird vom AKW-Betreiber auf den Einfluss von eingedrungenem Regenwasser und den hohen Feuchtigkeitsgrad zurückgeführt werden.

Dass keine sichtbaren Schäden am Brennelementekran festgestellt werden konnte, wertet man bei TEPCO offenbar als positives Zeichen für den Gesamtzustand der Strukturen.

Eine weitere interessante Aufnahme dokumentiert bislang fehlgeschlagene Bemühungen mit den Bildern eines alten Roboters, der vor vier Jahren, im März 2014, dort zurückgelassen werden musste. Auch Teile der Stahlkonstruktionen und Leitungen sind sichtbar.

Welche Erkenntnisse das Elektrizitätsunternehmen für die künftige Bergung von Brennelementen aus diesen Eindrücken gewinnen kann, bleibt abzuwarten. Über die neusten fotografischen Aufnahmen berichteten Präfekturmedien.