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Fukushima aktuell: Kontaminierte Wälder und Böden beschäftigen Wissenschaftler

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Adatara-Bergmassiv (Foto: pd)
Präfektur Fukushima als Mahnung an Japans Atompolitik (Symbolfoto: pd)

Mutationen, Recycling und Dekontamination sind jene Themen, welche die Einwohner der Präfektur Fukushima heute besonders interessieren dürften, geht es doch um die heimischen Wälder. Die Einzelheiten dieser Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Dezember 2015.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Fast komplettes Recycling von kontaminiertem Boden möglich
  • Lob und Kritik an Plänen zu beschränkter Walddekontamination
  • Zusammenhang zwischen AKW-Krise und Mutationen wird untersucht

Fast komplettes Recycling von kontaminiertem Boden möglich: Schätzungen des Umweltministeriums zufolge, sind bis zu 99,8 Prozent der bei Dekontaminationsarbeiten angefallenen Mengen an radioaktiv belastetem Erdreich wiederverwendbar.

Insgesamt fielen bei der Abtragung der obersten Bodenschichten mehr als 20 Millionen Kubikmeter an kontaminiertem Abfall an.

Auf dem gestrigen Treffen war bereits die Möglichkeit des Erdboden-Recyclings angesprochen und die mögliche Verwendung als Baumaterial nach Durchführung eines Modellprojekts diskutiert worden.  Über die hohen Erwartungen des Ministeriums berichtete die Asahi Shimbun.

Lob und Kritik an Plänen zu beschränkter Walddekontamination: Die Pläne, Wälder der Präfektur Fukushima nicht vollständig zu dekontaminieren, sondern lediglich die Verbreitung radioaktiven Materials einzudämmen, stößt sowohl auf Zustimmung, als auch auf Kritik.

So stellt die Arbeit in den radioaktiv belasteten Wäldern grundsätzlich eine Belastung für die Dekontaminationsarbeiter dar. Messungen im November vergangenen Jahres hatten eine Umgebungsbelastung von durchschnittlich 6,5 Mikrosievert pro Stunde ergeben.

Der höchste Wert lag allerdings bei 31 Mikrosievert pro Stunde. Beide Werte liegen über den 3,8 Mikrosievert, ab denen eine Dekontamination als erforderlich gilt. Nun gibt es Überlegungen, ähnlich wie Kraftwerksbetreiber TEPCO, eine Gefahrenzulage zu zahlen.

Andererseits wäre für Einwohner von nahe gelegenen Ortschaften das Wissen, die Wälder würden lediglich in einem 20-Meter-Umkreis um ihre Siedlungen dekontaminiert, keineswegs beruhigend, sondern gäbe eher Anlass zur Sorge.

Die Verwaltung argumentiert, die Dekontamination ganzer Wälder sei nicht nur teuer, sondern die Entfernung von Laub und Erdschichten würde die Bodenerosion und damit die Freisetzung von radioaktivem Material durch Regenfälle fördern.

Eine Eindämmung durch Schutzzäune in der Nähe der Ortschaften sei daher auch aus Sicherheitsgründen sinnvoller. Über Lob und Kritik berichteten Präfekturmedien.

Zusammenhang zwischen AKW-Krise und Mutationen wird untersucht: Trotz  Mutationen und Auffälligkeiten bei Pflanzen und Tieren in der Präfektur Fukushima ist nach wie vor unklar, in welchem Ausmaß dies die Folgen der AKW-Krise sein könnten.

Um die Zusammenhänge besser verstehen zu können, untersuchten Wissenschaftler vor allem die Konzentration von radioaktivem Cäsium im Erdboden und Wasserproben. Der beobachtete grundlegende Kontaminationsvorgang ist dabei identisch.

Radioaktiv belastetes Material lagerte sich unmittelbar nach der Fukushima-Krise auf dem Boden von Wäldern und Seen ab. Dort wurde diese Kontamination der ersten Stunde durch den Laubwechsel und neue Sedimente im Laufe der Jahre in tiefere Schichten gedrückt.

Dies erklärt, weshalb in Wäldern die Umgebungsradioaktivität schneller sinkt und die Messwerte von oberflächennahen Seebodenablagerungen niedriger sind, als dies alleine durch den natürlichen Abbau von Cäsium zu erklären wäre.

Die Einflüsse des radioaktiven Materials auf Fauna und Flora der Präfektur sind dagegen noch weitgehend unklar, was auch an der geringen Datenmenge liegt, die vor der Fukushima-Katastrophe lediglich durch Laborversuche geschaffen wurde.

Zwar weisen mehr als 90 Prozent der Tannen in Okuma Wachstumsanomalitäten auf, Blattläuse aus Kawamata zeigen Veränderungen an den Beinen und Affen in der Nähe der Stadt Fukushima weisen eine geringere Anzahl Leukozyten auf – man warnt dennoch vor voreiligen Schlüssen.

Gerade bei wildlebenden Tieren sei die Einschätzung der externen Strahlungsbelastung aufgrund ihrer Bewegungen in unterschiedlichen Gebieten schwierig und auch die inkorporierte Belastung ist durch unterschiedliche Beutetiere schwer einzugrenzen.

Zudem könnten andere Umweltfaktoren wie Temperaturschwankungen und anderweitige Umweltverschmutzung ursächlich für die Mutationen sein.

Nach Einschätzung eines Experten ist eine Beobachtungsdauer von mindestens fünf bis sechs weiteren Jahren erforderlich, bevor man Aussagen treffen könne.

Da 70 Prozent der Präfektur Fukushima bewaldet sind, diese Wälder bislang praktisch nicht dekontaminiert wurden und Cäsium-137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren aufweist, können die Erkenntnisse sowohl für Katastrophenschutzpläne, als auch für Rückkehrentscheidung von Bedeutung sein. Das berichtete die Asahi Shimbun.

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