Start Aktuelles Fukushima aktuell: Kliniken in AKW-Nähe droht das Aus

Fukushima aktuell: Kliniken in AKW-Nähe droht das Aus

Kliniken in einstigen Sperrgebietsgemeinden sind oft tief in den roten Zahlen

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Artikelbild - Klinikum der medizinischen Universität Fukushima (Foto: pd)
Universitätsklinikum Fukushima (Foto: pd)

Nachdem das Wochenende mit 40 Todesopfern des Hokkaido-Erdbebens endete, beginnt die Woche in Fukushima heute mit einigen Meldungen über sehr verschiedene Aktionen, so dass die Fukushima News unterschiedlicher nicht sein könnten.

Dass sich auch abseits einer Titelgeschichte auch das Lesen der weiteren Beiträge lohnt, zeigt sich heute besonders im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. September 2018.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Mehrzahl aller Kliniken in AKW-Nähe sind in den roten Zahlen
  • Telefon-Hotline für Kinder mit Schilddrüsenkrebs
  • Verbrennungsanlage für Tierkadaver beschlossen
  • Abriss der „Sun Child“ Statue wird teuer
Mehrzahl aller Kliniken in AKW-Nähe sind in den roten Zahlen

Etwa 70 Prozent der medizinischen EInrichtungen, die nach der AKW-Katastrophe an ihrem alten Standort in der Nähe des Kernkraftwerks den Betrieb wieder aufnahmen, generieren nicht ausreichend Gewinne und kommen nicht aus den roten Zahlen raus.

Vor den Tohoku-Katastrophen im März 2011 waren in 12 Gemeinden um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi etwa 100 medizinische Einrichtungen tätig. Mit Stand vom Ende vergangenen Monats wurden gerade einmal 32 wiedereröffnet.

Die betroffenen Kliniken, etwa in Tomioka, führen den Rückgang an Patientenzahlen aufgrund der Evakuierung als Grund für den finanziellen Negativtrend an. Einige Betreiber gaben bereits offiziell zu, ohne finanzielle Unterstützung nicht mehr fortfahren zu können.

Wie Umfragen zur Rückkehrbereitschaft zwangsevakuierter, oder vorab geflohener einstiger Bewohner zeigen, ist eine funktionierende medizinische Versorgung für viel Betroffene eine Grundvoraussetzung für eine mögliche Rückkehr.

Da die Überalterung der japanischen Gesellschaft ein großes Problem ist und es insbesondere Senioren sind, die nach Aufhebung von Evakuierungsanordnungen in die Orte ihrer Kindheit  zurückkehren wollen, ist ihre Betreuung eine besondere Herausforderung.

Derzeit betreibt die Präfektur Fukushima ein 24-Stunden-Notfallklinik in Tomioka, während gleichzeitig finanzielle und materielle Unterstützung an andere Kliniken im Umkreis des AKW verteilt werden.

Diese Hilfe basiert auf Schätzungen, die von einer geringen Patientenzahl ausgehen und die wirtschaftliche Stabilisierung der medizinischen Einrichtung sei ein wichtiger Faktor, erklärte ein Mitarbeiter der Behörde.

Über diese Probleme und die Suche nach Möglichkeiten ihrer Bekämpfung berichtete die jiji.

Telefon-Hotline für Kinder mit Schilddrüsenkrebs

In einer Ankündung vom heutigen Freitag gab die Japanische Nonprofit-Organisation “3.11 Fund for Children with Thyroid Cancer“ bekannt, eine Beratungshotlinie für Betroffene eingerichtet zu haben.

Ab dem 16. September soll es künftig zwischen 10:00 und 16:00 Uhr die Möglichkeit geben, im Rahmen eines gewissen Zeitfensters kostenlose Ratschläge von Experten zu erhalten: (0120) 966 544.

Nach Erfahrung der Verantwortlichen erhalten Eltern, deren Kinder an Schilddrüsenkrebs erkrankten, häufig nicht ausreichende Informationen über relevante Punkte. Diesbezüglich würden sie allein gelassen.

Die Organisation basiert auf Spenden und die Finanzmittel werden vor allem zur Übernahme von Behandlungskosten verwendet. Das Beratungstelefon ist somit ein neuer Schritt, um noch mehr Menschen mit hilfreichen Informationen erreichen zu können.

Über das Projekt berichten Präfekturmedien

Verbrennungsanlage für Tierkadaver beschlossen

Als Reaktion auf die zahlreichen Zusammentreffen von Menschen und Wildtieren, insbesondere in den evakuierten Gemeinden des Sperrgebiets, will die Stadt Minamisoma einen Einäscherungsofen für erlegte Wildtiere in Betrieb nehmen.

Anlässlich der Grundsteinlegungszeremonie am Samstag, an der etwa 40 Personen teilnahmen, drückten die Anwesenden ihre Hoffnung auf einen sicheren Verlauf der Baumaßnahmen aus. Es wäre erst die zweite Anlage dieser Art.

Das Gerät wird nach seiner Fertigstellung in einem zweistöckigen Gebäude mit einer Gesamtfläche von 390 Quadratmetern untergebracht. Dort können dann bis zu 500 Kilogramm an Tierkadavern entsorgen werden, was einer Jahresleistung von 1.500 Kadavern entspricht.

Die Baukosten belaufen sich auf mehr als 361 Millionen Yen. Die Anlage soll bereits im kommenden Fiskaljahr in Betrieb genommen werden. Das berichten Präfekturmedien.

Hintergrund

In der Vergangenheit waren Wildtiere in Sperrgebiets-Gemeinden eingedrungen, wo sie in Häuser gelangten und dort teils erhebliche Schaden anrichteten. Teilweise in einem Ausmaß, dass es mögliche Rückkehr früherer Bewohner erschwert werden könnte.

Aus diesem Grund wurde die Tötung freilaufender Rinder veranlasst und im Jahr 2017 auch die Bekämpfung der Wildschweinplage im Bereich des Sperrgebiets verschärft. Letztere scheint tatsächlich erfolgreich zu sein.

Als Folge davon ist jedoch die Zahl getöteter Wildtiere massiv gestiegen und die Probleme bei der Entsorgung von Wildschweinkadavern stellen eine nue Herausforderung dar. Die 2016 thematisierte wissenschaftliche Nutzung als „Dosimeterwildschweine“ erfordert nicht die gesamte Population.

Abriss der „Sun Child“ Statue wird teuer

Die Stadt Fukushima gab am vergangenen Freitag bekannt, die Ausstellung an der umstrittenen Figur des „Sun Child“ zu schließen. Ab dem 17. September ist mit einer Demontage der Figur zu rechnen. Die Arbeiten hierfür sollen 18 bis 20 Tage dauern.

Das Bildnis des kleinen Jungen im Schutzanzug, dessen Dosimeter auf der Brust nur Nullen anzeigt (was in der Natur gar nicht möglich wäre) und den Schutzhelm in der Hand hält, hatte im August massive Proteste gegen die Sun Child Statue geschürt.

Ende des gleichen Monats war die Beseitigung der Sun Child Figur beschlossen worden – die Kritiker des Projekts hatten sich durchgesetzt. Jetzt muss die Stadt Fukushima nach den 1,3 Millionen Yen für die Aufstellung, mehr als eine Million zur Demontage bereitstellen.

Welches Element dann den Standort schmücken wird, ist derzeit noch unklar, ebenso wie das endgültige Schicksal der Figur, deren erwartete Popularität an den negativen Assoziationen der Einheimischen scheiterte. Das berichteten Präfekturmedien.